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Fishbone
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Surfboards

Dein eigenes Wooden Surfboard shapen

Schritt für Schritt zum Holz Surfboard mit einer Kurz-Anleitung nach Shaper Olli.

Fotos: Olli Bogosavljevic

Wir hatten kürzlich bei einem Event von der Whiskey-Destillerie Bushmills die Möglichkeit, mit Olli von Gliding Wood über das Shapen von Wooden Surfboards zu sprechen. Auch wenn seine Holz Surfboards (leider) nicht aus alten Whiskey-Fässern gebaut werden, war es sehr spannend zu erfahren, wie er mit feinster Handarbeit ein Surfboard aus Paulownia-Holz entstehen lässt. 

Ein exklusives „Behind the Scenes“ zum Bushmills Event findet ihr hier.

Wie Olli zum Shapen kam:

Der 52- Jährige ist in Hamburg aufgewachsen, fing in den 80ern mit dem Skaten an und ist über diese Szene zum Surfen gekommen. In Kontakt mit dem Shapen kam er bei dem Versuch, ein Ding in seinem Board zu fixen, und dann ließ ihn das Handwerk nicht mehr los. Nach einem Praktikum bei Tobias Perlak von Handmade und einem miserablen ersten selbstgeshapten Foam-Board (das nach einem Sandbank-Kontakt sofort gestaucht war), zog es ihn zu den Holzboards. 

“Holz ist ein extrem schöner, nachhaltiger Werkstoff, aus dem langlebigere Boards hergestellt werden können, die nicht so schnell Compression Dings bekommen, wie traditionelle Bretter.” ~ Olli

Bei einem Holz-Surfboard-Shape-Kurs bei Paul von Arbosurfboards lernte er einen Tischler kennen, mit dem er sich bis heute die Werkstatt in Ottensen/Bahrenfeld teilt, in der wir ihn zum Bushmills-Event treffen. Jetzt shaped Olli seit ca. 10 Jahren selber Holz Surfboards und erklärt uns Schritt für Schritt, wie das geht.

Benone Beach, Foto: Thom Holmes
Benone Beach, Foto: Thom Holmes


Bushmills Whiskey SurfenBushmills ist die älteste lizenzierte Whiskey Destillerie der Welt aus dem Norden Irlands.

Über Bushmills

Kurz-Anleitung zum Holz Surfbrett shapen nach Olli: 

Technik für das Hollow Wooden Board:

Bei einem klassischen Surfboard wird der Shape aus dem sogenannten „Blank“ geshapet. Bei einem Holzbrett höhlt man entweder das Board nachträglich aus, oder man konstruiert einen Hohlkörper. Olli nutzt letzteres, wobei man ein Fishbone Skelett braucht, das den Shape vorgibt (also Breite, Länge, Volumen und Rocker). 

Shaper Olli und Bushmills
Foto: Eric Anders

Materialien: 

Holz & Holzleim Für Deck und Buttom: zB. Paulownia von iPaulownia, das ist ein asiatischer Baum und wie Balsaholz sehr leicht, dafür preiswert und gut zu verarbeiten. Außerdem für das innere Holz-Skelett: Pappelsperrholz oder Paulownia.
Kleber Angedicktes Epoxy (gibt auch verschiedenes Bio based Epoxy, was auf organischem Material basiert) oder PU Kleber
Glassing/Laminieren Epoxidharz, Fiberglas-Gewebe 
Fin & Leash Plugs Epoxidharz
Sonst so: Schleifpapier (einiges) 

 

Werkzeug: 

Sägen Stichsäge und Japanische Ryoba 
Presse Olli hat die sich übrigens selbst aus einem alten Lattenrost vom Sperrmüll gebaut
Hobel & Beitel kleinen und größeren Hobel 
Zum Schleifen Schleifklotz, Schleifpapier 
Zum Fräsen Fräser, Frästisch (am besten zu einer Werkstatt gehen)
Gute Online-Shops für Werkzeug & Materialien Viral-Surf, Shaper fr, Feinewerkzeuge, Dictum

 

Achtung: “Ihr solltet euch im Umgang mit Werkzeugen schon etwas auskennen, oder eine Werkstatt fragen, ob die euch dabei helfen, denn ich habe schon eine Fingerkuppenspitze weniger”, sagt Olli und hält seine Hand nach vorne.

Was ihr sonst noch braucht: 

  • Einen Ort, wo ihr Lärm und Staub produzieren könnt (z.B. einen Keller)
  • Frustrationstoleranz und viel Bock! 
Hollow Wooden Board

How to Shape a Wooden Surfboard

1. Schritt: Design überlegen 

Zuerst solltet ihr euch das Design für das Brett überlegen, wie soll das Board aussehen? Wie groß? Wie breit? Shape, Volumen etc. Olli benutzt dafür immer eine CAD-Software, die eigentlich für eine Shape Maschine gedacht ist, Shape 3D. Diese Software generiert ein PDF, das Olli dann zum Plotten an einen Druckdienst für Architekt:innen schickt, die können dort Übergrößen drucken. Die gedruckten Vorlagen klebt er dann auf eine Hartfaserplatte (für das Surfboard Template) und auf Pappelsperrholz (für das Fishbone Skelett) und schneidet es dann mit der Stichsäge aus. 


Design

2. Schritt: Holz besorgen 

Besorgt euch das Paulownia Holz am besten von iPaulownia. Hier könnt ihr euch zwischen sägerau oder fertig gehobelten, dünnen Paulownia Skins entscheiden (die haben ein tolles Angebot und kommen aus Spanien). Wichtig beim Holz aussuchen: Gewicht und Biegsamkeit. Außerdem braucht ihr noch das Pappelsperrholz vom Tischler oder Online.

3. Spanten ausschneiden

Zuerst müsst ihr die Spanten für das Gerippe/Skelett des Holzboards ausschneiden. Dafür eignet sich das leichte Pappelsperrholz sehr gut.


Spanten ausschneiden

4. Spanten zusammensetzen

Dann müssen die vorgezeichneten Steckplätze für Querspanten und den Längsspanten ausgesägt werden. Es werden noch ein paar Löcher mit dem Forstnerbohrer in die Spanten gebohrt, für die Ventilation innerhalb des Hohlkörpers.

Forstnerbohrer

5. Shape aussägen

Dann muss der Shape (also Ober- und Unterdeck des Boards) aus den Holzbalken ausgesägt werden. Vorher könnt ihr ihn mit dem Template aus der Cut-Software auf die Paulownia-Holzplanken zeichnen  

6. Stringer einsetzen (optional)

Dann kann noch ein Stringer in Deck und Buttom gesetzt werden. Dafür sägt ihr beides einmal in der Mitte auf, und leimt den Rocker hinein, mit normalem Holzleim. Tatsächlich ist der Stringer in so einer Konstruktion nur ein optisches Element und kann eigentlich ausgelassen werden. Allerdings hilft er nachher bei der Symmetrie, da ihr die Mitte des Boards dann besser findet, wenn alles verleimt ist. 


Stringer

7. Spanten-Skelett auf’s Unterdeck kleben

Danach werden die Spanten auf das Unterdeck geklebt. Zum Aufkleben wird ein Rocker Tabel gebraucht, das Spantengerippe wird dann auf parallele Kantenhölzer gelegt und die Kantenhölzer gemäß der Rockerform mit langen Gewindeschrauben und Muttern auf die entsprechende Höhe gebracht, so lange, bis alle Spanten auf den Latten millimetergenau aufliegen. Dann wird die ausgesägte Holzplanke (das spätere Unterdeck des Boards) auf die Kantenhölzer aufgelegt und die Spanten mit Epoxy-Kleber auf die Planke geklebt. Das Einspannen erfolgt mit dünnen, biegsamen Holzlatten. Das Ganze sollte mindestens eine Nacht trocknen. 

Spanten drauflegen

Tipp: Versiegelt das rohe Holz innen vor dem Verleimen noch mit normalem Klarlack, dann zieht es weniger Wasser, falls welches eindringen sollte. Außerdem solltet ihr unbedingt darauf achten, dass keine Stellen lackiert werden, die zusammengeklebt werden sollen. 

 

8. Schritt: vorbereiten der Rails mit der Bead and Cove Technik (-oder Feather Technik)

Für die Rails werden dünne Kantenhölzer links und rechts entlang der Boardlänge übereinander geklebt, (also an den Spanten bis hoch aufs Deck legen), das nennt man Feather- oder Bead and Cove Technik. Mittels Nut und Feder schmiegen diese sich über die Querspanten.

 

9. Schritt: Offcuts für Nose und Tail benutzen 

Dann aus den Offcuts (Rest-Abschnitte aus dem Button und dem Deck) die Nose und das Tail ausfüllen.

10. Schritt: Finnen-Stelle verstärken 

Der Part der Finnen muss extra mit Holz verstärkt werden, da dort die stärkste Kraft wirkt. Olli macht das mit Balsa Holz. 

11. Schritt: Unter- und Oberseite verbinden

Dann muss die Unter- und Oberseite miteinander verklebt werden, mit Epoxy-Kleber, und mit Hilfe des Rockertables, der gleichzeitig die Presse ist (den hat sich Olli aus Theaterlatten und einem alten Lattenrost aus dem Sperrmüll gebaut, kreativ oder?). 

12. Schritt: Screening der Rails und Shapen des Decks und Buttoms

→ der Prozess, den viele das eigentliche “Shapen” nennen

Dann geht’s ans eigentliche Shapen (das ist sogar mit der kürzeste Prozess). Das „Screening“ ist eine Technik, bei der die eigentliche Rundung der Rails mit Schleifpapier geformt wird. Dabei werden die Rails entsprechend ihres Radienprofils per Hand runtergehobelt. Erst grob mit dem Hobel, dann immer feiner mit Schleifpapier. Danach werden auch noch Deck und Buttom im Nose- und Tailbereich mit dem Hobel und Schleifpapier etwas ausgedünnt. 


Shaping a Wooden Surfboard

 

13. Laminieren/Glassing und Plugs 

Tipp: Vor dem Glassing solltet ihr das Holz mit einer dünnen Schicht Epoxy imprägnieren, da es eine hohe Saugfähigkeit hat. Das Glassing macht Olli wie im konventionellen Bereich: Er laminiert mit Fiber-Glasfasergewebe und dem Epoxydharz mit Härter. Nachdem das Laminat getrocknet ist, kommen noch weitere Schichten Epoxy mit Härter drauf. Zuerst der Filler-Coat, um die Gewebestrucktur des Glasgewebes zu füllen, und zum Schluss der Hot Coat. Wenn alles getrocknet ist, wird mit immer feinerem Schleifpapier nochmals geschliffen. Das nennt sich dann Sanded Finish. 

Ökologischere Alternativen: Mit Lein-Öl imprägnieren, oder zB. Flax anstelle von Fiberglass nutzen. Das kann aber auch verschiedene Nachteile haben, da müsse man eben Kompromisse eingehen, meint Olli. 

Nach dem Glassen noch mit einem Forstnerbohrer (für die alten FCS-Plugs) Löcher in die eingesetzten Blöcke bohren und mit angedicktem Epoxydharz die Plugs für Leash und Fins einkleben. Für Finboxen 8′ oder 10′ FCS Fusion oder auch Future Finboxes benötigt man eine Oberfräse mit entsprechenden Fräs-Schablonen und Fräsern. Fertig! 

 

Board Konstruktion

Wichtig: Was man beim Prozess so lernt: 

Entlüftung ins Holz bauen: 

“Das ist sogar ganz wichtig, denn egal wie sauber du gearbeitet hast, wenn ein Holz Surfboard ohne Entlüftung auch nur kurz in der Sonne liegt, das platzt, ganz schlicht und ergreifend.” 

Lösung: Für den ersten Versuch nutzte Olli einen Leash Plug mit einer Goretex-Membran, das war allerdings wenig erfolgreich. Daraufhin hat er es mit einem mechanischen Ventil (aus Rampa Muffe, passender Bronze-Schraube und Gummi O-Ring) probiert, das man auf- und zudrehen kann. Das klappt, vorausgesetzt man dreht das Ventil VOR dem Surf zu. Ja, da lacht ihr, aber das ist Olli tatsächlich passiert. Zuerst hatte er das Ventil hinten am Tail angebracht und vergessen zuzudrehen, sodass das ganze Board voll Wasser lief. Jetzt wird das Ventil  immer gut sichtbar im Nosebereich verbaut, das ist sicherer. 

Also: Holz Surfboard Shapen ist ein Learning by Doing. Wenn man im Prozess auf eine Widrigkeit stößt (und das wird unweigerlich passieren), dann muss man die irgendwie kreativ lösen. Aber man wird mit der Zeit geschickter und entwickelt ein Gefühl!” 

Wooden Holzboard
Foto: Dirk Eisermann

So, habt ihr euch alles gemerkt? Wenn nicht, ist auch nicht so dramatisch, denn Olli bietet auch Shape-Kurse an. Eine letzte Frage haben wir aber noch für Olli: 

“Ist es möglich, ein Holzboard aus alten Whisky-Fässern zu konstruieren?” 

Der staunt nicht schlecht und lacht: “Also in der Theorie ja, aber in der Praxis ist es schwierig. Die Fässer sind meist aus Eiche, und das ist einfach viel zu schwer!” 

PS: Wir verlosen ein frisch von Olli geshapted Wooden Surfboard über Bushmills. Alle Infos hier!

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