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Shaping Room XXL: Roberts Surfboards

Robert Weiner ist Shaper of the Year 2011. Grund genug, ihm ein „Shaping Room xxL“ zu wid­ men. Und er ist momentan nicht nur der Innovativste in seiner Branche, er ist auch noch zu 100 Prozent Deutscher. Somit zeigt sich nach Marlon, Sebastian und den Hydroflex­jungs einmal mehr, dass wir im Surfen immer wieder ganz weit vorne mitmischen. Hier kommt „Mr. Weiner, the German surfboard designer“.

Hallo Robert! Wie kam es zum Titel Shaper of the Year 2011?
2010 ist echt wahnsinnig viel passiert. Ich habe 2010 einige neue Modelle rausgebracht, die sehr populär wurden. Besonders „The White Diamond“ ist sehr bekannt und beliebt geworden. Das Board hat eine Menge Medien­ interesse hervorgerufen und einige Big­Name­ Pros wie Dane Reynolds und Jordy Smith haben davon recht viele bestellt. Im amerika­nischen „Surfer Magazine“ war das Board immer wieder ein Thema, viele Leute haben dort das Design und ihre Erfahrungen mit dem Board diskutiert. Alles verlief sehr positiv und so wurde ich zum Shaper of the Year.

Weißt du, wie das Voting-System dafür aussieht?
Das „Surfing Magazine“ wählt aus und fragt eine Menge verschiedener Leute aus der In­dustrie sowie ehemalige Shaper of the Year, welcher Shaper in deren Augen momentan der einflussreichste ist. Für 2011 bin ich da­bei herausgekommen.

Wie hat deine Karriere begonnen und wann hast du angefangen zu shapen?
Mein erstes Board habe ich, glaub ich, mit zwölf Jahren als kleiner Junge geshapt. Ich habe damals ein altes Longboard genommen, das ganze Fiberglass abgezogen und aus dem Blank eine Art Fish mit einem superflachen Rocker vom Longboard gemacht. Das zweite Brett habe ich für ein Schulprojekt als 13­- oder 14 -Jähriger geshapt. Dann habe ich erst wieder mit 26 Jahren das nächste Board gemacht. Ich hab mein eigenes Label Roberts 1994 gegründet und ab 1996 fulltime als Shaper gearbeitet. Ich fing an, Bretter für mich und Freunde zu shapen, und habe auf meinem fünften selbst gemachten Brett den National ­Titel gewonnen.

Wie viele Bretter stellst du im Jahr her?
Es sind ungefähr 1.700 Bretter pro Jahr. Wir sind immer noch eine recht kleine Firma. Ich hoffe aber, dass wir dieses Jahr einiges mehr verkaufen und der Titel Shaper of the Year da hilft. Außerdem wollen wir eine Dependance an der Ostküste aufmachen. Aus Japan kom­men immer mehr Anfragen und in Europa ist Israel mein bester Abnehmer. Ich habe circa 150 Boards alleine dorthin verkauft.

Welche Art von Brettern verkauft ihr am meisten?
In der Regel High-­Performance-­Shortboards. Wir bauen auch Longboards, Guns, Funboards und Fishes – wir haben gerade ein neues Fish herausgebracht, das ich echt super finde. Aber die meisten Bretter sind dann die Shortboards. Darauf liegt unser Hauptfokus und es sind die Bretter, die ich selbst am liebsten surfe.

Was für ein Board würdest du einem Deutschen empfehlen, der ein-, zweimal im Jahr ans Meer kommt und immer andere Spots surft?
Wenn er schon weiß, wie Surfen funktioniert, also auf einem Intermediate Level ist, würde ich ihm ein großes „White Diamond“ oder eines meiner „Diamond Fishes“ als 6’6” emp­fehlen: etwas, das viel Auftrieb hat und leicht zu paddeln ist. Wenn die Person sportlich ist, könnte sie auch gut ein 6’2” „Diamond Fish“ surfen. Ich selbst bin 1,92 Meter, wiege 102 Kilogramm und mein 6’0er ­„Diamond Fish“ trägt mich. Wenn er also eher durchschnittlich surft, ist ein 6’2” gut, das Brett ist immer noch stabil genug.

Was ist für dich das schönste an deinem Job?
Das Beste ist echt, mit meinen Teamfahrern zusammenzuarbeiten. Sie geben mir Feedback, welches Modell und welcher Shape am besten funktioniert, und neue Ideen. Dann gehen wir zusammen surfen, und wenn uns was Neues gefällt, geben wir dem Shape zusammen einen neuen Namen etc. Momentan machen wir viele Videos zusammen mit unseren teamfahrern, was ebenfalls sehr viel Spaß bringt.

Wie kam es zu deinem Firmennamen? Ich frage dies alle Kandidaten für die Rubrik „shaping room“, bei dir ist es ja recht ersichtlich…
Ja, ich habe einfach meinen Vornamen genom­men. Ich wollte nicht meinen Nachnamen neh­men, da der ja deutsch ist und die Amerikaner ihn immer falsch aussprechen. Sie sagen dann übersetzt immer „Würstchen“ und das fand ich jetzt nicht so cool… [lacht]

Du hättest dir ja auch was anderes einfallen lassen können als deinen Vornamen, oder?
Ja, aber zu der Zeit, als ich mit dem Shapen ernsthaft angefangen habe, kannten mich die meisten Leute durch mein Contest­-Surfen. Sie wussten, wer ich bin, und identifizierten meine Bretter mit meinem Namen drauf sofort mit mir. Das hatte anfangs echt geholfen und ich habe es dann so gelassen.

Macht sinn! Themenwechsel: Wo siehst du die Zukunft in der Surfboard-Technologie?
Die Maschinen werden mehr und mehr das Shapen übernehmen. 99 Prozent werden bald von der Maschine gemacht. Vielleicht braucht man bald sogar gar keinen Shaper mehr, der den Blank noch mal angeht. Dann kommen mehr Technologien wie die von Hydroflex, die die Bretter qualitativ weit nach vorne bringen werden. Die Materialien werden auch besser. Allerdings gibt es momentan noch ein großes Problem: Die meisten Menschen haben keine Lust, für bessere Qualität und neue Techniken Geld auszugeben. Wir hätten beispielsweise die Technologie, um ein 5.000 US­Dollar teu­res Surfboard zu bauen, aber wer will das be­zahlen? Höchstens Pro­Surfer werden mehr und mehr neue Sachen ausprobieren.

Was wird in Sachen Shapes Neues passieren?
Ich denke, es wird mehr und mehr mit den di­versen Kombinationen aus Outlines und Bot­tom Konturen gespielt. Wir bringen demnächst ein Board raus, dass wir „the Modern Aigh­tys“ nennen werden. Die Outline davon wird aussehen wie von den Boards aus den 80ern, aber das Unterschiff wird sehr modern werden. Einer meiner Fahrer liebt dieses Board bereits sehr. Es gibt so viele Kombinationen und Variablen, dass es immer möglich sein wird, neue Dinge auszuprobieren. Zurzeit geht der Trend eher zu noch kürzeren, dafür etwas breiteren Brettern: Wo vor ein paar jahren das Durch­schnitts­-Shortboard noch bei einer Länge von 6’2” lag, so sind wir momentan bei einer Län­ge von 6’0” angekommen.

Kann man Surfboard-Design mit der Mode vergleichen, dass immer wieder bekannte Elemente aus vergangenen Jahren aufgegriffen werden?
Auf jeden Fall, es sind alles Trends, über die wir hier reden. Es kommt immer darauf an, was gerade die bekannten Pros surfen und welche Untergrundbewegung gerade aktuell ist. Dementsprechend verändern sich Shapes und Vorlieben der Surfer. Wenn Rob Machado plötzlich auf einem Stück Holz surft, wollen sofort alle auch so surfen, das ist schon inter­essant zu beobachten. Trends werden kommen und gehen, aber was immer bleibt, ist die Su­che nach dem, was den Surfer in seiner Performance auf das nächste Level bringt.

Zu den Jungs von hydroflex: Was war dein erster Gedanke, als sie dir von ihrer technik erzählt haben? Was hältst du davon?

Das erste Mal, das ich von ihnen gehört habe, war schon vor Jahren. Tom Curren fuhr eins ihrer Bretter und brachte es mal bei mir vorbei zum Reparieren. Tom wohnt hier um die Ecke. Damals waren sie mit ihrer Technik zwar noch nicht so weit wie heute, aber bereits da dachte ich mir: „Wow, das sieht interessant aus!“ Ich war sehr neugierig, wusste aber nicht, was ich davon halten sollte, bis ich es mal selbst gesurft habe. Die Idee, den Flex im Board selber be­stimmen zu können, finde ich genial! Ich bin wirklich gespannt, wie die Öffentlichkeit die­ses System akzeptieren wird. Es gibt dem Surf­board eine weitere, ganz neue Komponente, was der Wahnsinn ist.

Überrascht dich, dass die technik von Deutschen kommt?
Nein, gar nicht. Die Deutschen sind sehr tech­nikorientiert. Die Hydroflex­jungs haben sich viele Gedanken gemacht. Es hat alles Hand und Fuß und sie stoßen die Tür zum nächsten Level im Surfboard­-Design auf! Ich wollte da­ von auch schon profitieren und meinen Slogan in „Weiner, the German designer“ ändern. [lacht]

interview+fotos: larsjacobsen

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