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Flori Kummer – Doc Punk Rock

Auch wenn die Redaktion in Hamburg sitzt, glaubt bloss nicht, uns entginge, was am südlichen Ende der Republik abgeht! Erst recht nicht, wenn es um Ausnahme-Eisbach-Surfer wie Flo Kummer geht. Flo ist der innovativste Surfer, den die Weisswurstmetropole gesehen hat. Und nicht nur das, denn er ist auch der kontroverseste. Oder habt ihr schon mal einen Arzt gesehen, der in seiner Freizeit in hautengen Punkrock-Hosen rumläuft, Surfbretter besprüht und einen Backside 360° Shove-it nach dem nächsten in die klare bajuwarische Luft zirkelt? Nee, wir auch nicht.Also baten wir unsere Münchner Edelfeder Simon Scheffold, sich mit Flo auf Mass und Brezen zum Interview zu treffen. Heraus kam Folgendes.

Surfers: Hallo Flo! Du kommst gerade vom Eisbach?
Flo Kummer: Ja, ich war nach der Arbeit noch kurz ein bisschen surfen.

Was heisst „kurz“ bei dir?
Nur so 20 Minuten, dann hab ich mir das Knie an den Steinen angehauen und hatte keinen Bock mehr. Also bin ich lieber mit Sid, dem kleinen Portugiesen [drei Monate alter Hündchen; Anm. d. Red.], Gassi gegangen.

Hast du Sid von deinem letzten Surf-Trip mitgebracht?
Ja. Wir waren seit langer Zeit mal wieder in Portugal und haben Gero [von Fatum] besucht.

Wie lange bist du denn schon im Fatum Team?
Schon ziemlich lang, so sechs, sieben Jahre. Ich hatte damals im Internet bei Thomas Lange eine News mit „Team Rider wanted“ gelesen, und da ich als Nachtportier im Hotel gearbeitet hatte, hatte ich genug Zeit, gleich mal ’ne E-Mail an Thomas zu schicken. Zufälligerweise war er drei Tage später in München und so kam alles zustande.

Arbeitet ihr zurzeit an neuen Wellenreitern für den Fluss?
Ich hab mit Gero das damalige Skate Fish ein bisschen für den Eisbach optimiert: ein bisschen verkürzt und den Shape verändert.

Was ist momentan dein Lieblings-Board?
Mittlerweile fahre ich wieder Boards mit Nose, nachdem ich früher immer Bretter kaufte und einfach Nose und Tail abgesägt hab, damit sie kurz und breit waren. Ich probiere zurzeit verschiedene Tail-Varianten aus.

Surfst du die Bretter denn auch im Meer?
Ja. Ich hab mir irgendwie angewöhnt, kürzere Boards zu surfen. Ich habe immer wieder mal versucht, längere Boards zu surfen, aber mein derzeitiges Lieblings-Board hab ich mir gerade von Gero abgeholt. Es ist 5’6“.

Bist du öfter bei Gero in Portugal?
Nein, ich kannte Gero eigentlich nur vom Telefon. Es war diesmal wirklich das erste Mal, dass ich Gero und seine Family kennengelernt habe. Und seine neue Factory.

Da wir gerade beim Thema „Surf-Industrie“ sind: Was hältst du von der Entwicklung, dass immer mehr Surfer am Eisbach gesponsert werden?
Ich denke schon, dass es cool ist, dass von den Firmen was zurückgegeben wird. Die Branche boomt und Geld ist auch genügend da – wieso also nicht?!

Für wen bist du noch unterwegs?
Für O’Neill und Zoo York.

Zoo York kommen ja eigentlich aus dem Skaten – sind das auch deine Wurzeln?
Ja, ich habe als Kleiner am Tegernsee gewohnt und dann auch recht bald angefangen, snowboarden zu gehen. Im Winter war ich snowboarden und im Sommer skaten.

Und wann kam der Sprung auf den Wellenreiter?
Ich wollte eigentlich schon ganz früh surfen. Ich fand das die ganze Zeit geil, aber es hat sich halt nie so ergeben. Los ging’s erst beim Schüleraustausch in Brasilien.

Oh! Tangas, Caipis…
Ja, ja, an der Copacabana… Meine Gastfamilie hatte ein Haus dort am Strand und da sind wir am Wochenende oft hingefahren.

Dann hast du das Surfen klassisch im Ozean gelernt?
Ja. Ich wusste damals nicht mal, dass man in München surfen kann. Ich hab sicher schon zwei Jahre gesurft, bevor ich es erfahren habe. Ich war früher noch eher windsurfen…[kichert]

Und wer hat dich dann zum Eisbach gebracht?
Das war der Bruder von einem Kumpel. Der hat uns damals im Frühjahr an die Flosslände mitgenommen. Aber da war kein Wasser und so sind wir dann an den Eisbach und haben böse Blicke geerntet.

Vom Hausmeister?
Nee, ich glaub, den gab es damals noch gar nicht. Mei, aber wir haben’s halt dann doch durchgezogen.

Also habt ihr die Flosslände komplett gestrichen?
Nee, nee, ich hatte mir dann echt fies das Ohr aufgeschlagen: Loch im Trommelfell, Hüfte geprellt und noch ein paar Mal gegen die Steine gekracht. So hatte ich erst mal keinen Bock mehr auf Eisbach und wir sind dann im Sommer an die Flosslände.

Ihr wart ja vor kurzem in Frankreich auf der Suche nach neuen Flusswellen unterwegs, oder?
Ja, wir waren letztes Jahr schon dort und haben vier neue Wellen gesurft. Wir hatten am Eisbach ein paar Tipps von einem Kajakfahrer bekommen und sind da bei Hochwasser hingefahren. Aber das ist schon echt eine andere Liga! Ich hab einmal fast 30 Sekunden in einem Strudel unter Wasser gehangen!

Wer war alles dabei?
Beim ersten Mal waren Gerry Schlegel und Andi Jobst dabei und Björn Richie Lob hat das Ganze für seinen Film aufgenommen. Dieses Jahr waren Tao [Schirrmacher] und Carsten [Curmis] mit Family dabei, der Neuzuwachs in der FUS Crew…

Erzähl mal, wie es zu der Crew und vor allem dem Namen kam?
Ich hab mir schon immer meine Boards angemalt und „FUS“, also „Fuck You Surf“, draufgeschmiert. Aber das mach ich echt schon so lange, wie ich am Surfen bin.

Also kein romantisches Kürzel für „Flo und Sarah“ (Freundin)?
[lacht] Nö. Wenn, dann für „Flori und Sid“.

Bist du sonst künstlerisch aktiv?
Es gab mal ’ne Zeit, da hab ich sauviel mit Acryl und so gemalt. Irgendwann hab ich dann gecheckt, wie man Sprühschablonen macht, und das hat mir eigentlich noch mehr getaugt. Jetzt mach ich halt so einen Mischmasch, eine Art Collagen mit Fotos und so. Aber leider hab ich nicht mehr so viel Zeit wie früher.

Was treibst du denn?
Ich arbeite schon seit fast anderthalb Jahren als Arzt. Hab zwar beim Studium etwas länger gebraucht, aber arbeite jetzt als Orthopäde.

Ich hätte ja einiges erwartet, aber nicht Arzt..! Nach der Arbeit geht es also noch schnell an den Bach?
Ja, ich hab mir extra noch einen Generator für nachts zugelegt, aber das sollte lieber nicht gedruckt werden…

Habt ihr neue Projekte in nächster Zeit geplant?
Mei, es gibt ein kleines Videoprojekt und vielleicht wieder einen kleinen Contest, den FUS Eisbach Jam. Letztes Jahr war das eine ganz spontane Aktion, die dann auch recht ausgeartet ist und mit ’nem fiesen Vollrausch für alle endete [das Preisgeld wurde kurzerhand in Free Drinks für alle umgemünzt; Anm. d. Red.]. Wir würden gerne ein deutsches Videoprojekt starten mit Wellen, die noch kein Deutscher gesurft ist wie Zambezi River und eben die diversen Wellen in Frankreich. Leider lässt es sich momentan noch nicht finanzieren.

Es wird ja auch ein deutsches Projekt, das Red Bull Sweet’n Salty, gestartet, bei dem du dabei bist. Warst du schon an der Nordsee?
Nee, ich hab noch gar keine deutsche Meererfahrung, bin aber schon gespannt!

Dann dürfen wir auf deine ersten Nordsee-Airs gespannt sein! Du bist doch gerade dabei, den Kickflip zu üben, oder?
Ja. Ich hab’s vor Jahren schon mal probiert, mir aber zu viel wehgetan und Bretter geschrottet. Aber nachdem Volcom diesen Contest ausgeschrieben hat [10.000 US-Dollar für den ersten dokumentierten Kickflip auf einem Surfboard; Anm. d. Red.], bin ich wieder voll motiviert zu üben. Ich hab schon fast welche gestanden, aber jetzt wird es leider wieder voll am Eisbach und dadurch ein wenig schwierig zu üben.

Hast du es am Ozean auch schon probiert?
Ja, es war fast einfacher als am Fluss, weil die Wellen einfach mehr Druck haben. Und bei choppy Bedingungen ist das fast wie beim Skaten.

Na, ich drück dir beide Daumen! Danke für das kühle Bier, Prost!

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