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Citywave eröffnet die größte stehende Surfwelle der Welt in Chelan, USA

Covid zum Trotz, wurde die erste Citywave in den USA fertig gestellt und wie es sich für das Land der unbegrenzten Möglichkeiten gehört ist diese höher, breiter und größer als alle anderen Citywaves zuvor.

Hier die Geschichte Martin Koll zu dem Mammut-Projekt:

Nach sorgfältiger Planung und umfangreicher Bauphase werden die letzten Komponenten der von Menschenhand geschaffenen, größten stationären Wellenreitanlage der Welt Mitte Oktober 2019 geliefert, geformt und verschraubt. Ein gewaltiger, hellblauer Wavepool trumpft nun jungfräulich über dem terrassenförmig angelegten Wasserpark, mit seinen sich abwärts schlängelnden Wasserrutschen, Schwimmbecken und idyllischen Liegewiesen.

Zufrieden und ehrfürchtig lassen wir den Blick über die Weiten schweifen: Ein wildbewachsenes und hügeliges Hinterland, schroff aufragend und schier endlos erscheinend, flankiert die Szenerie, drängt unseren Bergrücken talwärts. Ein gewaltiges Süßwasser-Reservoir glitzert dort in der späten Herbstsonne. Es sollten unruhige Zeiten folgen, auch wenn das beschauliche Örtchen namens Chelan, im pazifischen Nordwesten der USA drei Autostunden entfernt von Seattle und dessen großstädtischer Turbulenzen liegt.

Hier haben Burke und Robert Bordner, die schon als Kinder in eben jenem Wasserpark den größten Teil ihrer sommerlichen Freizeit verbrachten, ein idyllisches Ferienparadies geschaffen, nachdem sie Slidewaters in dritter Generation übernahmen. Eine durchaus erfrischende Überlegung, betrachtet man das typisch für Ost-Washington wüstenartige Klima im Regenschatten der Kaskadenkette mit seinen sehr heißen und trockenen Sommern.

Burke nennt seinen Heimatort gerne „the promised land“ – man sei sich der Privilegien bewusst, die man hier genießt und hat ein Refugium für gehetzte Großstädter geschaffen, das nun bereit ist Hotspot eines Trendsports zu werden. Nach der Philosophie der beiden Familienmenschen, diese zu bewahren und weiter spannende Unternehmungen zu tätigen, wo Wasserrutschen allein die Heranwachsenden nicht mehr zu begeistern vermögen.

Die eingeschworene Gemeinde fiebert der Fertigstellung der weltweit größten stehenden Surfwelle gleichermaßen entgegen wie Erfinder und Wellenpapst Rainer Klimaschewski. Hier soll sich ein Lebenstraum für Ihn erfüllen. Seit es sich das kleine familiäre Unternehmen zur Aufgabe gemacht hat, den Münchner Eisbach in die Herzen der Großstädte zu transportieren sind viele Jahren Forschung und Entwicklung vergangen um die Passion der endlosen Welle zur Perfektion zu führen.
Hier, im Land der unbegrenzten Möglichkeiten, schwappt deutsche Ingenieurskunst in einem gepolsterten Wasserbecken zurück in das Heimatland des Surfens schlechthin. Per Knopfdruck wirft man die Turbinen an und binnen weniger Sekunden drängt das herabströmende Wasser die Gischt- Walze gerade weit genug zurück, um sich an ihr aufzubäumen, zu erwachsen und sich zu einer gigantischen Woge zu formen.

Den Strom bezieht Slidewaters für den Betrieb von Wasserpark und Wellenreitanlage ausschließlich vom benachbarten Wasserkraftwerk und geht mit grünem Beispiel voran. Seattle City Light (SCL) erzeugt seit fast einem Jahrhundert Strom aus Wasserkraft und versorgt heute mehr als 400.000 Haushalte. Erklärtes Ziel von SCL ist es, Strom möglichst umweltfreundlich zu erzeugen und Emissionen zu vermeiden. Der Bundesstaat hat mit einer Vielzahl von Staudämmen einen Anteil von 30% an der Stromerzeugung aus Wasserkraft in der gesamten USA. Hier fanden sich für das deutsche Herstellerunternehmen neben dem idealen Standort, mit Burke und Robert auch perfekte Partner, die nachhaltige Philosophie und familiären Zusammenhalt teilen.

Doch der erste gemeinsame Surf sollte vorerst pandemiebedingt verwehrt bleiben. Denn um in diesem Jahr die USA zu bereisen und dort die finale Inbetriebnahme durchzuführen, musste man sich nachweislich zwei Wochen lang außerhalb des Schengenraums aufgehalten haben. Also geht es Mitte August nach Dubai. Isolation im klimatisierten Hotel, statt sengender Wüstensonne, während unsere Ambitionen im Background auf Messers Schneide hitzig umher gewirbelt werden. Nach negativem Testergebnis und behördlicher Einigkeit können wir aufatmen, die Emirate bereisen und nach 14 tägiger Quarantäne auf unsere Weiterreise hoffen.

Zwei Wochen später zurück am Flughafen, können wir nach kurzer Unsicherheit des Bodenpersonals erleichtert den Flug antreten. Augenscheinlich hatten nicht viele dieses Glück, oder die Notwendigkeit eines solchen Unterfangens, denn die Verbindung nach Chicago war auch auf den hinteren Rängen eine Reiseklasse für sich. Beim Zwischenstopp nimmt man uns erstmals auseinander, was einem halbstündigen Verhör gleichkommt. Glücklicherweise zieht dafür unser Gepäck weniger Aufmerksamkeit auf sich und wir können die ersten, eigens für die Citywave geshapten Surfbretter problemlos importieren.

In Seattle erwartet uns endlich etwas Abkühlung und wir genießen den Landeanflug im „Indian Summer“ mit seiner Farbenpracht, die sich über die endlosen Wälder und Hügelketten erstreckt. Landestypisch erwartet uns für die Weiterfahrt nach Chelan ein Automobil, welches das Herabfallen der Kinnlade durch seine ausladende Motorhaube gleich zu verhindern weiß. Wir geben uns gegenseitig Hühnerleitern um die Fahrerkabine des Pick-Up zu besteigen und lassen die Stadt bald hinter uns.

Die herbstliche Farbenpracht zieht uns ganz in ihren Bann, diese malerischen Weiten, Fahrtwind mit nachlassenden Regentropfen peitscht uns ins Gesicht, die untergehende Abendsonne im Rücken auf unserem Weg nach Osten. Ein wahrhaftiges Gefühl von Freiheit macht sich breit, in Gedanken an unser Projekt und die Fertigstellung der ersten Anlage auf amerikanischem Boden, standesgemäß dann aber auch bitte doppelt so groß wie alles, was wir bisher gebaut haben.

„The Germans are back in Town“ schallt es uns am nächsten Morgen in die noch verschlafenen Gesichter, als wir uns wie gewöhnlich mit Burke im Starbucks zum Frühstück treffen. Es scheint, als wären wir niemals weg gewesen, oder einfach, als hätte die Zeit hier stillgestanden. Nur die Erleichterung in Burke’s Gesicht und das ein oder andere Sorgenfältchen sind dazugekommen und weisen unmerklich darauf hin, dass auch hier die Welt noch längst nicht wieder in Ordnung ist. Das 4000 Seelen Dorf Chelan mit seiner einzigen Hauptstraße erinnert an eine Saloon-flankierte Wildwest- Stadt und wir reiten ein wie die Cowboys auf der Suche nach der nächsten Destille.

Zurück am Wasserloch begrüßt uns Dennis, seines Zeichens echter Cowboy, zieht seinen Hut, kaut lässig auf seinem Chewing-Gum und steht uns als Burke’s rechte Hand tatkräftig zur Seite. Er ist ein echtes Original, hat sich als Rodeo-Reiter verdingt gemacht, bevor er im Wasserpark anheuerte und sich des Nächtens aus seinem Trailer stiehlt, um im wilden Hinterland auf die Jagd zu gehen.
Wir beziehen sein Nachtwächter-Quartier, teilen Feuerwasser und Lagerfeuer-Geschichten und tauchen ein in nostalgische Verklärtheit a la Karl May.

Dann geht es los: Die letzten Kabel sind verlegt, die Schaltkreise geschlossen, die Trassen geebnet. Wie ein gewaltiger Fluß bricht sie herein die Zukunft, baut sich vor uns auf, pulsiert zyklisch und rollt mit beruhigender Gleichmäßigkeit! Begeisterte Blicke deren Vorstellungskraft sich bisher entzog, an welcher Erfindung die Deutschen denn hier wohl fuhrwerken mögen. Hingerissen aber respektvoll gibt sich die Dorfgemeinschaft. Auch einige Sheriffs haben sich eingefunden um die neue High-Tech Welle einzuweihen.

Wir wachsen die Surfbretter, montieren mit zittriger Hand die Finnen und stolpern uns in die Badehosen. Elektrisierende Vorfreude. Atemberaubende Anspannung. Dann schneidet sich das Surfbrett wie ein scharfes Messer durch zimmertemperierte Butter in die Wasserwand. Mit aller Kraft drücken wir die Kanten der reißenden Strömung entgegen, die Gravitation der Wellenwand pflügt uns quer durch den Pool. 5 Meter, 10 Meter, 15 Meter!

Die Waden glühen, die Haare flattern, die Muskeln dem Bersten nahe in vorrotierter Körperspannung. Beinahe auf dem Wasser liegend geht es aus dem Bottom-Turn die steile Wellenschulter vertikal empor, die blaue Seitenwand kommt immer näher und dann entlädt sich der Flitzebogen, schleudert Pfeile kristallinen Wassers in die Luft, taucht die Szenerie in eine radiale Explosion funkelnder Diamanten. Dann entsteigt er der Gischtwolke, Applaus brandet auf, Fetzen von Jubelschreien – was für ein Gefühl wir doch in die Welt hinaustragen: Ein konzentriertes Stück ozeanische Naturgewalt und doch so fern von Meer und Strand!

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