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Auswandern mit Mel & Bernie

In Jedem von uns deutschen Surfern steckt auch ein kleiner Auswanderer. Die einen träumen davon, die anderen machen es einfach. So auch die zwei Münchner Mel und Bernie, die vor zwei Jahren nach Frankreich ausgewandert sind. Als freie Journalisten haben sie das Glück räumlich ungebunden zu sein und somit stand dem Schritt nach Capbreton nichts mehr im Wege. Da auch bei uns der Schritt ans Meer immer präsent ist, haben wir uns im Namen aller Auswanderer bei den Zweien mal ein wenig umgehört wie es so läuft!

Hallo Mel und Bernie. Wie kam die Idee nach Frankreich auszuwandern?

B: Mel war schuld!
M: Wir haben immer gesagt, dass wir irgendwann am Meer leben wollen. Sonst arbeitest Du einfach das ganze Jahr nur dafür Geld zu sparen, um den nächsten Surfurlaub finanzieren zu können. Das kann regelrecht in Stress ausarten! Wir haben dann irgendwann gesagt, dass es eigentlich keinen Sinn macht weiter in München zu leben und zu arbeiten. Also wieso nicht einfach versuchen am Meer zu leben und beides zu verbinden? Ich hab dann meinen Job bei der Snowboardzeitschrift Onboard gekündigt, weil ich eh wieder als freie Journalistin arbeiten wollte. Jetzt sind wir noch jung und irgendwann ist glaube ich der Zug abgefahren….

War es rückblickend die richtige Entscheidung?
M: Ja auf alle Fälle!
B: Ja, wobei wir am Anfang totale Angst vor dem Winter hatten! Uns wurde erzählt, dass die Leute hier im Winter einsam und depressiv werden und weinen, weil es nur regnet und keine Menschen hier sind. Aber nach dem ersten Winter haben wir gesehen, dass es nicht so ist. Es ist einfach nur ein bisschen kälter. Man kann surfen, es gibt noch Freunde und deshalb gibt es wirklich nichts Negatives.

Und wie haben Euch die Franzosen aufgenommen?
B: Schwierig…
M: Neeeeinn….
B: Na ja als Deutscher hat man schon mit einigen Vorurteilen zu kämpfen. Die kennen Deutsche so als Horden die im Sommer einfallen, wie die Holländer eben auch.
M: Sobald die Franzosen merken, dass man sich auch anpasst und nicht immer zum vollsten Peak paddelt, ist das  völlig entspannt. Man sollte den Locals einfach den nötigen Respekt entgegenbringen und nicht denken- nur weil man jetzt am Meer lebt- sich wie ein Local benehmen zu können. Also wir hatten wirklich noch nie Probleme diesbezüglich. Gerade auch wenn man ein wenig französisch spricht und sich bemüht, dann bekommt man wirklich keine Probleme.

Wie ist die Motivation Surfen zu gehen, ist die immer noch gleich?
B: Die Motivation ist die Gleiche, aber man wird wählerischer. Wenn die Bedingungen gut sind, ist man immer noch gleich heiss, aber wenn es Onshore hat und Sturm dann geht man nicht mehr unbedingt!
M: Es ist ja auch logisch. Wir müssen ja auch hier arbeiten und somit die Zeit einteilen. Im ersten Sommer war es fast schon stressig, weil wir noch das Urlaubsverhalten hatten. – wir “mussten” immer ins Wasser, egal wie die Wellen waren. Irgendwann waren die Akkus dann einfach leer. Aber das spielt sich dann einfach irgendwann ein. Man plant einfach ein wenig anders. Wenn die Vorhersage gut ist, dann arbeitet man schon mal vor, dass man wenn es gut ist, Surfen gehen kann.
B: Man weiss auch nach einiger Zeit wann welche Sandbank funktioniert und so bekommt man natürlich mehr bessere Wellen, als der klassiche Urlauber.

Wie können wir uns den klassischen Tag in Eurem Leben vorstellen?
M: Den klassischen Tag gibt es eigentlich nicht.
B: Na ja, im Sommer steht man früh auf, so gegen sechs oder sieben weil es meistens morgens bis 11:00 Uhr Offshore-Wind hat. Dann hält man am Nachmittag ein Schläfchen (schmunzelt)
M: (Lacht)….nein nein, man arbeitet natürlich und geht dann abends vielleicht nochmal ins Wasser. Aber wie gesagt, den klassischen Tag gibt es eigentlich nicht. Wir richten den Tag nach dem Surf, deswegen sind wir ja schliesslich auch hier ans Meer gezogen.
B: Es ändert sich auch nach den Jahreszeiten. Im Sommer musst du eben morgens schon raus und im Winter oder Herbst kann es auch den ganzen Tag gut sein. Da gibt es nicht so den Zeitdruck. Im Sommer herrscht hier auch einfach 6 Wochen Touristenwahnsinn.
M:
Ja das stimmt. Im August sehen wir die Strände um Hossegor und Capbreton kaum. Da muss man sich andere, abgelegene Plätzchen suchen, die wir jetzt aber nicht verraten;)

Habt Ihr auch manchmal Heimweh?
M: Nee, eigentlich gar nicht.
B: Wir waren jetzt über Weihnachten 2 Wochen zu Hause und das hat ausgereicht. Heimweh gibt es momentan nicht.
M: Also ich glaube es wäre anders wenn wir nicht in einem Urlaubsort wohnen würden. So bekommt man wirklich regelmässig Besuch aus der Heimat. Brezen fehlen mir manchmal….

Das klingt doch prima. Würdet Ihr sagen, dass Ihr hier glücklich geworden seid?
M:
Ja.
B:
Nach zwei Jahren auf jeden Fall

Somit bleibt Ihr erstmal hier oder zieht Ihr demnächst weiter?

B: Nein, auf keinen Fall. Der Umzug, Anmeldung usw. das war schon genug Stress, das brauche ich nicht jedes Jahr

Habt Ihr irgendwelche Auswander- Tipps hier für Frankreich?
B: Also der Behörden-Jungle in Frankreich ist nicht ganz so schlimm wie in Deutschland, nur es ist eben alles auf Französisch. Und Behördenformulare auf Französisch sind auf alle Fälle eine Herausforderung! Ansonsten ist es wirklich halb so wild.
M: Ich glaube es ist sehr wichtig, dass man nicht aus reiner Unzufriedenheit aus Deutschland abhaut, in der Hoffnung das hier alles besser ist. Wir waren nie unglücklich in München. Ich glaub das macht schon viel aus wenn Du zufrieden mit Deinem Leben bist und Deine Ziele klar gesteckt hast. Wenn Du einfach nur flüchtest oder abhauen möchtest wirst Du hier auch nicht glücklich. Das kann man sicherlich nicht pauschalisieren. Wir haben auf alle Fälle auch das Glück, dass wir zu zweit sind und frei arbeiten können. Wenn Du hier alleine her kommst und mit dem Job zu kämpfen hast, kann es schon wirklich hart werden. Die Arbeitsbedingungen sind hier nicht ganz einfach, gerade auch was Löhne usw angeht. Man sollte es sich auf alle Fälle gut überlegen und sich anpassen.

Ihr habt ja auch das Surftrip Überlebenshandbuch geschrieben. Kam Euch die Idee dazu hier in Frankreich?
B: Ja das war ein Geistesblitz der völlig ungeplant kam. Wir hatten schon andere Bücher geschrieben, aber jetzt machen wir es mit unserem eigenen Verlag.
M: Wir haben auch gerade die englische Version fertig. Die gibt es dann ab Mai!
B: Wir freuen uns wirklich. Es war ein Experimenent und es hat wirklich gut funktioniert.

Dann wünschen wir Euch viel Erfolg und alles Gute hier in Frankreich!

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