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Klimawandel Surfen

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Klimawandel und Surfen: Was kommt auf uns zu?

Steigender Meeresspiegel, wärmere Ozeane, veränderte Stürme und Küsten, die immer stärker unter Druck geraten.

Fotos: unsplash

Eines vorweg: Wenn wir hier darüber sprechen, dass der Klimawandel Sandbänke verschiebt, Surfspots verändert oder uns häufiger Quallen die Session vermiesen könnten, dann reden wir über ein Luxusproblem. Weltweit bedrohen die Folgen der Klimakrise Lebensräume und Lebensgrundlagen von Millionen Menschen. Dagegen ist eine Welle, die bei Mid Tide plötzlich nicht mehr funktioniert, ziemlich nebensächlich. Trotzdem ist Surfen unsere Perspektive auf den Ozean. Wir verbringen viel Zeit an Küsten, beobachten Wind, Wetter, Wassertemperaturen und Strände und bekommen Veränderungen dadurch teilweise unmittelbar mit.

Also haben wir uns gefragt: Was bedeutet der Klimawandel eigentlich ganz konkret für uns Surfer?

Klimawandel und Surfen

Vielleicht kennen wir das alle. Der Forecast zeigt Swell, die Periode passt, der Wind auch und trotzdem funktioniert der Spot plötzlich anders als erwartet. Eine Sandbank ist verschwunden, der Strand sieht nach einem Wintersturm oder monatelangem Flatspell komplett anders aus oder die Welle bricht bei einer Tide, bei der sie früher ziemlich zuverlässig funktioniert hat.

Natürlich ist nicht jede schlechte Sandbank Klimawandel. Küsten verändern sich seit jeher, Stürme kommen und gehen und gerade Beachbreaks können innerhalb weniger Wochen völlig anders aussehen.

Doch dahinter läuft eine wesentlich größere Veränderung ab.

2025 lag die globale Durchschnittstemperatur laut Weltwetterorganisation rund 1,43 Grad über dem vorindustriellen Niveau. Die vergangenen elf Jahre waren gleichzeitig die elf wärmsten seit Beginn der Aufzeichnungen. Noch unmittelbarer für uns Surfer: Die Ozeane speichern rund 90 Prozent der zusätzlichen Wärme im Klimasystem und ihr Wärmeinhalt erreichte 2025 einen neuen Rekord.

Wir Surfer verbringen einen ziemlich großen Teil unseres Lebens genau dort, wo viele dieser Veränderungen sichtbar werden: an der Grenze zwischen Land und Meer.

Der Meeresspiegel steigt und unsere Surfspots steigen nicht mit

Beginnen wir mit einer Veränderung, die ziemlich offensichtlich Auswirkungen auf Wellen haben kann: dem steigenden Meeresspiegel.

Der globale mittlere Meeresspiegel lag 2025 rund elf Zentimeter höher als zu Beginn der Satellitenmessungen 1993. Gleichzeitig hat sich die Geschwindigkeit des Anstiegs erhöht. Für die Jahre 2016 bis 2025 nennt die WMO rund 4,1 Millimeter pro Jahr, gegenüber etwa 2,1 Millimetern zwischen 1993 und 2002.

Elf Zentimeter klingen zunächst nicht unbedingt beängstigend, aber für eine Welle können vergleichsweise kleine Veränderungen der Wassertiefe relevant sein.

Ein Reefbreak funktioniert schließlich deshalb, weil Swell auf eine bestimmte Unterwasserstruktur trifft. Wird das Wasser darüber dauerhaft tiefer, verändert sich, wie und wo die Welle bricht. Spots, die eine niedrige Tide brauchen, könnten deshalb langfristig deutlich seltener funktionieren oder ihren Charakter verändern. Auch Pointbreaks und Flussmündungen können betroffen sein, wenn sich Küstenlinie, Sedimenttransport und Wassertiefe verändern. Surfrider weist entsprechend darauf hin, dass steigender Meeresspiegel sowohl Beachbreaks als auch Reefbreaks verändern kann.

Aus dem Spot, der heute bei Mid Tide perfekt läuft, könnte irgendwann also einer werden, bei dem man deutlich genauer aufs Tide Chart schauen muss.

Oder der schlicht nicht mehr so funktioniert wie früher.

Unsere Strände geraten unter Druck

Noch sichtbarer wird die Veränderung am Strand.

Meeresspiegelanstieg, Sturmfluten und Erosion treffen auf Küsten, die wir Menschen vielerorts bereits mit Straßen, Häusern, Mauern und anderer Infrastruktur vollgebaut haben.

Das Problem dabei: Ein natürlicher Strand kann sich theoretisch landeinwärts verlagern. Steht dort allerdings eine Straße, ein Hotel oder eine Betonmauer, ist irgendwann Schluss.

Dieses Phänomen wird als Coastal Squeeze bezeichnet. Der Strand wird buchstäblich zwischen steigendem Meer und Bebauung eingequetscht.

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Strände und Dünen sind dynamische Systeme. Sand wird durch Swell, Strömungen und Wind ständig bewegt. Verändert sich dieses System, können sich auch die Sandbänke verändern, auf denen unsere Beachbreaks funktionieren.

Und spätestens wenn Küstenschutzmaßnahmen gebaut werden müssen, wird es kompliziert. Mauern, Buhnen, Häfen und andere Eingriffe können Sedimentströme verändern und damit im schlimmsten Fall auch einen Surfspot.

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Bedeutet Klimawandel mehr Swell?

Jetzt kommen wir natürlich zur Frage, die wahrscheinlich irgendwann an jedem Surfer Stammtisch auftaucht:

Mehr Stürme bedeuten mehr Swell, oder?

So einfach ist es leider nicht.

Wellen entstehen durch Wind. Entscheidend sind unter anderem Windgeschwindigkeit, Dauer und die Fläche, über die der Wind auf den Ozean wirkt. Verändern sich globale Wettersysteme und Sturmzüge, kann sich deshalb auch verändern, wann, woher und mit welcher Energie Swells unsere Küsten erreichen.

Wie komplex diese Zusammenhänge sind, zeigt El Niño. Das natürliche Klimaphänomen im tropischen Pazifik verändert in unregelmäßigen Abständen Meeresoberflächentemperaturen, Luftdruck und großräumige Windmuster. Zusammen mit seinem Gegenstück La Niña beeinflusst es Wetter und Sturmaktivität weit über den tropischen Pazifik hinaus.

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Für Surfer kann das ziemlich konkrete Folgen haben. In El Niño Wintern können sich beispielsweise die Sturmaktivität und damit auch die Wellenbedingungen im Nordpazifik deutlich verändern. Bestimmte El Niño Ereignisse sind deshalb in der Surfgeschichte mit außergewöhnlich großen Winterswells an der US Westküste und auf Hawaii verbunden.

Aber El Niño ist nicht einfach eine Folge des Klimawandels. Das ENSO System ist eine natürliche Schwankung des Klimas, die es schon lange vor der menschengemachten Erwärmung gab. Spannend für die Zukunft ist vielmehr die Frage, wie sich diese natürlichen Schwankungen in einer wärmeren Welt verändern. Forschung deutet darauf hin, dass sich bestimmte ENSO bedingte Extreme verstärken könnten, gleichzeitig bleiben bei der zukünftigen Entwicklung wichtige Unsicherheiten.

Für unseren Forecast bedeutet das vor allem:

Klimawandel heißt nicht automatisch mehr Swell.

Einige Regionen könnten stärkere oder häufiger auftretende Wellenereignisse erleben, während sich anderswo Swellrichtungen, Saisonalität oder durchschnittliche Wellenenergie verändern können. Und ein größerer Swell ist ohnehin nicht automatisch ein besserer Swell. Wenn gleichzeitig Wind, Sturmfluten und Küstenerosion zunehmen, freut sich am Ende vielleicht niemand über die zusätzlichen zwei Fuß.

Der Forecast der Zukunft wird also vermutlich nicht einfach größer.

Er könnte vor allem unberechenbarer und regional anders werden.

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Der Ozean wird wärmer

Während wir über Wellen reden, verändert sich gleichzeitig das Wasser darunter.

2025 erreichte der globale Wärmeinhalt der Ozeane den höchsten Stand der bisherigen Messreihe. In Europas Meeresregionen war 2025 sogar das vierte Jahr in Folge mit rekordhohen durchschnittlichen Meeresoberflächentemperaturen. 86 Prozent dieser Region erlebten mindestens eine marine Hitzewelle.

Für uns klingt wärmeres Wasser zunächst fast angenehm. Vielleicht irgendwann Boardshorts in Frankreich im Oktober?

Ganz so romantisch ist die Sache allerdings nicht.

Marine Hitzewellen können Ökosysteme massiv unter Stress setzen. Korallenriffe, Seegraswiesen, Fische und andere Organismen reagieren empfindlich auf Temperaturveränderungen. Gleichzeitig nimmt der Ozean einen erheblichen Teil des von Menschen ausgestoßenen CO₂ auf, wodurch die Versauerung der Meere voranschreitet.

Für Surfer ist das relevant, weil viele der berühmtesten Wellen der Welt direkt von intakten Küsten und Riffsystemen abhängen.

Wir surfen eben nicht auf einer Maschine. Wir surfen auf einem Ökosystem.

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Werden unsere Lieblingswellen verschwinden?

Manche vielleicht. Andere werden sich verändern. Manche Spots könnten durch veränderte Bedingungen möglicherweise sogar häufiger funktionieren und theoretisch könnten durch Veränderungen an Küsten neue Wellen entstehen.

Eine pauschale Weltkarte mit roten Kreuzen über allen heutigen Surfspots wäre wissenschaftlich unseriös.

Klar ist aber: Die Rahmenbedingungen verändern sich.

Meeresspiegel, Wassertemperaturen, Küstenerosion und Wettermuster sind keine abstrakten Klimamodelle mehr. Viele dieser Veränderungen werden bereits gemessen. Der globale Meeresspiegel steigt, die Ozeane werden wärmer und Küsten müssen sich darauf einstellen.

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Die perfekte Welle wird deshalb nicht plötzlich am 1. Januar 2050 aufhören zu brechen.

Viel wahrscheinlicher ist ein schleichender Prozess.

Ein Spot braucht plötzlich eine andere Tide. Ein Parkplatz wird bei großen Winterstürmen regelmäßig überschwemmt. Eine Sandbank kommt nicht mehr so zuverlässig zurück. Ein Strand wird schmaler. Eine Küstenstraße muss geschützt oder verlegt werden.

Und irgendwann sagt jemand nach der Session: „Komisch. Früher hat die Welle bei der Tide immer funktioniert.“

dune de pillard

Und was können wir als Surfer tun?

Hier wird es schnell unangenehm.

Denn Surfen besitzt einen kleinen eingebauten Widerspruch.

Wir lieben den Ozean, fliegen aber für zwei Wochen nach Indonesien. Wir diskutieren über nachhaltige Surfboards und fahren gleichzeitig tausende Kilometer dem nächsten Swell hinterher. Wir kaufen Neoprenanzüge, Boards und Equipment, deren Herstellung ebenfalls Ressourcen und Energie benötigt.

Das bedeutet nicht, dass niemand mehr einen Surftrip machen darf.

Aber vielleicht sollten wir anfangen, unseren eigenen Teil der Gleichung etwas ernster zu nehmen.

Boards länger fahren und reparieren. Nicht für jeden Trip fliegen. Fahrgemeinschaften bilden. Zug und Van dort nutzen, wo es sinnvoll ist. Equipment bewusster kaufen. Lokale Umweltorganisationen unterstützen. Und vor allem Küsten nicht nur als unseren persönlichen Spielplatz betrachten.

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