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SIMON STRANGFELD unterwegs in Sri Lanka

Ende November 2011. Zusammen über eine Skypekonferenz suche ich mit meinem Buddy Jan Rothkranz nach Flügen. Wohin war noch nicht so ganz klar, die einzige Bedingung ist, dass man in Boardshorts surfen kann. Erste Wahl viel (natürlich) auf das für den deutschen Surfer gesegnete Land, Indonesien. Ich selber war, abgesehen von den Mentawais, noch nie auf Indo, Jan dagegen schon mehrere Male auf Bali, was uns dazu brachte erstmal weiter zu suchen, es schadet schließlich nie seinen Horizont zu erweitern. Tahiti, Hawaii, Malediven, Adamanen. Die meisten von Jans Vorschlägen klangen nicht nur sehr exotisch (gut), sondern auch sehr teuer (schlecht). Während Jan mir also nun im 10 Sekundentakt Videos von schönen Frauen und bisschen surfen aus den Andamanen schickte, ging meine Suche weiter. Ich war eigentlich schon wieder auf der Suche nach Flügen nach Indo, als wir durch Zufall auf Sri Lanka gestoßen sind. Sri Lanka, auf der Surflandkarte seit langem schon nicht mehr unbekannt, hat es dennoch nie geschafft aus dem Schatten von Indo zu treten. Da ich ein Faible für Underdogs habe (immer gegen Kelly) und wir beide einen saugünstigen Flug gefunden haben, viel die Wahl ab da an nicht mehr schwer. Kurzerhand noch Clemens Krack mit eingepackt und gebucht.

Als Anfang März mein Flieger in Colombo landete waren Clemens und Jan schon seit zwei Wochen auf der Insel. Dass war für mich vor allem auch in der Hinsicht praktisch, da meine Kenntnisse über Sri Lanka sehr beschränkt waren. Ich wusste nur grob, dass es eine Season für die Südwestküste gibt, eine für die Südostküste, und dass ich ziemlich genau zwischen den Seasons kommen würde. Von Spots oder Orten hatte ich jedoch keine Ahnung, Reiseführer lese ich aus Prinzip nicht. Und so hab ich mich, obwohl ich zwar eigentlich der Meinung bin, dass es schummeln ist wenn man nicht die normalen lokalen Transportmittel wie Bus und Bahn nutz, in ein Taxi gesetzt und direkt an die Südwesküste nach Midigama, zu meinen Buddies fahren lassen.

Meine Befürchtung, nur langsame, flache Wellen zu finden, wurde gleich am ersten Tag aufgehoben. Rams, ein schnelles, hohles Riff direkt vor unserer Haustüre, Left und Right, wurde für die nächsten zwei Wochen mein Spielplatz. In Tuktuknähe befanden sich noch Kabalana, Coconuts und Plantagens, allesamt Riffe die an guten Tagen richtig feuern. Überrascht hat mich allerdings wie wenig verbreitet Surfen in Sri Lanka noch immer ist. Die Surfindustrie scheint hier nonpresent zu sein, wir haben während des gesamten Trips keinen einzigen Surfshop gesehen, geschweige denn eine Reklame. An eine neue Leash, geschweige denn ein neues Board zu kommen ist ein Ding der Unmöglichkeit. Die wenigen surfenden Locals sind somit auf Geschenke der Reisenden angewiesen, was aber ganz gut zu klappen scheint. Zudem, oder vielleicht auch deswegen (kausalität unklar), ist der Skill des durchschnittlichen Surftourists in Sri Lanka eher im unterem Bereich anzusiedeln, wodurch man an den etwas härteren Spots meistens nur mit einer handvoll Leute im Lineup sitzt.

Wo die Begeisterung der Locals für Surfen ausbleibt, ist sie jedoch bei einem anderen Sport umso ausgeprägter. Sri Lanka ist verrückt nach Cricket. Das Ausmaß wurde uns zum ersten Mal bewusst, als wir unwissend in ein Straßenfest nach dem Sieg des College Cricketteams von der Stadt Galle geraten sind. Die Party lässt sich ungefähr mit dem Vergleichen was bei der WM 2006 in Deutschland los war, mit weniger Menschen. Aus jedem Auto tönt Musik, überall sind Fahnen zu sehen und auffällig viele Männer sind als Frau verkleidet. Was es genau damit auf sich hatte haben wir nicht rausgefunden. War aber auch gleichgültig, da wir grölende Menschenmengen aus Deutschland ja gut kennen und uns gleich in die Partygemeinschaft integriert haben. Zu trinken gibt’s in Sri Lanka eigentlich immer nur Arrak, Palmenschnaps, den dafür in großen Mengen. Der schmeckt wie billiger Rum, mit bisschen Kokosnussgeschmack, also ziemlich geil. Kann aber auch gut sein, dass ich mir den Kokosnussgeschmack nur eingebildet habe.

Die Gastfreundschaft der Locals zeigt sich jedoch nicht nur unter dem Einfluss von Alkohol. Trotz großer Sprachbarrieren, auf dem Land ist auch unter der jungen Bevölkerung Englisch kaum verbreitet, war es nie ein Problem Anschluss zu finden. In Madiha, einen Dorf das touristisch noch weitgehend unentschlossen ist, habe ich meine letzen zwei Wochen verbracht, Jan und Clemens waren schon wieder in Deutschland. Selten habe ich so viele freundliche Gesichter und aufrichtiges Interesse an Unterhaltungen erlebt wie dort. Obwohl sonst keine andere westliche Person Ort war, hatte ich nie das Gefühl einsam zu sein. Bei jedem Spaziergang durchs Dorf wurde ich in ein Haus zu einem Tee eingeladen und sollte von Deutschland erzählen, was nicht so leicht war, da wie schon erwähnt kaum jemand Englisch konnte. Ganz wichtig, wenn man bei einer neuen Familie zum Tee trinken ist, ist es auch, Freundschaft zu schließen.  Das geht so, dass man seinen Namen und Adresse auf einen Zettel schreibt und ihnen gibt. Dann ist man befreundet. Scheinen sie von Facebook abgeschaut zu haben.

Nach sechs Wochen war der Trip dann auch vorbei. Mit vielen neuen Freundeszetteln und ein paar Liter Arrak bin ich in das Flugzeug ins kalte Deutschland gestiegen. Wer eine Alternative zu den Crowds aus Bali sucht, dem sei Sri Lanka wärmstens ans Herz zu legen!

Mehr Photos gibt es in der Gallerie anbei und auf Simons Blog  www.fusisdead.de

photos: Clemens Krack, Caro Mix, Simon Strangfeld

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