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Ruhrpott represent

Diese Geschichte erzählt von einer Gruppierung, die bis heute im Untergrund für Ruhm und Ehre kämpft!

„Wir haben surfbare Wellen in unmittelbarer Nähe, sowohl in Salz- als auch Süßwasser. Wir sind nicht gesponsert und wissen trotzdem wie man sie surft. Wir haben einen Shaper, der Bretter lieber selbst baut als importiert. Auch wir haben einen Shop, der nicht nur Kopfhörer und Volcom-Shirts verkauft sondern auch Booties und Wachs. Wir haben mehr Skateparks als ihr alle zusammen und die Holländer kommen auch gern mal zum Snowboarden.

riversurfing á la ruhrpott

Während ich  früher immer versucht habe neuen Bekanntschaften ihre Vorurteile über den Ruhrpott  auszutreiben, so ist es mir mittlerweile egal, was manche Leute über unsere „Heimat“ denken.  Sowohl die Menschen aus dem Norden als auch erfahrungsgemäß speziell die Kollegen aus Bayern haben meist ein festgefahrenes Bild vom Ruhrgebiet, basierend auf Vorurteilen und Bildern aus dem Geschichtsbuch.

stillleben

Jedoch habe ich auch die Erfahrung gemacht, dass die Menschen, die grundsätzlich auf ihren Reisen anderen Ländern und Kulturen mit Offenheit und Neugier gegenüber treten, meist auch bei einem Besuch des Ruhrgebiets die schönen Seiten auch ohne jegliche Erklärung schnell selbst erkennen und genießen können. Liegt die Schönheit dieser Gegend weniger in romantischen Altstädten oder traumhaften Landschaften, so ist es vielmehr die Vielseitigkeit dieser Städtevernetzung mit ihrer einzigartigen Industriekultur und ganz besonders die offene und ehrliche Art der Menschen, die das Ruhrgebiet ausmachen. Das Jahr der Kulturhauptstadt 2010 im Ruhrgebiet hat sicherlich dazu beigetragen zunehmend mehr Menschen für diese „eigene“ Schönheit zu sensibilisieren.

Was die Surfszene angeht so ist die Entwicklung hier sicherlich erst einmal vergleichbar mit der Szene in anderen Teilen Deutschlands. Die Dichte an Universitäten (Bochum, Essen, Dortmund, Duisburg) sorgt für einen regelmäßigen Nachschub an jungen Leuten, darunter ein entsprechender Anteil derjenige, die sich am Surfvirus infiziert haben oder sich zumindest dem Lifestyle hingezogen fühlen.

Neben der großen Anzahl an Posern, die lieber in den Unis, Bars oder Clubs ihre neusten Beachoutfits präsentieren als Surfen zu gehen, gibt’s es im Pott aber auch einen großen Stamm an wirklich aktiven Leuten, die ganzjährig und unabhängig von Wind und Wetter versuchen ins Wasser zu kommen. Dafür bietet das Ruhrgebiet erstaunlich gute Möglichkeiten. Die holländische Nordseeküste ist nur 2,5 Stunden entfernt und bietet,  wenn man sich erstmal mit der Vorhersage und den Spots  ein wenig auskennt doch recht oft gute Bedingungen.

Die Küste ist so gelegen, dass aus dem Norden und Nordwesten die Wellen frontal auf die Küste treffen und neben den vielen Windswells auch der eine oder andere Swell mal mit einer etwas höheren Periode für einen kraftvollen Shorebreak sorgen kann. Auf der anderen Seite gibt es Spots, die auch bei SW Swell und dazugehörigem Wind durch entsprechende Abdeckung  saubere Wellen bieten. Kennt man sich aus, findet man auch an richtig stürmigen Tagen surfbare Bedingungen.

warm up in holland

Bei entsprechender Vorhersage  macht sich also jedes Wochenende der gleiche harte Kern wieder auf den Weg an die holländische Nordseeküste. Die einen bevorzugen trotz mittlerweile lächerlichen Crowds im Wasser die „Surfstadt“ Scheveningen, andere fahren lieber nach Wijk oder Domburg.  In all den Jahren trifft man doch meist immer die gleichen Leute wieder, surft zusammen oder grüsst sich auch einfach mal nur beim vorbeifahren. Jeder macht so sein Ding aber wenn sich die Wege kreuzen, freut man sich über eine gemeinsame Session und /oder das Bier danach.

Fast alle sind auffällig relaxte Personen, jeder wird hier erstmal offen aufgenommen, das Surflevel der Leute  spielt dabei ebenso wenig eine Rolle wie teures Material, großes Gelaber oder das neuste Outfit.

der surfhighway hollands

Scheveningen als die holländische Surfstadt hat nicht nur den Vorteil der kürzesten Anfahrtszeit sondern bietet eine Vielzahl guter und mit der langen Hafenmole gegen Sideshore Wind abgedeckte Spots. Dazu gibt es einen netten Boulevard mit vielen Kaffees und Surfshops. Spots wie Wijk oder Maasvlakte verfügen nicht über solch eine Infrastruktur, dafür sind sie bei weitem noch nicht  so überlaufen und sorgen mit ihren riesigen Fabriken und Kraftwerken unmittelbar am Strand für ein gewisses Heimatgefühl. An den Tagen ohne Wind gibt es jedoch an der gesamten Küste unzählbar viele Orte, an denen man auch am Wochenende noch allein Surfen kann. Wer da nach Scheveningen fährt ist selber Schuld.

Bleibt die Nordsee mal für eine Weile flat, bietet das Ruhrgebiet noch die hervorragende Möglichkeit für ein paar Tage nach Frankreich in die Normandie zu düsen. Je nachdem wie westlich der Swell in den Kanal drückt, reichen manchmal schon 5 Stunden Fahrt, um ein paar Wellen zu finden. Je weiter man fährt um so mehr bewegt man sich in das offenen Swellfenster. Nimmt man auch 8-10 Stunden Fahrzeit in Kauf, ist die Wahrscheinlichkeit insbesondere im Frühjahr oder Herbst schon recht groß, das Wochenende mit Sonne, cleanen Wellen und französischem Ambiente zu verbringen.

crank surfboards, handmade in germany

Wer es lieber nordisch mag oder nicht so weit fahren will, kann auch einen Trip auf die ostfriesischen Inseln wie Borkum oder Norderney machen. Ist man bereit ein paar Euro für die Fähre und den Campingplatz zu zahlen, wird man ggf. mit leeren LineUp belohnt.

Seitdem wir in den letzten Jahren auch im Westen Deutschlands mit ordentlich Schnee versorgt wurden, bietet es sich außerdem auch bei uns im Winter immer öfter die Möglichkeit an, ein Tag auf dem Snowboard zu verbringen. Das Sauerland ist sicher nicht vergleichbar mit den Alpen, aber mit 1,5 Stunden Anfahrtszeit, einer akzeptablen Auswahl an Pisten sowie zwei kleinen Funparks, sind die Voraussetzungen für ein spaßigen Tag im Schnee durchaus gegeben. Wochenenden sollte man definitiv meiden, da fallen die Holländer ein wie die Heuschrecken, wodurch das Gefahrenpotential enorm ansteigt. Außerdem stimmt bei langen Anstehtzeiten an den Liften und den kurzen Pisten das Verhältnis zwischen Fahren und Warten einfach nicht mehr. Wer mag kann aber im Winter mit etwas Einsatz und Glück an einem Wochenende sowohl Surfen als auch Snowboarden gehen.

the wave in bottrop

Mittlerweile ist es auch kein Geheimnis mehr, dass es in der unmittelbaren Nähe des Ruhrgebiets auch ein paar Stellen gibt, wo es im Frühjahr bei entsprechendem Pegel ein paar surfbare Wellen gibt. Leider sind es nur ein paar Tage im Jahr mit genügend Hochwasser, um die Welle zum Laufen zu bringen. Darüber hinaus läuft die Welle nur bei sehr bestimmten Pegelständen wirklich gut, die zu erwischen erfordert große zeitliche Flexibilität und Probleme mit den Behörden gab’s auch schon. Umso größer war die Freude als mit der Installation von „the Wave“ auf der ehemaligen Halde in Bottrop, der Ruhrpottszene eine neue Möglichkeit geschaffen wurde, regelmäßig ins Wasser zu kommen. Mittlerweile hat die künstliche Welle sicherlich fast jeder Surfer im Ruhrgebiet einmal ausprobiert,  die einen sind begeistert andere wiederum können dem Surfen dort nichts abgewinnen. Nach den zwei Jahren Trainingszeit lässt sich aber das Level dort durchaus sehen und man munkelt, dass bei einer Pressesession in der neuinstalierten Anlage bei Hamburg die Ruhrpottvertretung dem Jahre langen Eisbach Superstar in keinerWeise nachstand.

Also, liebe Industrie- und Medienvertreter: Auch wir im Ruhrpott schauen gerne Surffilme auf Großleinwand, auch wir freuen uns über ein Einladung zu den wenigen deutschen Contests und ob ihr`s glaubt oder nicht auch hier gibt’s  dass eine oder andere Talent, welches  sich über support freuen würden.

es dampft so schön im ruhrgebiet

Text und Bilder von Daniel Gerdes@surfproleten


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