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Im Gespräch mit Petra Offermanns zum Thema Riversurfen in München

Nachdem es in letzter Zeit immer mehr Spekulationen und Artikel in den grossen regionalen Tageszeitungen bezüglch der surfbaren Wellen in München gab, haben wir uns mit Petra Offermanns von der IGSM, der Interessengemeinschaft Surfen in München, zu einem kleinen Plausch getroffen.

Hallo Petra, Du kommst gerade von einer Versammlung mit der Stadt München, den Stadtwerken und verschiedenen Interessenverbänden bezüglich der Wassersituation an der Flosslände und den Umbauten an der Wittelsbacherbrücke. Vielleicht fangen wir mit der Flosslände an, erzähl uns doch mal was hier momentan Sache ist:
PO: Grundsätzlich ist es so, dass uns (IGSM Interessengemeinschaft Surfen in München) der Stadtrat, hauptsächlich die SPD Fraktion, als auch das Referat für Gesundheit & Umwelt und das Baureferat, unterstützen. Alle wollen, dass die Flosslände wieder läuft. Momentan sind wir soweit, dass der Wasserpegel von den Stadtwerken in der Nacht reduziert wird und tagsüber an vier Stunden von 14:00 -18:00 Uhr erhöht wird. Zu diesen Zeiten könnte man dann Surfen. So einen Plan der Umverteilung gibt es schon seit Jahren, leider hat es in der Realität nie funktioniert, da die Bohlen anders waren, es Probleme mit der Steuerung gab, oder die Messdaten falsch waren. Ein ständiges hin und her! Somit stehen wir jetzt an dem Punkt wie vor drei Jahren, nur mit der Hoffnung, dass die Steuerung jetzt hoffentlich verbessert ist.
Unter der Woche wären die vier Stunden gerade noch ok, aber am Wochenende ist es einfach zu kurz um die ganzen Surfer abzufertigen. Da werden sich lange Schlangen bilden und alle sind frustriert. Für die arbeitende Bevölkerung sind die Uhrzeiten von 14:00-18:00 natürlich viel zu kurz.

Stau an der Flosslände in Thalkirchen

Wann genau lief denn die Welle vorher?
PO: Bei der ersten Wasserregelung lief die Welle am Samstag und Sonntag von 09:00 Uhr -13:00 Uhr. Diese Regelung hat damals Andi P. vom Grossstadtsurfer e.V. abgesegnet und das RGU (Referat für Gesundheit & Umwelt) ist davon ausgegangen, dass diese Vereinbarung mit den Surfern abgeklärt wurde. Von daher haben wir seit Jahren eine sehr schwere Position, weil immer die Argumentation kommt, dass es momentan doch eh schon eine Verbesserung zu früher ist.

die von Anfängern häufig unterschätzten Stein-Säulen am Eisbach

Dennoch landen immer mehr Anfänger am Eisbach wo sie eigentlich nicht hingehören, oder wie?
PO: Der Eisbach wurde damals nur legalisiert, da wir gesagt haben, dass die Selbstkontrolle der Surfer dazu führt, dass schlechte Surfer weggeschickt werden und dadurch passiert am Eisbach auch nichts. Der Eisbach ist hauptsächlich für Anfänger gefährlich. Deswegen wurden auch die Schilder “Nur für geübte Surfer” aufgestellt. Ursprünglich sollte noch eine Art Surf-Führerschein und Ausweiskontrollen stattfinden, was wir ihnen zum Glück ausreden konnten. Damals wurde das Grundstück aus der Schlösser & Seen-Verwaltung an die Stadt München übertragen, die damit aber auch die Verkehrssicherungspflicht einhalten müssen.
Das System ging so lange gut, wie die Flosslände noch lief. Jetzt, nachdem sie drei Jahre mehr oder weniger gar nicht mehr läuft kann man die Anfänger verständlicherweise auch nicht mehr zurückhalten. Es ist in unserer aller Interesse, dass am Eisbach dauerhaft nichts passiert und somit muss die Flosslände wieder laufen.

Surf Demo bei den Stadtwerken München

Aber die Flosslände lief vor einigen Jahren doch in den Sommermonaten dauerhaft, was ist da passiert?
PO: Die Wassermenge wurde von den Stadtwerken immer weiter reduziert. Der Freizeitwert spielte bei dieser Entscheidung leider keine Rolle. Es geht um Profit, denn aus dem Wasser wird Strom erzeugt. Es ist schön, dass dieser Strom umweltfreundlich erzeugt wird, aber es ist ein wenig absurd, dass der an der Flosslände gewonnene Ökostrom ins Netz eingespeist wird und in Bispingen oder im Alpamare verwendet wird um künstliche Wellen zu erzeugen. Saubere Energie ist toll, aber es gibt immer einen Trade-off zwischen Freizeitwert und Ökologie und Surfen ist eine der ökologischsten Sportarten überhaupt. Man muss auch die Gesamtökobilanz betrachten. Wenn die Surfer statt mit dem Fahrrad an die Flosslände mit dem Auto nach Aschheim zum Wakeboarden fahren oder selbst nur in die Therme Erding, die ja auch viel Energie verbraucht ist die Energiebilanz negativ.
Wir bräuchten weniger als 1% der Leistung des Kraftwerkes um die Welle mit genug Wasser zu speisen. Eigentlich ein Witz.
Auch bei Hochwasser wird das Wasser meist einfach an verschiedenen Überläufen abgeleitet statt es in die Flosslände umzuleiten.

Gibt es sonst noch Alternativen wie man mehr Wasser bekommen könnte?

PO: Ja eigentlich schon. Wir haben schon mal angepeilt zusätzlich Wasser von der Stadt zu kaufen. Die SPD wollte es vom Sportjugend- Etat finanzieren, oder wir hätten auch Sponsoren an der Hand gehabt, die es gegen Co2 Zertifikate zur Kompensierung unterstützt hätten. Das dachten wir eigentlich wäre eine gute Lösung, aber leider wurde dieser Vorschlag von den SWM abgelehnt. Wir haben da nochmals nachgehackt aber leider noch keine Antwort bekommen

OB Christian Ude und Petra bei der “Legalisierung” des Eisbachs

Was wäre Eurer Meinung nach eine gute Lösung?
PO: Eigentlich wäre durch die Nachtabsenkung genug Wasser zum Surfen von morgens bis abends da, aber leider wird der Grossteil des eingesparten Wassers in einem Kanu-Contest verwendet. Ich würde es gut finden, wenn das Contest-Wasser über externe Sponsoren finanziert wird, oder so wie das Wasser für die Flösser, als Gewohnheitsrecht on Top kommt.
Langfristig könnte man hinter der Flosslände ein Minikraftwerk bauen, welches Energie aus dem Wasser des Flosskanals erzeugt. Man könnte ausserdem das Becken modifizieren, denn bei niedriegerem Beckenstand läuft die Welle auch mit weniger Wasser, nur aktuell haben die Flösser dann Probleme mit dem Ausstieg

Die IGSM ist aber kein Verein, oder?

PO: Früher war das Vereinswesen und das Flusssurfen noch ziemlich kritisch unter einen Hut zu bekommen. Andi P. wurde dafür auch regelrecht gedisst, gerade von den Eisbach Surfern. Wir haben uns deshalb geeinigt IGSM nicht als Verein zu starten um auch flexibler und schneller agieren zu können und weil wir glauben, so mehr Surfer unter einen Hut zu bringen. Die Sportjungend-Beauftragen usw. unterstützen uns auch so, deshalb haben wir bis jetzt noch nicht die Notwendigkeit gesehen, einen Verein zu gründen. Wir haben es nun geschafft, dass wir zentraler Ansprechpartner für alle Surfbelange der Stadt sind. Das ist schon ein grosser Schritt für uns.

Das Team der IGSM

Wie kam es denn zu Eurem Zusammenschluss?
PO: Wir sassen 2007 am Eisbach und haben in der Zeitung gelesen “Köster will Eisbachwelle platt machen”! Damals war gerade ein Australier ertrunken, der aber nicht am Eisbach ertrunken ist, sondern einen Kilometer weiter unten. Aber für die Presse war das ein gefundenes Fressen und für den Köster war das eine heikle Sache wegen der Verkehrssicherungspflicht usw. Wir haben das erst nicht ganz so ernst genommen, aber dann doch entschieden das Gespräch mit der Stadt zu suchen. Das waren im Wesentlichen Karsten Mohr, Carsten Kurmis, Tom Mayer, Matthias Ramoser, Koko Janicek, Wolfrik Fischer und Stefan Spehl, der Rechtsanwalt ist. Wir trafen uns dann in seiner Kanzlei und waren ca. 30 Surfer und Jeder hatte sich überlegt was man so machen könnte. Ich hatte damals über Nacht auf die schnelle die Website mit der Unterschriftenliste zur Eisbach-Rettung programmiert. Der Link hat sich dann wie ein Lauffeuer verbreitet und wir haben über 17 000 Unterschriften gesammelt. Zunächst waren wir natürlich unsicher, wie sich die Presse verhält, ob wir da als die Rabauken- Surfer dargestellt werden oder eher Zuspruch bekommen. Am Ende ging alles gut und sowohl die Medien als auch die Parteien standen voll hinter uns.
Momentan freuen wir uns über viele, neue, junge und engagierte Mithelfer bei dem Projekt zur Rettung der Flosslände. Es gibt jetzt sogar schon einen technischen Arbeitskreis Flosslände. Es läuft wirklich gut.

Es ist schön zu hören, dass Ihr Euch nicht nur um den Eisbach oder die Flosslände oder die offene Isar kümmert, sondern quasi um alle Wellen in der Stadt!
PO: Wir sind ganz einfach der Meinung, dass sich alle Wellen nur zusammen vertreten lassen, weil es ja auch am Ende alles zusammenhängt. Deshalb war es auch schwierig mit dem Grossstadtsurfer e.V., die sich nur auf die Flosslände konzentriert haben.

Wie schaut es denn mit dem Umbau in der Isar aus? Es gab hierzu ja einige Artikel in der Tagespresse?
PO: Die Grundlage ist, dass die Stadt München das Surfen in der Bade&Bootsverordnung legalisieren will. Das war in dem Vorschlag von der SPD so drin und wurde auch mit einer Mehrheit im Stadtrat angenommen. Trotzdem wollte sich der Oberbürgermeister nochmal rückversichern und hat das Ganze nochmals von der bayerischen Landesregierung prüfen lassen. Hier gab es von Seiten der ÖVP Einwände. Ein Fischereibeauftragter meinte, dass da irgendwelche Fische von den Surfern gestört werden könnten.

ein Artikel in der SZ

Wir haben dann auch unser eigenes Gutachten erstellen lassen, welches das nicht bestätigt. Dennoch muss es jetzt eine FFH Fischartenverträglichkeitsprüfung geben.Das Ergebnis liegt dann hoffentlich im Herbst vor. Diese wird dann nach unserer Einschätzung positiv ausfallen und dann wird das Surfen in der Bade&Bootsverordnung erlaubt. Im nächsten Schritt wird ein Modellversuch im Massstab 1:5 gebaut. Dieser Modellversuch dauert 15 Monate. Danach werden die Kosten geschätzt und Angebote eingeholt. Dann müssen diese noch verabschiedet werden und es kann endlich gebaut werden. Wenn alles gut geht wäre Baubeginn in 2015 und Fertigstellung 2016.
Wir haben es auf alle Fälle geschafft, dass bei der Sanierung der Schwellen die Surfbarkeit als Kriterium einbezogen wird. Es ist unser Ziel, dass wir bei sämtlichen anderen Nachbesserungsarbeiten, die in der Isar passieren, miteinbezogen werden. Dafür haben wir jetzt angefangen ein Bewusstsein zu schaffen. Als die Umbauten an der Reichenbachbrücke verabschiedet wurden, waren wir leider noch mit der Legalisierung des Eisbachs zu beschäftigt um da etwas bewirken zu können bzw. wir wollten nicht mit der Tür ins Haus fallen. Nun haben wir den Eisbach gerettet und einen Konsens zur Rettung der Flosslände erreicht, jetzt können wir uns verstärkt der Isar widmen, da gibt es ja diverse Arbeitsgruppen und Treffen, wo wir involviert sind.
Das lustige ist wirklich, dass sich beim Thema Surfen alle Parteien einig sind…na ja bis auf die ÖVP wegen der Fische, aber sonst ist das wirklich toll.

leider Vergangenheit- Carsten Kurmis an der Reichenbachbrücke

Das klingt ja wirklich vielversprechend. Aber nochmal zurück zum Eisbach. Es ist ja immer ein Zwiespalt mit der Kommerzialisierung durch Filme wie Keep Surfing, diverser Clips im Internet und der daraus resultierenden steigenden Zahl der Surfern am Bach. Was hälst Du davon?
PO: Die Stimmung ist gereizt. Zu viele Surfer und zu viele Anfänger. Lustigerweise sind es aber oft genau die Leute, die sich über Anfänger und lange Schlangen aufregen, die den Eisbach in die Medien bringen und so für den Ansturm mit verantwortlich sind. Ich finde halt, wenn jemand 300 Euro von einem Sponsor für den Abdruck eines Bildes mit dem Sticker auf dem Board bekommt, ist der Schaden für die Allgemeinheit durch die steigende Zahl an Surfern grösser als der Eigennutzen. Ich beantworte Anfragen von den Medien eigentlich nur noch, wenn wir darin auch die Flossländen-Problematik schildern können. Denn noch mehr Eisbach PR braucht kein Mensch. Und wenn schon was zum Eisbach geschrieben wird, dann bitte ich immer darum, zu erwähnen, dass das nur etwas für erfahrene Surfer ist. So würde ich es mir eben auch von anderen Leuten wünschen, die sich aber lieber selber darstellen. Da muss man einfach einen Mittelweg finden. Ich persönlich will mein liebstes Hobby nicht kaputt machen, indem ich es für Geld ausschlachte!

Vielleicht noch kurz zu Dir, erzähl doch mal kurz was zu Deiner Person!
PO: Geboren bin ich in Hessen, einen Steinwurf von der Bayerischen Grenze, allerdings war das für mich nie Heimat, da meine Eltern auch nicht von dort sind. Ich bin 1996 nach München gezogen, weil es einfach die beste Stadt der Welt ist. Mit dem Surfen habe ich 2000 angefangen, erst in Frankreich, dann ein Versuch am Eisbach, wo mir Alex und Flo sehr freundlich erklärten, dass es da noch eine andere Welle gäbe. Also bin ich schön brav an die Flosslände, die damals allerdings auch noch Tag und Nacht lief. Ich war bestimmt 5 oder 6 Jahre nur an der Flosslände, bevor ich das erste Mal wieder am Eisbach war.

im Winter fühlt sich Petra am Eisbach noch wohl

Momentan bin ich viel mit dem SUP unterwegs. Carsten Kurmis hat mir das vorletzten Sommer gezeigt, damals auch an der Flosslände. Ich arbeite viel in London und wohne dort direkt am Wasser. Für dort schien mir das eine perfekte Ergänzung zum Surfen. Das war dann gerade zu der Zeit, als Keep Surfing im Kino lief und mich das Surfen am Bach nur noch genervt hat. Zum einen wegen der vielen Leute aber ich war nach einer komplizierten Schulter-OP auch ziemlich ängstlich und unsicher am Bach. Deswegen war ich dann fast nur noch im Winter und unter der Woche dort, habe die Prime Time gemieden und begonnen an den Wochenenden die Bayerische Seenwelt per SUP zu erkunden. Es gibt ja 307 Seen, einer schöner als der andere.

Petra bei ihrem neuen Hobby- SUPen

Ich habe dann auch angefangen verschiedene SUP Rennen zu fahren, eigentlich nur zum Spass aber bin dann irgendwie im Fanatic Team gelandet, daraus haben sich die verschiedensten Sachen ergeben, im Sommer sind wir 220km durch Holland gepaddelt, im Dezember haben wir die Strasse von Gibraltar per SUP passiert und gerade war ich bei einem 25km SUP Rennen vor Mallorca. Das Schöne am SUP ist, es gibt keinen Kampf um Platz, die Möglichkeiten sind unbegrenzt. Mein Freund und Teamkollege aus Spanien ist im Mai per SUP von Ibiza zum Spanischen Festland gepaddelt, 96.5km in 15Stunden. Es ist ein junger Sport, wo man zusammenhält und sich über jeden neuen Sportler freut, ich glaube ich bin da auch sentimental und es erinnert mich ein wenig daran, wie es 2000 im Riversurfen war, mit den ersten Contests in Silz, Graz und Bremgarten.

Aber mit dem Surfen werde ich niemals aufhören und auf der Isar findet sich ja auch die eine oder andere Welle, die mit dem SUP noch surfbar ist, ohne Stau und anstehen und Stress.

So schaut es aus, wer suchet der findet. Hast Du noch letzte Worte, die Du loswerden möchtest?
PO: Wir brauchen mehr Wellen und schon entspannt sich überall die Lage! Wir wollen ja schliesslich auch die Riversurf-Hauptstadt bleiben!

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