5 Fragen an Carlo Drechsel
1. Was läuft deiner Meinung nach aktuell schief beim Bildungsurlaub?
Viele Angebote schaffen es nicht, ihren beruflichen Mehrwert klar zu vermitteln, erklärt Drechsel. Bildungsurlaub werde häufig noch mit klassischen Sprachkursen oder wenig arbeitsrelevanten Inhalten assoziiert. Für viele Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer sei deshalb unklar, welchen konkreten Nutzen sie daraus für ihren Job ziehen können.
Wenn Arbeitgeber nicht erkennen, welchen Mehrwert Mitarbeitende nach ihrer Rückkehr mitbringen, entsteht Skepsis. Und wenn Mitarbeitende befürchten, Bildungsurlaub könnte als verlängerter Urlaub missverstanden werden, verzichten sie lieber ganz darauf.
Sein Ansatz setzt genau hier an. Bildungsurlaub muss klar auf berufliche Zukunftskompetenzen ausgerichtet sein, mit konkretem Transfer in den Arbeitsalltag.
2. Warum spielt der Ort bei euren Bildungsurlauben eine so große Rolle?
Weil Lernen außerhalb des gewohnten Umfelds nachweislich effektiver funktioniert, sagt Drechsel. Ein Ortswechsel, etwa nach Südafrika, schafft Abstand vom Alltag und eröffnet neue Perspektiven. Bewegung, Natur und neue soziale Kontexte wirken sich positiv auf Konzentration, Motivation und nachhaltigen Wissenstransfer aus.
Gerade Einzelsportarten wie Surfen fördern Fokus, Resilienz und mentale Klarheit. Wir vermischen Bildung und Urlaub nicht beliebig. Aber wir nutzen die Kraft inspirierender Umgebungen ganz bewusst, um Lernprozesse zu verstärken.
In Jeffreys Bay bedeutet das: Vormittags KI, Leadership oder Projektmanagement, nachmittags Wellen, Bewegung und Raum für Reflexion.
3. Was ist deine Vision für Bildungsurlaub in fünf bis zehn Jahren?
Carlo Drechsel wünscht sich, dass Bildungsurlaub als das gesehen wird, was er sein kann. Eines der effektivsten Instrumente für lebenslanges Lernen.
Kein Pflichttermin, kein Karriererisiko, sondern eine selbstverständliche Investition in Menschen und Zukunftsfähigkeit. Bildungsurlaub soll strategisch genutzt werden, von Arbeitnehmern, die sich gezielt weiterentwickeln möchten, und von Arbeitgebern, die auf reflektierte, resiliente und zukunftsfähige Mitarbeitende setzen.
Seine Vision ist eine neue Normalität für Weiterbildung.
4. Was macht Dein Bildungsurlaub anders?
Der Fokus liegt konsequent auf Future Skills. Statt beliebiger Themen setzt Dein Bildungsurlaub auf Inhalte wie praxisnaher Umgang mit Künstlicher Intelligenz, analytisches Denken und Problemlösung, Leadership und Selbstführung sowie Resilienz und moderne Teamarbeit.
Bewegung, Ortswechsel und Community sind keine Spielerei, betont Drechsel. Sie sind wissenschaftlich fundierte Verstärker für nachhaltiges Lernen.
Das bedeutet klare Lernziele, strukturierte Seminare und zertifizierte Programme, kombiniert mit einer Umgebung, die Motivation und Fokus steigert.
5. Viele Arbeitgeber sehen Bildungsurlaub kritisch. Was entgegnest du ihnen?
Ich halte das für eine vertane Chance, sagt Drechsel. Richtig umgesetzt ist Bildungsurlaub kein Kostenfaktor, sondern ein strategisches Werkzeug.
Mitarbeitende kehren mit neuen Kompetenzen, frischen Perspektiven und höherer Motivation zurück. Gerade Themen wie KI Kompetenz oder Leadership zahlen direkt auf Unternehmensziele ein.
Wer heute in Weiterbildung investiert, investiert in Zukunftsfähigkeit. Und Bildungsurlaub ist eines der am stärksten unterschätzten Instrumente dafür.