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Julia Diehl

Eine Deutsche erfüllt sich ihren Traum – Wie oft sitzt man zu Hause, schaut aus dem Fenster und wünscht sich nichts sehnlicher, als dem tristen Alltag auf Wiedersehen zu sagen? Auswanderer-Sendungen zeigen uns, dass wir mit diesen Überlegungen nicht ganz allein sind. Doch den finalen Schritt, die Koffer zu packen und aus dem Gewohnten auszubrechen, wagen wir dann doch nicht.

Warum eigentlich nicht? Wir fragten eine, die diesen Schritt gegangen ist und ihn bis heute nicht bereut hat: Julia Diehl ist in den Süden gezogen und hat erfolgreich ihr eigenes Label gegründet.

Surfers: Auf deiner Homepage www.juliadiehl.com heisst es, dass du Modedesignerin und Surferin bist und an der Atlantikküste Frankreichs und auf Maui wohnst. Das klingt beneidenswert! Wie können wir uns das genau vorstellen?
Julia: Ich lebe den Endless Summer oder versuche es zumindest. Wenn ich nicht gerade im Wasser bin, findet man mich in meinem Atelier nicht weit vom Strand in Hossegor. Im Winter haue ich meistens ab in wärmeres Wasser, zum Beispiel nach Hawaii zu Freunden.

Wo in Deutschland bist du aufgewachsen?
In Frankfurt. Mit 20 zog ich nach München, um Modedesign zu studieren.

Wann und warum hast du dich dann entschieden auszuwandern?
Im Oktober 2001 habe ich mein Köfferchen gepackt. Ich war damals 27 und bei Bogner als Chefdesignerin angestellt, ein echter Karrierejob. Alle in meinem Freundeskreis haben mich für verrückt erklärt, als ich gekündigt habe. Aber ich wollte einfach nicht, dass sich mein Leben nur noch um die Karriere dreht und ich keine Zeit mehr habe, Dinge zu tun, die mich glücklich machen.

Welche Rolle hat dabei das Surfen gespielt?
Die entscheidende! Mit drei Wochen Surfen im Jahr kommt man nicht weiter. Ich wusste, ich muss am Meer leben, um es endlich gescheit zu lernen.

Wann hast du angefangen zu surfen?
Ich war 16 und gerade auf einem Schüleraustausch in Huntington Beach. Nachdem ich „Point Break“ im Kino gesehen hatte, habe ich mir sofort ein Old-School-Fish kaufen müssen – in Rot! Das hängt jetzt an der Wand an einem Ehrenplatz. Das war der Anfang.

Wie und wann kam dir die Idee für ein eigenes Bikini-Label?
Vor circa zwei Jahren auf Maui habe ich aus Spass angefangen, für mich und meine Freundinnen sexy Surf-Bikinis zu nähen. Die Bikinis, die man kaufen konnte, waren mir nicht speziell genug oder hatten nicht den richtigen Schnitt. Dann kamen immer mehr Mädels auf mich zu, die einen massgeschneiderten Bikini haben wollten. Also hab ich ein kleines Business daraus gemacht. Meine Kreationen sind zwar nicht ganz günstig, aber mein Freund [der deutsche Pro-Snowboarder Xaver Hoffmann; Anm. d. Red.] sagt immer: „Ein schöner Sportwagen kostet auch etwas mehr als ein getunter Polo, hat dafür aber auch ein bisschen mehr Klasse.“ Jedes Modell wird in meinem Atelier mit Liebe genäht. Von demselben Style gibt es maximal zehn Stück weltweit und dabei möchte ich auch bleiben.


»Alle in meinem Freundeskreis haben mich für verrückt erklärt, als ich gekündigt habe.«
»Alle in meinem Freundeskreis haben mich für verrückt erklärt, als ich gekündigt habe.«

Klamotten-Labels wollen viele gründen, die meisten scheitern. Wie bist du bei der Umsetzung vorgegangen?
Mit der Guerillamethode: Ich bin mit meinen Bikinis zu den besten Shops gegangen und habe sie gezwungen, die edlen Stücke zu verkaufen. Das hat bis jetzt ganz gut funktioniert.

Warum hast du dich für Frankreich als Standort entschieden?
Der Wellen wegen. Was ich speziell an Hossegor liebe, ist, dass hier unheimlich viele Surfer aus aller Welt leben. Ausserdem war mein Papa hier schon Anfang der 70er auf der Suche nach Wellen zum Windsurfen und hat uns jeden Urlaub an den Atlantik verfrachtet. Damals hat man auch schon vereinzelt Surfer gesehen und die fand ich total cool. Ich hab dort schwimmen gelernt und meinen ersten Kuss bekommen. Es ist zu meiner zweiten Heimat geworden.

Der Schritt in die Selbstständigkeit ist immer mit Risiken verbunden: Gab es für dich auch Rückschläge?
Eigentlich kann ich mich nicht an richtige Rückschläge erinnern. Das liegt an meiner positiven Einstellung. Ich denke, es ist normal, dass es manchmal Kleinigkeiten gibt, die nicht funktionieren, oder man mal einen Fehler macht. Andere würden so etwas als Rückschlag bewerten, aber ich sage mir immer, dass es einen Grund dafür gab und es mir im Endeffekt nützt.

Musstest du für deinen Traum viel opfern?
Ich musste mehr opfern, als ich fest angestellt war. Ich habe bei Bogner und Billabong gearbeitet. Die Zeit war toll und ich habe viel gelernt, aber ich war mit der Festanstellung einfach nicht glücklich. Wenn man selbstständig ist, ist es anstrengender und man hat ein grösseres Risiko, aber es ist toll, sein eigener Herr zu sein, und ich geniesse diese Freiheit sehr.

Seit wann kannst du von deinem Label leben?
Kann ich noch nicht, deshalb jobbe ich nebenher noch, zum Beispiel als Surf-Model. Ausserdem habe ich einen sehr lieben Freund und eine tolle Familie, von denen ich in allem, was ich tue, voll unterstützt werde.

Hast du Tipps für Mädels, die planen, im Ausland etwas auf die Beine zu stellen?
Für mich war es wichtig, erst mal einen festen Job zu haben und mit Freunden zusammenzuwohnen, bei denen ich mich zu Hause gefühlt habe. Es klingt zwar etwas abgedroschen, aber wenn man an sich glaubt und einen Traum mit Leidenschaft verfolgt, bin ich sicher, dass man für seinen Mut belohnt wird.

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