Share

Maud Le Car Twin Fin Invitational 2025

People

Profisurferin Maud Le Car im Interview: „Surfen kann Menschen retten“

"Irgendwann geht es nicht mehr darum, allen zu beweisen, wie gut man ist. Ich wollte mehr teilen als beweisen.” - Maud Le Car

Header-Foto: @the_twinfin_invitational

Von der kleinen Karibik-Insel St. Martin bis auf die größte Bühne des internationalen Surfens: Die französische Profisurferin Maud Le Car hat europäische Titel gewonnen, auf Championship-Tour-Niveau gesurft und sich einen Namen als eine der vielseitigsten Surferinnen Frankreichs gemacht.
Wir haben die Monster-Teamriderin beim zweiten William Aliotti Twin Fin Invitational getroffen (den sie auch gleich gewonnen hat). Im Gespräch erzählt sie von ihrer Liebe zu großen Wellen, warum Surfen Menschen verändern kann und was sie heute glücklicher macht als Titel, Rankings und Podiumsplätze.

Maud Le Car

Hey Maud. Lass uns vorne anfangen. Du kommst ursprünglich von der Karibikinsel St. Martin. Wie bist du zum Surfen gekommen?

Ich habe mit zwölf Jahren angefangen zu surfen. Meine Mutter, mein Bruder und ich haben gemeinsam unseren ersten Surfkurs gemacht. Schon nach meiner ersten Welle war ich komplett begeistert.

Meine Mutter erzählt heute noch, dass ich nach dieser ersten Session zu ihr gesagt habe: „Ich werde Profi-Surferin.“

Natürlich hat sie damals gelacht, aber für mich war das sofort klar. Ich wollte jeden Tag im Wasser sein. Diese Leidenschaft war von Anfang an unglaublich stark und ich glaube, genau deshalb ging meine Entwicklung auch so schnell.

Maud Le Car

Wann hast du angefangen, an Wettbewerben teilzunehmen?

Sehr früh. Auf St. Martin gab es kleine lokale Wettbewerbe, später auch auf den Nachbarinseln wie Guadeloupe. Meinen ersten Contest habe ich wahrscheinlich weniger als sechs Monate nach meinen ersten Surfversuchen gesurft. Damals war Wettkampfsurfen für mich der logische Weg, um meinen Traum vom Profisport zu verwirklichen. Um auf diesem Weg voranzukommen, waren gute Ergebnisse und Titel unverzichtbar, das gehörte damals dazu.

Irgendwann hast du die Karibik verlassen und bist nach Frankreich gezogen. Warum?

Auf St. Martin waren die Möglichkeiten begrenzt. Die Insel ist wunderschön, aber wenn man professionell surfen möchte, braucht man andere Strukturen. Mit 15 Jahren bin ich deshalb nach Biarritz gekommen. Dort konnte ich Schule und Surfen miteinander verbinden. Mein Ziel war es, in die französische Nationalmannschaft zu kommen und auf höchstem Niveau zu trainieren. Im Laufe der Jahre habe ich dann französische Meistertitel und Europameistertitel gewonnen. Dadurch wurde aus einem Traum langsam Realität.

Du hast schließlich die Challenger Series erreicht und sogar auf Championship-Tour-Niveau gesurft. Wie war dieses Gefühl?

Unglaublich. Es war das Ziel meines ganzen Lebens. Plötzlich mit den besten Surferinnen der Welt unterwegs zu sein, gegen sie anzutreten und zu merken, dass man dazugehört, war etwas ganz Besonderes. Es war der Moment, in dem sich all die Arbeit und die Opfer gelohnt haben.

Maud Le Car

Was hast du aus deiner WSL Zeit mitgenommen?

Sehr viel mehr als nur besseres Surfen.

Auf diesem Niveau reicht Talent allein nicht aus.

Du musst körperlich fit sein, mental stark sein und ständig an dir arbeiten. Du versuchst, die beste Version deiner selbst zu werden. Das hat mich als Mensch enorm wachsen lassen. Dafür bin ich sehr dankbar.

Magst du Wettkämpfe heute noch genauso wie früher?

Das ist eine schwierige Frage. Als ich jünger war, habe ich Wettkämpfe geliebt. Ich bin definitiv ein Wettkampfmensch und habe dieses innere Feuer. Aber in den letzten Jahren ist dieses Feuer ein wenig verschwunden. Vielleicht bin ich einfach älter geworden.

Irgendwann geht es nicht mehr darum, allen zu beweisen, wie gut man ist. Ich wollte mehr teilen als beweisen.

In den letzten Jahren habe ich gemerkt, dass mich Freesurfen und große Wellen glücklicher machen als klassische Contests. Die Leidenschaft fürs Surfen ist geblieben – aber sie hat eine andere Form angenommen.


Maud Le Car

Große Wellen spielen mittlerweile eine wichtige Rolle in deinem Leben. Wie kam es dazu?

Die Faszination war eigentlich schon immer da. Als ich nach Südwestfrankreich gezogen bin, hatte ich immer mehr Möglichkeiten, größere Wellen zu surfen und Erfahrungen mit Jetski-Sessions zu sammeln. Doch solange ich aktiv Wettkämpfe gesurft bin, kam es für mich nicht infrage, mich voll auf größere Wellen einzulassen.

Als ich versucht habe, mich für die Olympischen Spiele in Tokio zu qualifizieren, habe ich mir bei einer Big-Wave-Session den Knöchel gebrochen. Da ist mir klar geworden, dass ich nicht beides gleichzeitig auf höchstem Niveau machen kann. Heute konzentriere ich mich deutlich stärker auf Big-Wave-Surfen. Ich kenne die Risiken und akzeptiere sie als Teil dieses Weges.

Ist das Surfen einer großen Welle erfüllender als eine kleinere Welle?

Ich würde nicht sagen, dass mich eine große Welle glücklicher macht als eine kleine Welle, die ich gut gesurft habe. Am Ende ist es das Surfen selbst, das mich erfüllt. Natürlich sorgt eine große Welle für mehr Adrenalin. Das Herz schlägt schneller und die Emotionen sind intensiver. Aber das grundlegende Gefühl bleibt dasselbe: die Freude, auf einer Welle zu sein. Genau deshalb liebe ich das Surfen so sehr.  Jeder Tag im Wasser ist anders, jede Bedingung stellt neue Herausforderungen.

Ich finde, man muss lernen, sich auf die Bedingungen einzulassen, die das Meer einem schenkt, zu versuchen, alle Conditions zu genießen und in jeder Welle etwas zu finden, das Spaß macht.

Maud Le Car

Gab es jemals einen Moment, in dem du darüber nachgedacht hast, mit dem Surfen aufzuhören?

Nein. Niemals. Mit Wettkämpfen aufzuhören? Vielleicht. Mit dem Profisport aufzuhören? Irgendwann bestimmt. Aber mit dem Surfen aufzuhören? Keine Chance.

Surfen ist Teil meines Gleichgewichts. Jeder, der mich kennt, weiß, dass ich verrückt werde, wenn ich nicht surfen kann.

Es ist mein Rückzugsort, mein Zuhause und der Ort, an dem ich mich selbst am meisten spüre. Selbst wenn ich alt bin und niemand mehr zuschaut, werde ich noch surfen.

Maud Le Car

Wie sieht ein typischer Tag bei dir aus?

Ganz einfach: Surfen. Ich gehe mit meinem Hund spazieren, schaue mir die Bedingungen an, trinke einen Kaffee und gehe ins Wasser. Oft surfe ich mehrere Sessions am Tag. Daneben kümmere ich mich um meine Stiftung „Save La Mermaid“ und arbeite an meiner Kunst. Ich stelle Bilder aus und nehme Auftragsarbeiten an. Aber Surfen bleibt immer die Priorität.

Erzähl uns etwas über „Save La Mermaid“.

Die Stiftung beschäftigt sich mit Meeresschutz und Umweltbildung. Anfangs haben wir vor allem Beach Clean-ups organisiert. Mittlerweile arbeiten wir viel mit Kindern, veranstalten Workshops und nutzen Kunst, um auf Umweltprobleme aufmerksam zu machen. Wir arbeiten viel mit Upcycling und Mikroplastik, um Menschen für die Probleme unserer Meere zu sensibilisieren. Es geht darum, Bewusstsein zu schaffen und einen positiven Einfluss auf die Ozeane zu haben.

Was inspiriert dich im Leben?

Meine Familie. Und natürlich das Meer. Außerdem inspiriert mich der Gedanke, meine Heimatinsel stolz zu machen.

Wenn ich jungen Menschen auf St. Martin zeigen kann, dass große Träume möglich sind, dann bedeutet mir das sehr viel.

Maud Le Car

Surfen wird immer populärer. Gleichzeitig entstehen überall Wavepools. Wie siehst du diese Entwicklung?

Ich finde sie grundsätzlich positiv. Natürlich vermisst man manchmal die Zeiten, in denen weniger Menschen im Wasser waren. Die Spots werden voller und das verändert die Surfkultur. Aber gleichzeitig bedeutet es, dass immer mehr Menschen diese Leidenschaft entdecken können. Wavepools geben Menschen, die weit vom Meer entfernt leben, die Möglichkeit, Surfen kennenzulernen. Das finde ich großartig.

Ich glaube wirklich, dass Surfen Menschen retten kann. Es kann ihr Leben verändern. Wenn mehr Menschen Zugang dazu bekommen, ist das etwas Positives.

Maud Le Car

Was ist dein Geheimnis, nach all den Jahren immer noch so viel Begeisterung fürs Surfen zu haben?

Weil ich nie vergessen habe, warum ich angefangen habe. Für mich war Surfen nie zuerst ein Beruf. Es war immer zuerst eine Leidenschaft.

Wenn ich surfe, ist das der einzige Moment, in dem ich mich vollkommen an meinem Platz fühle.

Wenn ich im Wasser bin, fühle ich mich frei. Ich bin im Moment und denke an nichts anderes. Solange dieses Gefühl bleibt, wird auch die Begeisterung bleiben.


Maud Le Car

Du warst bei beiden Twin Fin Invitationals von William Aliotti dabei. Was bedeutet dir dieses Event?

William Aliotti und ich kommen von derselben Insel und ich bin unglaublich stolz auf das, was er aufgebaut hat. Lustigerweise hat dieses Event meine Liebe zu Twin-Fins erst richtig entfacht. Beim ersten Event hatte ich nicht einmal ein eigenes Twin-Fin dabei. Heute surfe ich fast ausschließlich damit.

Twin Fins machen alles schneller, leichter und ein bisschen unkontrollierter. Genau das mag ich. Schneller unterwegs sein, mit etwas weniger Kontrolle. Ich weiß nicht, ob das gesund ist – aber es macht Spaß.

Geschäftsbedingungen

Gib bitte deine Email Adresse an, damit wir dich mit News, Updates und den neuesten Angeboten versorgen können. Falls du nicht mehr interessiert bist, kannst du dich jederzeit abmelden. Wir geben deine Daten nicht an Dritte weiter und werden dir nur Nachrichten schicken, die dich auch interessieren. Versprochen!

Read our full Privacy Policy as well as Terms & Conditions.

production