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Eisbach

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KOMMENTAR: Der Eisbach nach dem Rauschen

Koordinaten Lat: 48.143453060897,  Lng: 11.587717849677. Besser bekannt als Surfwelle Eisbach.

Eisbach

Künstliche stehende Welle im Eisbach des Englischen Gartens, die ganzjährig zum Surfen einlädt.

so steht es bei Google in der Kurzbeschreibung.

Lange haben wir uns überlegt, was wir über die aktuelle Lage am Eisbach schreiben sollen, mit wem wir Interviews führen sollten und welche Rolle wir als Surfmagazin in dieser Diskussion überhaupt einnehmen wollen. Die Welle an Berichterstattungen auf diversen Nachrichtenplattformen hat uns fast ohnmächtig gemacht, denn selbst die New York Times berichtete über das Dilemma:

The city, which profited from the visitors, long tolerated the surfers and the ramp, even installing life rings and a list of rules at the water’s edge…

Doch in diesem Kommentar geht es uns weder um einen Faktencheck noch um eine Position, die wir einnehmen wollen. Vielmehr ist es eine Herzensangelegenheit. Denn was wir bei unserem letzten Besuch an der Eisbachwelle erleben mussten, hat uns wirklich schockiert.

Die Stille.

Eisbach

Keine Besuchertrauben mehr Brückenrand. Kein Lachen. Kein Stimmengewirr. Nur noch das gleichmäßige Rauschen der Isar. Ein Moment, der sich anfühlt wie ein Flashback in die härteste Pandemiezeit, als Ausgangssperren die Stadt leergefegt hatten.

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Gefühlt haben sich eben noch das Who’s who der politischen Größen hier am Ufer vor Kameras versammelt. Der Wahlkampf hat seine Bilder gesucht und gefunden. Doch jetzt ist er vorbei. Und plötzlich ist es still.

Die Welle kämpft.

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Nur ein kleiner Teil von ihr zeigt noch Stärke und versucht, sich offen zu halten, ganz ohne Rampen, Gitter oder sonstige Einbauten. Der Pegel ist niedrig. Zu niedrig. Die Welle kann so gar nicht mehr laufen. Als hätte jemand den Stöpsel gezogen und das nicht, weil eine Bachauskehr ansteht. Einige Touristen laufen mit dem Handy etwas verloren im Kreis. Sie suchen scheinbar die „Surfer in der Stadt“. Nach wenigen Minuten verlassen die meisten wieder das Ufer.

Eisbach

Der Eisbach war nie für uns Surfer gedacht. So war er nie konzipiert. Eigentlich sollte die Konstruktion das Wasser bremsen, nicht eine Welle erzeugen. Dass hier einmal eine Touristenattraktion entstehen würde, war nie vorgesehen.

Und trotzdem ist genau das passiert.

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Die Münchner Surf-Community hat daraus etwas Einzigartiges gemacht.

Auch für uns haben hier viele Geschichten begonnen.Wilde Sessions, unzählige Geschichten und Erinnerungen. Momente, in denen man Menschen trifft.Freundschaften, die bis heute halten.

Der Eisbach war nie nur ein Surfspot. Für viele war er ein Stück Leben.

Es gab hier alles: unglaublich freudige Momente, schmerzhafte Bekanntschaften mit den Störsteinen und auch einen tragischen Todesfall. All das gehört zur Geschichte dieses Ortes.

Eisbach

Und jetzt ist da plötzlich diese Stille.

Keine Touristen mehr. Nur eine Brücke mit einer Hauptstraße darüber und ein Parkplatz daneben, der plötzlich keine Geschichten mehr erzählt.

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Selbst unter den Befürwortern der Welle herrscht keine vollständige Einigkeit darüber, wie es weitergehen soll. Aber eines scheint klar: Es ist kein Hexenwerk, diese Welle wiederherzustellen. Es braucht keine tausend Studien und keine endlosen Testeinbauten.

Es braucht Mut. Und die notwendigen rechtlichen Schritte.

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Wir treffen Tao Schirrmacher, der das Dilemma der letzten Wochen und Monate kopfschüttelnd zusammenfasst:

Der Eisbach war ursprünglich eine illegale Aktion. Surfer haben dort angefangen zu surfen und damit eine Kultur geschaffen, die es vorher nicht gab. Heute ist genau diese Kultur ein Aushängeschild für München. Sie steht in jedem Touristenführer und hat weltweit Strahlkraft. Die Stadt hat sich dieses Bild angeeignet.
Der internationale Ruf des Eisbachs ist vollständig aus der Szene selbst entstanden über mehr als 30 Jahre, ohne dass die Stadt dafür etwas tun musste. Aus dieser Kultur sind Unternehmen wie Surftown München, citywave, .. sowie unzählige welleninitiativen und Brands hervorgegangen.
Gerade deshalb wundert es mich umso mehr, dass nicht alles darangesetzt wird, diese Attraktion so schnell wie möglich wiederherzustellen. Jede andere Stadt weltweit würde darum kämpfen, eine solche Kulturstätte zu besitzen und würde diejenigen einbeziehen und beauftragen, die sie überhaupt erst geschaffen haben, um das weiterzuführen, was über drei Jahrzehnte gewachsen ist.

Eisbach

Was ist also der Plan der Münchner Verantwortlichen, die sich dieser Stille jetzt stellen müssen? Wie lange kann man sich selbst im Weg stehen, bevor Mut und Geschick zusammenkommen, um diesen Ort wieder möglich zu machen?

Eisbach

Gerade in einer Zeit, in der Zusammensein so wichtig ist. In der Orte der Begegnung gebraucht werden.

Tut etwas. Damit München das wiederbekommt, was es braucht.

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