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Interviews

Carina Färber – Von einer Radiomoderatorin in Nürnberg zur Fotografin an der Algarve

Auswandern nach Portugal – das klingt zu schön um wahr zu sein, aber erfordert auch jede Menge Mut und eine Vision.

Carina Färber alias Carrie Oh hat den Schritt gewagt und lebt seit drei Jahren als Lifestyle-, Commercial- und Outdoor-Fotografin an der malerischen Algarve.

Ihr Traum, als Fotografin zu arbeiten, begann 2013 mit der analogen Fotografie, bei der sie private Reisen auf Film festhielt. Diese Leidenschaft wuchs kontinuierlich, bis sie 2019 beschloss, ihren langjährigen Job als Radiomoderatorin und Redakteurin in Nürnberg aufzugeben, um ihren Traum vom Leben am Meer zu verwirklichen und Fotografin zu werden.

https://www.carrieoh.com/

Der Wechsel vom Mikrofon zur Kamera führte sie zu einem Jobangebot als Fotografin in einem Surfcamp in Moliets. Der Sommer an der französischen Atlantikküste und der Winter in Marokko boten ihr reichlich Gelegenheit, ihre Fähigkeiten in der Fotografie weiterzuentwickeln – ganz nach dem Motto „learning by doing“. Ihre Leidenschaft für Lifestyle-, People- und Outdoor-Fotografie entdeckte sie während dieser Zeit. Die Corona-Pandemie führte zu einem kurzen Aufenthalt in Nürnberg, doch 2021 zog es sie schließlich an die Algarve, wo sie seitdem als selbstständige Fotografin arbeitet.

Sie liebt es, neue Orte zu entdecken, in die Natur einzutauchen und besondere Szenen mit ihrer Kamera festzuhalten. Wir haben sie zu einem Interview getroffen, um mehr über ihr Leben in Portugal zu erfahren.

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Hallo Carina aka Carrie Oh, Grüße an die Algarve. Wie genau gestaltest Du einen ganz normalen Tag in Deinem „neuen“ Leben in Portugal?

Ein ganz normaler Tag startet bei mir meistens mit Ausschlafen ;) Außer es steht ein Sunrise-Shooting an. Dann wiederum beginnt mein Tag ziemlich früh, um das beste Licht einzufangen. Nach dem Shooting gibt’s erst mal Kaffee auf der Terrasse oder in einem Café in der Nähe. Dann stehen einige Stunden hinterm Laptop an: Bilder sichern, sichten und bearbeiten, Anfragen beantworten und Angebote erstellen, die Website aktualisieren, Social Media Content planen… typischer Büro-Kram also :)

Zwischendurch hole ich mir an heißen Tagen eine Abkühlung im Meer und zum Feierabend geht’s oft nochmal an den Strand, für einen Spaziergang an die Klippen, zu Freunden, zur Bildbearbeitung oder es steht ein Sunset-Shooting an.

Das Leben am Meer als Freelance-Fotografin gegen ein Leben in Nürnberg als Radiomoderatorin zu tauschen, klingt toll, aber auch unglaublich mutig. Fiel Dir dieser Schritt einfach und wie genau hast Du Deine Auswanderung geplant?

Eigentlich hatte ich nie wirklich geplant, auszuwandern. Das war eher ein schleichender Prozess. Viele kleine Entscheidungen, step by step und glückliche Fügung statt langjähriger Planung, haha. Ich hatte schon immer eine Leidenschaft für Fotografie und lange den Wunsch, mich beruflich anders zu orientieren und eine Zeit lang am Meer zu leben. 2019 entschied ich mich dann dafür, einen Neuanfang zu wagen. Also hängte ich meinen langjährigen Vollzeitjob als Radiomoderatorin an den Nagel und stürzte mich von der Sicherheit ins Ungewisse, um der Fotografie und meinem Traum vom Leben am Meer eine Chance zu geben. Ich tauschte Mikrofon gegen Kamera und nahm ein Jobangebot als Fotografin bei einem Surfreiseveranstalter an. Den Sommer verbrachte ich an der französischen Atlantikküste, den Winter in Neuseeland und Marokko. Ich entdeckte meine Begeisterung für Lifestyle-, People- und Outdoor-Fotografie und stellte fest, wie viel erfüllender das selbstbestimmte Leben am Meer für mich ist. Corona machte meinem Marokko-Aufenthalt dann leider einen kleinen Strich durch die Rechnung. Die Surfcamps mussten schließen und für ein Jahr ging es zurück nach Nürnberg ins Homeoffice. Statt Fotos am Strand zu machen, war erst mal Online-Marketing am Laptop angesagt.

Ende 2020 erhielten mein Freund und ich dann das Angebot, unseren Arbeitsplatz zurück an die Küste zu verlegen, da im Frühjahr 2021 die ersten Surfcamps wieder eröffnen sollten. Für wie lange es diesmal ins Ausland gehen sollte, war unklar. Hauptsache raus aus Deutschland und zurück ans Meer, dachten wir uns.

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Dann ging alles ziemlich fix: Innerhalb von knapp 6 Wochen packten wir Sack und Pack, organisierten eine Untermieterin für unsere Wohnung, renovierten unseren Camper und verabschiedeten Freunde und Familie. Bis wir uns darüber überhaupt richtig bewusst werden konnten, waren wir auch schon in Portugal. Ziemlich Hals über Kopf. Und immer noch im Unklaren darüber, ob wir nur für ein paar Monate bleiben würden – oder vielleicht für immer. Der Start war etwas herausfordernd. Ich war bis dato auch noch nie an der Algarve gewesen. Alles war neu, alles anders – und das mitten im harten Lockdown. Nachdem wir eine Wohnung zur Langzeitmiete fanden, Leute kennenlernten, den Alltag routinierten und unser Herz letztendlich komplett an Portugal verloren, war klar: Hier fühlen wir uns wohl, hier bleiben wir. Aus ein paar Monaten wurde schnell ein Jahr, dann noch eins und mittlerweile leben wir seit 3,5 Jahren an der Algarve. In den Jahren konnte ich mir als selbstständige Fotografin etwas aufbauen und bin unglaublich dankbar und glücklich darüber, meiner Leidenschaft an dieser wunderschönen Küste nachgehen und Portugal meine neue Heimat nennen zu können.

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War das Thema Wellenreiten einer der zentralen Punkte, ans Meer auszuwandern, und wenn ja, kommst Du auch genug aufs Wasser?

Surfen war definitiv ein Anreiz, ans Meer zu ziehen. In letzter Zeit blieb mir dafür aber leider eher weniger Zeit. Meistens stehe ich eher hinter der Kamera am Strand, als auf dem Brett im Wasser, haha. Aber ich genieße das Meer und die vielfältige Natur hier gerne auch auf andere Weise und versuche, in meiner Freizeit so oft wie möglich an den Strand zu kommen: Ob beim Surfen, Schwimmen, Schnorcheln, Wandern oder einfach für eine Pizza zum Sonnenuntergang.

Gibt es einen Lieblingsort in Deiner Wahlheimat?

Natürlich mein Zuhause: die Gegend rund um Sagres ;) An der Küste hier kann ich mich einfach nie sattsehen. Jede Ecke ist so einzigartig und immer wieder entdeckt man neue, beeindruckende Spots. Es ist vor allem die Kombination aus steilen Klippen in den unterschiedlichsten Farbtönen, versteckten Buchten, weiten Sandstränden und kleinen Fischerdörfern. Außerdem bietet die Lage zwischen der wilden West- und der idyllischen Südküste einfach die perfekte Abwechslung. Einer meiner Lieblingsstrände zum Fotografieren ist zum Beispiel der Praia do Castelejo und der anschließende Praia da Cordoama an der Westküste. Diese beiden Strände haben ein ganz besonderes, mystisches Flair. Vor allem morgens, wenn der Nebel zwischen den schwarzen Steilklippen hängt und von der aufgehenden Sonne in warme Goldtöne getaucht wird.

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Ich glaube, es gibt wenige deutsche Surfer, die nicht früher oder später ans Auswandern ans Meer denken. Was kannst Du uns für Tipps geben und was sind die schwierigsten Hürden, um wirklich Fuß zu fassen in einem neuen Land?

Einfach machen! Natürlich kann es schwierig sein, die vertraute Komfortzone zu verlassen und sich den vielen kleinen Herausforderungen zu stellen. Aber warum nicht einfach mal ausprobieren? Für mich bedeutete das die Freiheit und Möglichkeit, mir ein Leben am Meer zu gestalten. Außerdem muss es ja nicht gleich „für immer“ sein :)

Ich kann mir vorstellen, dass für viele die größte Hürde ist, den ersten Schritt zu wagen und letztlich die Entscheidung für etwas Neues zu treffen. So ging es mir zumindest ;) Man verliert sich vielleicht in „Aber was ist, wenn…“-Szenarien, lässt sich von äußeren Einflüssen verunsichern und zweifelt daran, das „bequeme Leben“, die vermeintliche „Sicherheit“ in Deutschland hinter sich zu lassen und den Schritt ins Ungewisse zu wagen.

Was mir in solchen Situationen immer hilft, ist, mir das Worst-Case-Szenario auszumalen.

Wenn man sich einmal bewusst macht, was das Schlimmste ist, was passieren kann, stellt man vielleicht fest, dass es gar nicht so schlimm werden kann. Ich habe mir immer gedacht: Wenn es nicht klappt, suche ich mir in Deutschland eben wieder einen Job als Moderatorin. Never try – never know!

Man sollte sich auf jeden Fall bewusst machen, dass es Zeit und Geduld braucht, um sich in einem neuen Land wirklich einzuleben. Die schwierigsten Hürden sind wohl das Finden einer stabilen Einkommensquelle sowie einer Wohnung zur Langzeitmiete. In stark touristischen Regionen wie an der Algarve ist es zum Beispiel nicht leicht, eine Wohnung auf Dauer zu finden. Viele Haus- und Wohnungsbesitzer vermieten lieber auf Kurzzeit an Touristen – was einfach viel lukrativer ist. Es ist sehr hilfreich, sich ein Netzwerk aufzubauen und vor Ort, über Bekannte und Einheimische, nach einer Wohnung zu suchen.

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Wenn es nicht so Hals über Kopf passieren muss wie bei mir, würde ich auf jeden Fall empfehlen, einige Monate vorab in der neuen Wahlheimat zu verbringen. Einmal alle Jahreszeiten und Saisons zu erleben, um sicherzustellen, dass die Region und das Land und dessen Bedingungen wirklich zu einem passen. Der Winter in Portugal ist nämlich nicht zu unterschätzen. Viele Häuser hier haben keine Heizung, es wird feucht und Schimmel ist oft ein Problem. Im Hochsommer kann es dafür richtig voll werden und der Wind ist ziemlich nervig. Aber der Alltag am Meer macht all die Herausforderungen mehr als wett. Es lohnt sich definitiv, es einmal auszuprobieren und dem Neuanfang eine Chance zu geben.

Das Leben als Freelancer ist sicher nicht immer einfach, gerade das Thema Kundenakquise. Wie machst Du das und woher bekommst Du Deine Aufträge?

Für Kundenakquise nutze ich eine Kombination aus meiner Website, Social Media, Networking und persönlichen Empfehlungen. Mein Google-Unternehmenseintrag ist auf jeden Fall Gold wert. Die meisten meiner Kunden finden mich über Suchanfragen oder kommen über meinen Google-Maps-Pin auf meine Website. Dann gibt es viele, die über Instagram auf mich stoßen und eine Anfrage schicken. Auch Networking und Kontakte vor Ort sind echt wichtig. Hin und wieder verkaufe ich zum Beispiel meine Fine Art Prints auf regionalen Kunstmärkten und habe so die Möglichkeit, potenzielle Kunden direkt persönlich kennenzulernen. Meine Postkarten und Prints sind auch in einigen Läden in der Gegend erhältlich, wodurch Interessenten auf meine Arbeit aufmerksam werden.

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Hast Du das Fotografieren gelernt oder „learning by doing“?

Hauptsächlich „learning by doing“ ;) Meine ersten Erfahrungen habe ich 2008 während der fachpraktischen Ausbildung im Bereich Fotografie an der Fachhochschule für Gestaltung gemacht. Ein paar Jahre später begann ich nebenbei mit der analogen Fotografie, hielt private Reisen auf Film fest, verbrachte viel Zeit mit Experimentieren und lernte dabei, die richtigen Momente einzufangen. Mein damaliger Freund war Hochzeits- und Produktfotograf, von dem ich viel dazugelernt habe. Irgendwann nahm er mich auf eine Hochzeit mit, und ich hatte meinen ersten „Baby-Auftrag“ als Second-Shooter. Neben YouTube-Tutorials habe ich dann während meiner Saison-Jobs als Fotografin in Surfcamps viele Tipps von Kollegen bekommen und ganz nach dem Motto „learning by doing“ eine Menge ausprobiert.

Seitdem habe ich versucht, so viel wie möglich zu fotografieren, meine Nische zu finden und einen eigenen Stil zu entwickeln. Millionen von Bildern, viele kostenlose Shootings für Freunde und unzählige Stunden Bildbearbeitung also. Ich lasse mich immer wieder gern von anderen Fotografen inspirieren und probiere Neues aus – ob an der Kamera oder in der Bildbearbeitung.

Wenn man sich durch Deinen Insta-Feed klickt, dann fällt einem sofort das tolle Licht auf. Legst Du darauf besonders Wert und wie bist Du zu diesem einzigartigen Look gekommen?

Absolut! Natürliches Licht ist für mich essenziell, da es die Atmosphäre und Stimmung eines Moments authentisch einfängt. Die „Golden Hour“ zum Beispiel liefert besonders warme und weiche Lichtverhältnisse, vor allem bei Gegenlichtaufnahmen. Dieses magische Licht kurz nach Sonnenaufgang und kurz vor Sonnenuntergang sorgt also für eine sehr strahlende, lebendige Stimmung. In der „Blue Hour“, also kurz vor Sonnenaufgang und kurz nach Sonnenuntergang, bietet das Licht einen sanften, gleichmäßigen Look. Bei bewölktem Himmel entsteht oft eine eher ruhigere, fast schon melancholische Stimmung.

Je nachdem, welche Atmosphäre ich mit meinen Aufnahmen vermitteln will, plane ich das Shooting entsprechend den Licht- und Wetterverhältnissen. Ich habe ziemlich viel Zeit damit verbracht, mit den verschiedenen Aspekten des natürlichen Lichts zu experimentieren und ein Gefühl dafür zu entwickeln, wie unterschiedlich Licht je nach Tageszeit, Wetter und Perspektive wirkt. Das hilft mir extrem, gezielt Zeit und Ort für meine Aufnahmen auszuwählen, um das passende Licht zu nutzen. Mein Look entstand also durch viel Ausprobieren und die gezielte Planung von Shootings.

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Es ist sehr wichtig, als Fotografin einen eigenen Stil zu haben, aber gerade am Anfang ist das sicher schwer. Wie hast Du das in Deinen Anfängen gemacht?

Das stimmt, gerade am Anfang kann das erst einmal ziemlich überfordernd sein. Ich habe viel experimentiert und mich von anderen Fotografen inspirieren lassen. Mit der Zeit habe ich herausgefunden, welche Bildsprache und Farben mir besonders gut gefallen, mit welcher Nische ich mich identifizieren kann, welcher Bearbeitungsstil zu mir passt und welche Lichtstimmung mich begeistert.

Um seinen Stil zu finden, kann man sich selbst zum Beispiel einige Fragen stellen und so ein Gefühl dafür bekommen, in welche Richtung man sich orientieren möchte.

  • Fotografiere ich am liebsten Menschen, Landschaften oder Produkte? Woran habe ich die meiste Freude?
  • Wie würde mein Traum-Moodboard aussehen? Welche Farben, Texturen und Locations kommen darauf vor?
  • Was inspiriert mich?
  • Was gefällt mir besonders an der Arbeit meiner Lieblingsfotografen?
  • Mit welchen Farben möchte ich meine Arbeit repräsentieren?
  • Gefällt mir sanfte oder dramatische Beleuchtung? Kühle oder warme Töne? Ein entsättigter oder knalliger Bearbeitungsstil?

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Ich denke, es ist wichtig, authentisch zu bleiben und seinen eigenen Stil zu finden, indem man viel ausprobiert und sich weiterentwickelt. Das bedeutet vielleicht auch mal, Risiken einzugehen und Neues zu erkunden. Andere Wege zu gehen, die Grenzen der konventionellen Fotografie zu überschreiten und mit verschiedenen Techniken, Lichtstimmungen und Perspektiven zu spielen. Man sollte sich nicht zu sehr von Unbekanntem oder Konkurrenz abschrecken lassen, sondern sich stattdessen davon inspirieren und in seiner Kreativität antreiben lassen, um seine eigene Stimme in der Welt der Fotografie zu finden.

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Mit welchem Fotoequipment fotografierst Du am häufigsten oder am liebsten?

Am liebsten fotografiere ich mit meiner Sony Alpha 7 III. Meine Go-To-Linse für Lifestyle-Sessions ist das Sigma 24 – 70mm ART, für Natur- oder Surf-Shots das Sony 70 – 300 G Objektiv. Für private Trips packe ich gerne meine Fuji X100V oder eine meiner analogen Kameras ein – die Canon A1 ist seit Jahren ein treuer Begleiter.

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Dronenshots sind mittlerweile essentiell und auch bei Dir zu sehen. Was genau nutzt Du hier und gibt es ein paar Tricks, wie man gute Shots bekommt, ohne alle Leute im Wasser zu nerven?

Ich nutze die DJI Mini 2 und bin damit voll zufrieden. Es gibt natürlich neuere und bessere Modelle, aber mir war für den Einstieg in die Drohnenfotografie vor allem das kompakte und leichte Format wichtig. Die Mini 2 passt easy in meinen Kamerarucksack, die Auflösung ist qualitativ völlig ausreichend und da sie unter 250 Gramm wiegt, gelten weniger strenge Vorschriften und es ist kein Drohnenführerschein notwendig.

Für Drohnenshots über dem Meer fliege ich meist früh morgens, wenn weniger Menschen am Strand und noch nicht so viele Surfer im Wasser sind. Dann heißt es, Abstand halten, nicht zu tief fliegen und so kurz wie nötig über dem Objekt bleiben, um niemanden auf die Nerven zu gehen. Ich weiß, wie nervig das sein kann, wenn ständig etwas über einem herumsurrt. Also versuche ich, so respektvoll und unauffällig wie möglich zu fliegen.

Viele Deiner Motive sind weibliche Models, die jedoch keinerlei Surf-Klischees mit Bikini Shots usw. erfüllen. Ist Dir das wichtig und wie findest Du Deine Models?

Auf jeden Fall! Ich finde es vor allem spannend, mit verschiedenen Persönlichkeiten und individuellen Stilen zu arbeiten. Authentische Bilder zu kreieren, die die Individualität meiner Models zeigen und das Gefühl des Moments festhalten. Dafür habe ich am liebsten unterschiedliche Typen, auffällige Styles oder ein besonders interessantes Gesicht vor der Linse.

Viele meiner Models sind Privatkunden, die ein Lifestyle- oder Portrait-Shooting bei mir buchen. Für Werbeaufträge oder freie Projekte suche ich über Social Media oder im Bekanntenkreis nach Models. Vor allem Instagram ist ein super Tool, um interessante und talentierte Personen zu entdecken, die eine natürliche Ausstrahlung haben und sich vor der Kamera wohlfühlen. Oder ich hole mir Empfehlungen von Freunden und Kollegen.

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Was sind Deine liebsten Fotoaufträge und wie gestaltest Du sie?

Neben spontanen Naturaufnahmen fotografiere ich am liebsten Werbekampagnen im Lifestyle-, Fashion- und Outdoor-Bereich. Ich liebe es, kreative Konzepte zu entwickeln, mich in Zielgruppen hineinzuversetzen, originelle Umsetzungsmöglichkeiten zu finden, und all das mit meiner Leidenschaft für die Natur zu kombinieren.

Zum Start eines Projekts investiere ich erst einmal einige Zeit in die Planung. Zunächst tausche ich mich mit dem Kunden aus, um seine Vorstellungen, Wünsche und Ziele genau zu verstehen. Dann folgt die Model-Akquise und das Location-Scouting, um Gesicht und Setting zu finden, die zum Projekt passen und den Anforderungen entsprechen. Falls kein Moodboard bereitgestellt wird, mache ich mich an die Sammlung von Inspirationen und Ideen. Sobald das Konzept ausgearbeitet und die Vision klar ist, plane ich das Shooting entsprechend der Licht- und Wetterverhältnisse an der Location. Zum Schluss erstelle ich einen Guide mit allen wichtigen Infos wie Shot-List, Ablauf und Moodboard, damit am Set alle gut informiert sind.

Gibt es ein Motiv oder Land, welches Du unbedingt noch fotografieren möchtest?

Ich liebe Felsformationen und ihre Strukturen, Formen und Farben. „The Wave“ in Arizona zu fotografieren, wäre ein absoluter Traum. Island mit seinen beeindruckenden Landschaften und dem einzigartigen Licht steht auch ganz oben auf meiner Liste.

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Wohin fährst Du am liebsten mit Deinem Van und wohin geht die nächste Reise?

Ich liebe es, durch Portugal zu reisen und neue Orte zu entdecken. Mindestens einmal im Monat versuche ich, für ein paar Tage irgendwohin zu fahren, wo ich noch nicht war. Der Parque Natural da Arrábida bei Setúbal mit seinen superschönen Buchten, die grünen Landschaften in der Bergregion Monchique, die Gegend rund um Vila Nova de Milfontes und Porto Covo, Großstadt-Vibes in Lissabon oder auch mal ein Abstecher nach Spanien zum Tapas-Essen sind zum Beispiel eine schöne Abwechslung.

Als Nächstes steht der jährliche Trip nach Nordportugal an. Hauptgrund für den Urlaub im Norden ist das Sonic Blast Festival am Strand von Âncora. Neben dem Festival freue ich mich vor allem auf die grüne Natur des Nordens. Besonders die Wasserfälle, Quellen und weiten Berglandschaften im Parque Nacional da Peneda-Gerês sind nach dem Festival immer eine willkommene Erholung.

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Die Algarve hat sich mit den angenehmen Temperaturen zum Hotspot für Surfer, Camper und Auswanderer entwickelt. Wie ist das, wenn man selbst dort wohnt wo andere Urlaub machen?

Es ist definitiv ein Privileg, hier zu leben. Der Alltag am Meer, die entspannte Lebensweise, die 300 Sonnentage im Jahr, die Nähe zu einer so vielfältigen Natur und die Freiheit, jeden Tag das zu tun, was einen erfüllt, sind unbezahlbar. Das zieht natürlich von Jahr zu Jahr mehr Touristen, Expats, Surfer, Camper und digitale Nomaden an. Dieser Zuwachs bedeutet auch, dass die Region immer voller wird, was manchmal herausfordernd sein kann: volle Strände, Line-ups und Stellplätze, teurere Mieten.

Im Juli und August, wenn der Strandtourismus boomt, verbringe ich ein paar Wochen in Nordportugal oder besuche Freunde und Familie in Deutschland. Eine positive Seite des wachsenden Tourismus und der steigenden Beliebtheit der Algarve ist für mich persönlich aber die Möglichkeit, mit internationalen Brands, Models und Kreativen zusammenzuarbeiten und inspirierende Menschen aus der ganzen Welt kennenzulernen.

Wie sieht es mit Portugiesisch aus? Hast Du das gelernt und war/ist es schwierig?

Ein bisschen, haha! Das ist noch im Prozess. Portugiesisch zu lernen ist nicht ganz einfach. In touristischen Gegenden wie der Algarve sprechen die meisten Einheimischen sehr gutes Englisch und aufgrund des hohen Anteils internationaler Bewohner ist Englisch fast überall gängig. Daher kommt man im Alltag eher seltener dazu, Portugiesisch zu üben. Wenn es aber ins Landesinnere oder in abgelegenere Regionen geht, ist es definitiv von Vorteil, Portugiesisch sprechen zu können, um sich besser zurechtzufinden und leichter mit Einheimischen in Kontakt zu kommen.

 

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Was liebst Du am meisten in Deiner neuen Heimat und was fehlt Dir am meisten aus Deutschland?

Was ich am meisten an meiner neuen Heimat liebe, sind definitiv die Nähe und der Alltag am Meer. Das Gefühl von Freiheit, die vielseitige Natur und die entspannte Lebensweise machen viel aus. Die Menschen sind freundlich, meistens scheint die Sonne, und das Leben läuft hier einfach in einem angenehmeren, ruhigeren Tempo.

Was mir aus Deutschland am meisten fehlt, sind natürlich meine Familie und meine Freunde. Gemeinsame Momente sind wegen der Entfernung leider nicht so oft möglich. Aber ich bekomme immer wieder mal Besuch aus Deutschland und plane ein- bis zweimal im Jahr Urlaub in meiner alten Heimat ein. Ansonsten vermisse ich vor allem einige bayerische Schmankerln und die gut sortierten deutschen Drogeriemärkte, haha!

Wo und wie siehst Du Dich in 10 Jahren?

In 10 Jahren sehe ich mich immer noch als Fotografin, mit einem noch größeren Portfolio und vielleicht sogar eigenen Ausstellungen. Vielleicht arbeite ich nebenbei auch wieder remote als Sprecherin. Auf jeden Fall möchte ich weiterhin die Welt bereisen, einen freien Lebensstil führen und die Schönheit der Natur einfangen. Ich kann mir gut vorstellen, auch in zehn Jahren noch in Portugal zu leben. Auf jeden Fall am Meer!

Aber wer weiß, was die Zukunft bringt? Einen konkreten 10-Jahres-Plan habe ich aktuell nicht. Das Leben kann so viele unerwartete Wendungen nehmen, und ich möchte offen für neue Möglichkeiten bleiben. In einem Jahr könnten meine Ziele und Träume schon wieder ganz anders aussehen. Flexibilität und eine offene Einstellung sind mir für ein erfülltes Leben auf jeden Fall wichtig. Go with the flow!

Schließlich hatte ich auch nie fix geplant, nach Portugal auszuwandern, aber bin unglaublich glücklich darüber, wie sich alles entwickelt hat.

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Möchtest Du noch jemanden grüßen oder danken?

Ein herzlicher Dank geht auf jeden Fall an meinen Freund, meine Familie und meine Freunde, die mich auf meinem Weg unterstützt und begleitet haben. Und natürlich an alle, die mir ihr Vertrauen vor der Kamera schenken, meine Arbeit wertschätzen und mich inspirieren!

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