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Rik Fiddicke – Daily Grind

Eine Geschichte wie die von Andy Irons’ Ableben schockiert und zeigt uns mal wieder, dass man sein Leben in vollen Zügen genießen sollte. Als Surfer ist man da definitiv schon auf einem guten Weg, nur grätscht uns hierzulande oft genug der Alltag mit seinen Verpflichtungen dazwischen. „Wo ist eigentlich die Zeit geblieben und warum war ich nicht öfter auf dem Wasser?“ Um ein motivierendes Beispiel zu zeigen, dass man seinen Verpflichtungen nachgehen und trotzdem regelmäßig an den schönsten Orten der Welt surfen gehen kann, pickten wir uns unseren Freund Rik Fiddicke heraus. Rik lebt ein Leben, das sicher nicht immer einfach ist, trotz Gesellschaftsdruck zieht er aber sein eigenes Ding durch und wirkt somit glücklicher als der Sitznachbar heute Morgen in der U-Bahn!

Rik, was braucht es, um glücklich zu sein?
Keine Ahnung, das ist hoffentlich von Person zu Person unterschiedlich. Ich für meinen Teil muss morgens aufstehen können und Lust auf den bevorstehenden Tag haben. Wenn ich aufstehe und dauerhaft feststelle, dass ich Dinge tun muss oder mit Leuten abhängen muss, die mir nicht gefallen oder mich nicht fordern und interessieren, ist das die Hölle für mich. Ich brauche Freunde, Familie und einen Job, der mich erfüllt. Außerdem brauche ich regelmäßig ordentliche Wellen und Sonne, sonst drehe ich durch.

Erzähl mal ganz kurz für die, die dich noch nicht kennen: Wo kommst du her, wie bist du damals zum Windsurfen gekommen etc.?
Viele kennen dich sicher noch von der PWA Tour von früher. Mit dem Windsurfen habe ich aus Versehen in Korsika angefangen, als ich 13 Jahre alt war und mit meinen Eltern im Sommerurlaub war. Während meiner Schulzeit, die ich in Oldenburg abgesessen habe, war ich total vom Windsurfen angefixt und habe nach dem Abi vier Jahre lang auf der PWA Tour in den Disziplinen Freestyle und Wave mitgesurft.

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Wann hast du gemerkt, dass du als Windsurf-Profi leben könntest? „Vom Windsurfen leben“ hört sich natürlich gewaltig an. Ich hatte Glück, dass es damals in Deutschland recht wenige junge Windsurfer gab, die internatio-
nal Contests fuhren. Meine Sponsoren haben mich gut unterstützt, so dass es fürs Reisen und Über-die-Runden-Kommen gereicht hat.

Von wann bis wann warst du Profi?
Von 2001 bis 2005, danach habe ich doch noch mal mit dem Studieren angefangen.

Wie sah da der Alltag aus? Bist du viel gereist?
Der Alltag außerhalb der Wettkämpfe war auf jeden Fall ziemlich unbeschwert. Ich war viel zum Windsurfen in Kapstadt, auf den Kanaren und auf Hawaii unterwegs. Dort haben wir trainiert, hatten Videodrehs oder Photoshootings für Sponsoren. Wir hausten dann meist mit ein paar Jungs zusammen, fuhren nach dem Frühstück zum Windsurfen, pushten uns stundenlang gegenseitig auf dem Wasser, filmten, fotografierten, machten viel Blödsinn. Wir hatten nie
Coaches oder Manager, daher waren wir selber Mädchen für alles: Flüge buchen, Visa besorgen, Foto-Trips planen, mit Fotografen zusammenarbeiten, Magazinen Geschichten anbieten, sich für die Wettkämpfe anmelden, 90 Kilo Übergepäck von A nach B bringen… In den vier Jahren bin ich durchs Windsurfen ganz gut rumgekommen, von Oregon über die Kapverden bis Kroatien, Fidschi, Südafrika, Hawaii, Australien und Mexiko war alles dabei. Ich wollte keinen Tag von der Zeit missen und es war eine riesige Möglichkeit für mich, die mich für mein weiteres Arbeitsleben definitiv versaut hat.

Was war der Grund, dass du dich irgendwann gegen die Karriere als Pro entschieden hast?
Ich hatte einfach nicht mehr den Drive und den Ehrgeiz, was Platzierungen und Wettkämpfe betraf. Ich hatte einen hohen Anspruch an mein Windsurfen, aber das Abschneiden auf Wettkämpfen war mir komischerweise nicht wichtig. Es gab einfach einige andere Jungs, die viel ehrgeiziger waren bei Contests, mir fehlte am Ende einfach die Energie, die ich für Wettkämpfe gebraucht hätte. Als Freesurfer kann man im Windsurfen kaum leben und daher hatte ich Angst, dass ich den Spaß an der Sache verlieren würde.

Wann und wieso kam in dir der Gedanke auf, das Windsurfen an den Nagel zu hängen und mit dem Surfen anzufangen?
Ich habe das Windsurfen ja nie ganz an den Nagel gehängt. Bei guten Bedingungen gehe ich auch immer noch ganz gerne mit dem Segel aufs Wasser. Auf den Trips hatte ich immer ein Shortboard dabei, so dass mir nicht langweilig wurde, wenn es mal windstill war. Wir windsurften an genialen Spots und so fand ich mich an windstillen Tagen meist an sehr guten Surf-Spots wieder. Flachwasser und Freestyle hatten für mich irgendwann den Reiz verloren. Ich war 2005 länger in Costa Rica, Hawaii und Fidschi unterwegs und war fast nur am Wellenreiten. Der Trip war einfach der Wahnsinn und die perfekten Wellen haben mir gezeigt, dass es mir egal war, ob ich nun mit oder ohne Segel auf dem Wasser war, solange die Wellen gut waren. Heute bin ich viel mehr ohne Segel unterwegs, was natürlich auch daran liegt, dass ich viel Zeit auf Bali verbringe, wo es einfach an jeder Ecke perfekte Wellen ohne Wind gibt.

Vielleicht unpassend, die Frage im Kontext von „Glücklichsein“ zu stellen, aber wie verdienst du heute deinen Lebensunterhalt?
Meine Freundin Kim und ich haben eine kleine Boutiqe auf Bali und wir produzieren dort die Kollektionen für unsere Labels Faith 21 und 21dgrs. Auf Bali ist das Leben noch recht günstig, wenn es also mal einen Monat knapp wird, braucht man nicht zu verhungern.

Wie wichtig ist es für dich, eine gewisse Sicherheit im Nacken zu haben, falls du die überhaupt hast?
Ich denke, wenn man in Deutschland aufgewachsen ist, wurde einem ein gewisses Sicherheitsdenken anerzogen, was ja nicht unbedingt schlecht ist. Ich denke nur, dass man aufpassen muss, dass das Sicherheitsdenken einem nicht in den Weg kommt und einen daran hindert, Risiken einzugehen. Ich glaube daran, dass selten etwas Großartiges entstehen kann, wenn man dafür kein Risiko eingehen muss. Eine gewisse finanzielle Sicherheit ist mir auf jeden Fall wichtig, ich möchte schließlich den Luxus beibehalten, reisen zu können. Aber ich versuche nicht, mich von Sicherheitsphobien beeinflussen oder stoppen zu lassen.

Wie hast du deine Labels Faith 21 und 21dgrs gestartet?
Viele Leute träumen ja von einem eigenen Surf-Fashion- Label, aber an der Umsetzung scheitert es dann meistens.

Wie bist du es angegangen?
Ich bin da irgendwie reingerutscht. Ein Freund von mir shapt Surfboards in Kapstadt und mit einem weiteren Kumpel haben wir zuerst Boards unter dem Label Faith 21 nach Deutschland importiert und ab 2007 noch T- Shirts dazu verkauft. Faith 21 wurde dann langsam etwas ernster und dann haben Kim und ich die harte Entscheidung getroffen, in Amsterdam Modedesign zu studieren, damit wir ein bisschen mehr Ahnung von dem ganzen Thema Klamotten hätten. Danach haben wir 21dgrs als etwas design- und modelastigeres Label gestartet. Der Shop auf Bali war später irgendwie die logische Weiterentwicklung und Bali als Location verbindet Job und Leidenschaft perfekt, denn Bali ist mittlerweile wirklich zu einem zweiten Hawaii geworden.

Was waren die größten Hürden, die ihr beim Auswandern überwinden musstet?
Wir hatten nie das Gefühl „So, jetzt wandern wir aus“. Wir sind einfach immer länger geblieben und haben die Jahre vorher ja mehr Zeit in Amsterdam und Kapstadt verbracht als in Deutschland. Daher war es eher ein schleichendes „Auswandern“. Das Schwierigste für uns auf Bali ist, mit der Bürokratie und der Korruption umzugehen und sich als Neuling zu etablieren. Wie in jedem fremden Land mit einem anderen kulturellen Hintergrund gehen einem manche Sachen auch gehörig auf den Sack. Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit wird man auf Bali kaum finden, was natürlich ein Problem ist, wenn man in einer Industrie arbeitet, die knallharten Lieferzeiten unterliegt. Was Gelassenheit und Ruhe angeht, können wir uns dafür ein gutes Stückchen von den Balinesen abschneiden.

Wie sieht heute ein Jahr bei Rik und Kim aus?
Im Februar, Juli und August sind wir in Deutschland unterwegs, um Shops zu pflegen und Ware auszuliefern. Den Dezember verbringe ich in Kapstadt, um meine Eltern zu besuchen, windsurfen zu
gehen und die Photoshootings für 21dgrs zu machen. Den Rest des Jahres sind wir auf Bali zum Designen, Produzieren und Surfen.

Würdest du von dir selbst behaupten, dass du glücklich bist?
Was bedeutet „glücklich sein“? Jeder Mensch hat gute und schlechte Tage oder glückliche und weniger glückliche Phasen. In meiner Studienzeit in Amsterdam kam ich mir oft vor, als würde ich im falschen Film sitzen. Ich investierte Unmengen an Energie in Dinge, die ich semi-interessant und nicht sinnvoll fand, was frustrierend war. Heute kann ich mich mehr auf das konzentrieren, wofür mein Herz schlägt und was mich wirklich interessiert. Ich fühle mich auf jeden Fall glücklich! Ich bin glücklich, Surfen für mich entdeckt zu haben und die Möglichkeit zu haben, mein Leben darum aufzubauen!

Glaubst du, dass du genauso glücklich wärst, wenn du nicht aus Oldenburg bzw. Deutschland abgehauen wärst?
Das ist schwer zu sagen. Ich bin ein ziemlich rastloser Typ, lerne gerne neue Leute und Länder kennen und bin recht neugierig. Ich denke, das Surfen hat mich versaut für ein Leben in Deutschland; ich hätte, ohne mit Surfen in Kontakt gekommen zu sein, bestimmt in Deutschland glücklich sein können. Aber momentan brauche ich das Meer einfach in meinem Alltag als Ausgleich, um wirklich glücklich zu sein. Im Moment arbeite ich einfach unheimlich viel und auf Bali kann ich morgens vor der Arbeit mal eben zwei Stunden aufs Wasser oder abends zum Sonnenuntergang. Das ist mein allergrößter Luxus, den ich in Deutschland leider einfach nicht hätte.

Infos zum Label von Rik findet Ihr hier: www.faith21.de oder http://21dgrs.com

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