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Layne Beachley

Wenn die Motivation der Motor des Menschen ist, dann wird Layne Beachley von einem V8-Aggregat angetrieben. Die 35-jährige Australierin ist die erfolgreichste Pro-Surferin aller Zeiten. Trotz heftiger gesundheitlicher Rückschläge hat Layne sich immer wieder nach oben gekämpft und wurde im letzten Jahr zum siebten Mal Weltmeisterin. Aber nicht alles in ihrer 17-jährigen ASP-Karriere verlief immer erfolgreich: Zu Beginn musste die Kämpfernatur erfahren, wie schwierig es ist, sich in der Contest-Welt als weiblicher Pro zu behaupten. Was Layne daraus für Lehren gezogen hat, erzählt sie in unserem Interview.

Layne, was bedeutet dir dein siebter Titel im Vergleich zu den sechs anderen, die du bereits gewonnen hast?
Es war der unwirklichste und zugleich emotionalste von allen. Diesen habe ich mit meinem Herzen und nicht mit meinem Kopf gewonnen. Mein erster Titel 1998 war ein reiner Befreiungsschlag, diesen aber habe ich ausschliesslich für mich gewonnen. Ich musste niemandem etwas beweisen – ich war einfach nur dankbar für alles, was ich auf meinem Weg erfahren habe.

Was kam nach dem Titelgewinn auf dich zu?
Ich hatte die Möglichkeit, meinen Freund [INXS-Gitarrist Kirk Pengilly; Anm. d. Red.] auf seiner Tour zu begleiten. Dadurch habe ich Verständnis für seinen Lebensstil und seine Arbeit entwickelt. Ausserdem sind wir gerade auf der Suche nach einem Haus, das Platz für meine 65 Boards und sein Tonstudio bietet. In letzter Zeit bin ich menschlich ein grosses Stück gewachsen.

Als Stephanie Gilmore an deinem Home-Break Manly Beach gegen dich im Finale gewonnen hat, schienst du dich aufrichtig für sie gefreut zu haben. Inwiefern sind grosse Contests wie der Havaianas Beachley Classic wichtig für junge Surferinnen?
Stephs Sieg ist der beste Beweis dafür, dass man dem Nachwuchs solche Möglichkeiten bieten sollte, damit sie Erfahrungen sammeln und ihre Träume verwirklichen können. Ich habe mich von ganzem Herzen für sie gefreut; sie hat das Zeug, professionelles Frauen-Surfen auf einen neuen Level anzuheben. Ich kann mich noch daran erinnern, dass ich nicht voll und ganz an mich geglaubt hatte, bis ich meinen ersten Contest gewonnen habe.

Wie kommst du damit klar, dass viele der Frauen, mit denen du aufgewachsen bist und die das Surfen in den 90er-Jahren prägten, nicht mehr dabei sind?
Einige sind ja noch immer im Umfeld der Tour tätig, sei es Lisa Andersen oder Jodie Cooper. Ich finde es wichtig, dass die nachkommende Generation zu verstehen lernt, wie sich die Tour verändert hat und was wir dazu beigetragen haben. Das Tour-Leben geht an die Substanz und ich kann immer noch nicht glauben, dass ich das bereits 17 Jahre lang gemacht habe. Als ich das Stephanie erzählt habe, wäre sie fast vom Stuhl gefallen. Viele Mädels wissen nicht, was wir in den frühen 90ern für Opfer bringen mussten, um von dem Sport leben zu können. Eine Surf-Industrie, so wie sie heute existiert, gab es nicht und somit auch kaum geförderte Talente.

Welche Spuren haben 17 Jahre professionelles Surfen an deinem Körper hinterlassen?
Über all die Jahre habe ich meinen Körper extrem beansprucht, wenn nicht sogar bestraft. Jetzt spüre ich die Folgen: Es dauert länger, bis ich mich nach anstrengendem Training oder einer Verletzung wieder erholt habe. Im zarten Alter von 35 Jahren kommt es darauf an, den Körper zu pflegen und auf seine Bedürfnisse einzugehen.

Was war dein härtester Wipe-out?
Das war vor sieben Jahren in einem Contest-Heat bei Achtfuss-Wellen in Sunset (Hawaii). Ich bin am Fusse einer Welle gestürzt, die Lippe hat mich erfasst und ist mit voller Wucht auf meinem unteren Rücken eingeschlagen. Unter Wasser berührten meine Hacken meinen Hinterkopf – und ich kann euch sagen, so flexibel bin ich definitiv nicht! Unter ziemlich starken Schmerzen habe ich meinen Heat zu Ende gesurft; es war das Halbfinale und ich bin ins Finale gekommen. Nach Stretching und Eisbehandlung bin ich wieder rausgepaddelt, habe das Finale gewonnen und bin Weltmeisterin geworden. Allerdings stellte man später fest, dass ich mir den L3/L4-Wirbel gebrochen hatte. Einige Wochen konnte ich nicht mal laufen – das war wirklich das Schlimmste, was mir je widerfahren ist!

Was steckt hinter dem von dir ins Leben gerufenen Contest-Format Havaianas Beachley Classic?
Ich möchte das klassische Contest-Surfen für Frauen modernisieren. Dazu gehört ein angemessenes Preisgeld von 100.000 US-Dollar – das höchste, was es überhaupt bei einem Frauen-Contest gegeben hat. Das Ziel ist, Frauen-Surfing zum grössten kommerziellen Markt in Australien zu machen und Firmen von ausserhalb der Surf-Industrie dazu zu bringen, sich in diesem wunderbaren Sport zu engagieren. Darüber hinaus wollte ich einen grossen Contest in meine Heimatstadt Manly bringen.

Du scheinst dich mit wirtschaftlichen Fragen bestens auszukennen. Liegt es vielleicht daran, dass du mal Börsenmaklerin werden wolltest?
Als Kind wollte ich an die Börse, weil ich äusserst sparsam mit meinem Taschengeld umgegangen bin. Als ich aber ein zweiwöchiges Praktikum an der Börse von Sydney gemacht habe, ist mir schnell die Lust vergangen: viel zu stressig. Aber das Surfen hat sich ja für mich bezahlt gemacht und so leite ich heute die finanziellen Geschicke meines noch kleinen Unternehmens.

Warum hast du dich von deinem langjährigen Sponsor Billabong getrennt?
Ich habe gespürt, dass unsere Vorstellungen für die Zukunft nicht mehr in Einklang zu bringen waren. In all den Jahren bin ich stets überaus loyal gewesen, so dass mich einige immer noch mit Billabong in Verbindung bringen. Ich hatte Träume und Vorstellungen, die sie nicht mit mir geteilt haben, also bin ich meinen eigenen Weg mit meiner Brand Beachley gegangen.

Welche Idee verbirgt sich hinter der Aim for the Stars Foundation?
Meine Organisation soll den weiblichen Surf-Nachwuchs davor schützen, aufgrund von finanziellen Engpässen zu früh das Handtuch zu werfen. Im Nachhinein wird mir nämlich bewusst, was ich verloren hätte, wenn ich vorzeitig ausgestiegen wäre. Damals gab es noch keine finanzielle Unterstützung. Das Reisen um die halbe Welt war eine Herausforderung ohne jegliche Garantie auf Preisgeld. Ich fühle mich gesegnet, dass ich heute in der Position bin, der neuen Generation etwas zurückzugeben. Es ist enorm, was für Einfluss man bereits mit geringem Aufwand auf das Leben eines Menschen haben kann.

Wie hast du dich motiviert, als du mit dem Surfen angefangen hast?
Manly ist ein hartes Pflaster für ein surfendes Mädchen. Es gab Zeiten, in denen ich bedroht und eingeschüchtert wurde. Aber gerade diese Erfahrung hat mich stark gemacht. Eigentlich war ich glücklich darüber, ständig mit zehn Typen am Strand abzuhängen.

Was kommt nach deiner Surf-Karriere?
Es gibt zwei Konstanten in meinem Leben: zum einen die Herausforderung und zum anderen den Wandel – ich umarme sie beide. Sobald ich nicht mehr mit dem Herzen bei der ASP-Tour bin, weiss ich, dass der nächste Schritt in meinem Leben ansteht. Dann werde ich mich auf meine Brand und auf eine Karriere in der Medienbranche konzentrieren. Ich bin sehr glücklich über die Möglichkeiten, die das Surfen für mich bereithält. Aber nach all den Erfolgen weiss ich, dass die einzigen Hemmnisse im Leben die sind, die wir uns selbst auferlegen.

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