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Surfanfänger

Surf Basics

10 Dinge, die wir als Surfanfänger gerne früher gewusst hätten

Fotos: Unsplash

Das falsche Surfboard kaufen, zwei Stunden am falschen Peak sitzen und sich bei fünf Grad Außentemperatur mit einem Handtuch um die Hüfte aus dem Neoprenanzug kämpfen. Wer mit dem Surfen anfängt, muss erstaunlich viele Dinge erst einmal selbst herausfinden. Dabei könnte man sich einiges davon sparen.

Surfen hat ein kleines Problem: Von außen sieht alles ziemlich einfach aus. Man paddelt raus, wartet auf eine Welle, steht auf und fährt Richtung Strand. Vielleicht noch einen lässigen Turn und fertig.

Wer seine ersten Sessions hinter sich hat, weiß, dass die Realität anders aussieht. Man paddelt zu spät los, liegt falsch auf dem Board, bekommt die Welle nicht, steht im falschen Moment auf und wird anschließend zehn Minuten durchgewaschen.

Und selbst wenn die ersten grünen Wellen funktionieren, beginnt das Lernen eigentlich erst.

Wir haben deshalb gesammelt, welche Dinge wir als Surfanfänger gerne früher gewusst hätten.

Das richtige Surfboard

1. Das richtige Surfboard ist wichtiger als das coolste Surfboard

Es gehört wahrscheinlich zu den häufigsten Fehlern überhaupt. Nach dem ersten Surfkurs soll möglichst schnell ein eigenes Board her und natürlich sehen die kleinen Performance Shortboards unter dem Arm ziemlich gut aus.

Das Problem: Ein Board, das unter den Füßen eines sehr guten Surfers fantastisch funktioniert, kann für einen Anfänger die Progression massiv erschweren.

Am Anfang braucht ihr vor allem Wellen. Je mehr Wellen ihr bekommt, desto häufiger könnt ihr Take off, Positionierung, Bottom Turn und Linienwahl üben. Ein Board mit ausreichend Volumen, Breite und einer gutmütigen Outline hilft dabei enorm.

Ein zu kleines oder zu anspruchsvolles Board führt dagegen schnell dazu, dass man einen Großteil der Session mit Paddeln verbringt und trotzdem kaum Wellen bekommt.

Dabei sollte man sich auch nicht von einzelnen Zahlen täuschen lassen.

„Das Board ist 7’0, das ist super für Anfänger.“

Nicht unbedingt.

Eine Gun kann ebenfalls sieben Fuß oder deutlich länger sein und wurde trotzdem für große, schnelle und kraftvolle Wellen entwickelt. Länge und Volumen allein sagen wenig darüber aus, wie einfach sich ein Surfboard tatsächlich surfen lässt.

Schaut deshalb immer auf den gesamten Shape und den vorgesehenen Einsatzbereich.

Paddeln vor Take Off

2. Paddeln ist wahrscheinlich wichtiger als dein Pop up

In fast jedem Surfkurs wird der Pop up am Strand geübt. Und das ist auch sinnvoll.

Nur stellt man im Wasser ziemlich schnell fest, dass das Aufstehen häufig gar nicht das größte Problem ist.

Man muss erst einmal die Welle bekommen.

Eine gute Paddeltechnik entscheidet darüber, ob ihr früh genug Geschwindigkeit entwickelt und ob euch die Welle tatsächlich mitnimmt. Dazu kommt die richtige Position auf dem Board. Liegt ihr zu weit hinten, schiebt ihr Wasser vor euch her. Zu weit vorne und die Nose taucht ab.

Das klingt nach Kleinigkeiten, macht aber einen riesigen Unterschied.

Wer besser paddelt, bekommt mehr Wellen. Wer mehr Wellen bekommt, hat mehr Möglichkeiten zu üben. Und wer häufiger übt, wird schneller besser.

Investiert deshalb mindestens genauso viel Zeit in eure Paddeltechnik wie in den perfekten Pop up.

Surfanfänger

3. Du musst nicht dort sitzen, wo alle anderen sitzen

Es ist ein interessantes Phänomen: Man kommt an den Strand, sieht 30 Surfer an einem Peak und geht automatisch davon aus, dass man genau dort ebenfalls ins Wasser muss.

Natürlich sitzen die Leute dort meistens nicht ohne Grund. Vermutlich brechen dort die besten Wellen.

Aber die besten Wellen sind nicht automatisch die besten Wellen für euch.

Gerade als Anfänger kann es sinnvoller sein, etwas weiter entfernt einen weniger perfekten Peak zu suchen. Vielleicht sind die Wellen dort kleiner oder weniger sauber. Dafür müsst ihr euch nicht gegen zehn erfahrene Surfer durchsetzen.

Fünf mittelmäßige Wellen können für eure Progression deutlich wertvoller sein als eine perfekte Welle, die ihr zwei Stunden lang nicht bekommt.

Und nebenbei ist das Ganze auch wesentlich entspannter.

Surf Etikette

4. Die besten Bedingungen sind nicht immer die besten Bedingungen für dich

Offshore. Head High. Lange Periode. Perfekte Peaks. Der Forecast sieht fantastisch aus.

Das heißt aber noch lange nicht, dass ihr als Anfänger dort die beste Session eures Lebens haben werdet.

Kräftige, schnelle Wellen können technisch anspruchsvoll sein. Dazu kommen an guten Tagen häufig volle Line ups und erfahrene Surfer, die genau wissen, wo sie sitzen müssen.

Für die eigene Progression können kleine, langsam brechende Wellen mit wenig Crowd wesentlich besser sein.

Das ist eine wichtige Erkenntnis:

Die beste Welle des Tages ist die Welle, die zu eurem aktuellen Surflevel passt.

Es gibt keinen Preis dafür, bei den größten Bedingungen draußen gewesen zu sein.

Surf Forecast

5. Surf Forecasts versteht man nicht über Nacht

Am Anfang sieht ein Forecast ungefähr so aus:

1,4 Meter bei 12 Sekunden aus 285 Grad.

Okay. Und jetzt?

Wer gerade mit Surfen beginnt, schaut meistens zuerst auf die angegebene Wellenhöhe. Dabei ist sie nur ein Teil der Gleichung.

Swellrichtung, Periode, Windrichtung, Windstärke, Tide und die Ausrichtung des Spots spielen zusammen. Derselbe Swell kann an zwei nur wenige Kilometer voneinander entfernten Spots völlig unterschiedliche Bedingungen erzeugen.

Das lernt man mit der Zeit.

Ein guter Trick ist, den Forecast vor der Session zu checken und anschließend mit der Realität zu vergleichen.

Wie sahen 1,2 Meter bei zehn Sekunden tatsächlich aus? Was hat die Tide verändert? Was passierte, als am Nachmittag der Wind drehte?

Irgendwann entsteht daraus Erfahrung. Und plötzlich schaut ihr morgens auf die Zahlen und habt ziemlich genau im Kopf, was euch am Spot erwartet.

Swell

6. Du brauchst weniger Surf Equipment als du denkst. Aber manche Dinge sind Gold wert.

Surfen ist eigentlich erstaunlich simpel.

Board, Finnen, Leash, Wetsuit und Wax. Viel mehr braucht es zunächst nicht.

Trotzdem beginnt irgendwann die Materialspirale. Neue Finnen, anderer Shape, dünnere Leash, anderes Traction Pad und natürlich noch ein Board für Bedingungen, die ungefähr zweimal pro Jahr auftreten.

Viel davon macht Spaß. Wirklich notwendig ist es nicht.

Es gibt allerdings Equipment, das zunächst nach Luxus aussieht und sich im Alltag als erstaunlich praktisch erweist.

Dryrobe

Ein Changing Robe gehört für uns dazu.

Wer ausschließlich bei 28 Grad und Palmen surft, kann diesen Absatz überspringen.

Wer dagegen an Nordsee, Ostsee oder im europäischen Winter ins Wasser geht, kennt das Spiel: Session vorbei, Wind an, Finger kalt und jetzt irgendwie aus dem nassen Neoprenanzug kommen, während das Handtuch permanent Richtung Boden rutscht.

Ein guter Changing Robe bietet Windschutz, Wärme und genügend Platz, um sich darunter umzuziehen. Besonders nach langen Sessions oder bei kaltem Wetter ist das ein kleiner Luxus, den man erstaunlich schnell nicht mehr missen möchte.

Braucht man ihn, um surfen zu können?

Nein.

Will man nach der ersten eiskalten Winter Session wieder ohne einen auskommen?

Eher auch nein.

Unsere Empfehlung von Dryrobe® gibt es HIER

7. Du brauchst nicht ständig ein neues Surfboard

Irgendwann passiert es fast jedem. Die Progression stagniert und plötzlich ist das Material schuld.

Zu wenig Speed? Neues Board. Der Cutback funktioniert nicht? Vielleicht andere Finnen. Zu wenig Wellen? Drei Liter mehr Volumen.

Natürlich beeinflusst Equipment das Surfen. Ein passender Shape kann einen erheblichen Unterschied machen. Aber gerade in den ersten Jahren liegt die größte Stellschraube meistens auf dem Board und nicht im Boardrack.

Positionierung, Timing, Paddeltechnik, Blickrichtung, Gewichtsverlagerung und Linienwahl können euch wesentlich weiterbringen als der nächste neue Shape.

Das Gute daran: Diese Upgrades kosten nichts.

Neues Surfboard

8. Zuschauen ist Training

Ihr müsst nicht im Wasser sein, um besser surfen zu lernen.

Setzt euch nach der Session noch 20 Minuten an den Strand und beobachtet gute Surfer.

Nicht nur die spektakulären Turns.

Schaut auf die unspektakulären Dinge.

Wo sitzen sie?

Welche Wellen lassen sie durch?

Wann beginnen sie zu paddeln?

Wie bewegen sie sich auf dem Board, bevor die Welle überhaupt kommt?

Wo machen sie ihren Take off?

Welche Linie wählen sie?

Besonders gute Locals sind interessant. Sie kennen ihren Spot häufig so genau, dass sie schon lospaddeln, während andere noch gar nicht erkannt haben, dass eine gute Welle kommt.

Eine halbe Stunde bewusstes Beobachten kann manchmal mehr bringen als eine Stunde planloses Rauspaddeln.

Lineup

9. Surf Etiquette ist wichtiger als dein Surflevel

Niemand erwartet von einem Anfänger einen perfekten Bottom Turn.

Was man allerdings erwarten kann, ist ein gewisses Maß an Rücksichtnahme.

Lernt deshalb möglichst früh die wichtigsten Regeln im Line up.

Wer hat Vorfahrt? Wann ist es ein Drop in? Wie paddle ich zurück ins Line up, ohne einem anderen Surfer direkt vor das Board zu fahren? Wann sollte ich mein Board auf keinen Fall wegwerfen?

Vor allem der letzte Punkt wird häufig unterschätzt.

Surf Etikette

Ein großes Anfängerboard kann inklusive Finnen ordentlich Schaden anrichten. Wenn hinter euch andere Menschen im Wasser sind, ist Board wegwerfen keine besonders gute Option.

Und wenn ihr euch bei Bedingungen nicht sicher fühlt, ist es vollkommen in Ordnung, nicht rauszugehen.

Anfänger zu sein ist kein Problem. Rücksichtslos zu sein schon.

10. Progression beim Surfen ist nicht linear

Es gibt diesen magischen Moment. Eine Session läuft plötzlich fantastisch. Ihr bekommt viele Wellen, der Take off funktioniert automatisch und vielleicht gelingt sogar der erste richtige Turn.

Auf dem Heimweg denkt ihr:

Jetzt habe ich es verstanden.

Am nächsten Morgen liegt ihr wieder auf dem Board wie bei eurer ersten Surfstunde. Willkommen beim Surfen.

Fortschritt beim Wellenreiten verläuft selten geradlinig. Zu viele Faktoren verändern sich von Session zu Session. Andere Wellen, anderer Spot, Wind, Strömung, Tide, Board und manchmal schlicht die eigene Tagesform.

Deshalb sollte man eine schlechte Session nicht automatisch als Rückschritt interpretieren. Manchmal lernt man an einem schlechten Tag sogar mehr als an einem perfekten.

Bonus: Hör auf, dich mit anderen zu vergleichen

Eigentlich verdient dieser Punkt eine eigene Nummer.

Surfen ist besonders schlecht geeignet, um die eigene Progression mit anderen zu vergleichen.

Der 16 Jährige neben euch surft vielleicht seit seinem fünften Lebensjahr. Die Frau am Peak wohnt seit zehn Jahren direkt am Meer. Euer Buddy hat vielleicht ein besseres Gefühl für Boardsportarten oder schafft schlicht 150 Sessions pro Jahr, während ihr auf 20 kommt.

Die Voraussetzungen sind unterschiedlich.

Social Media macht das nicht unbedingt besser. Dort sieht man die eine perfekte Welle eines Surftrips und nicht die 37 Wellen, auf denen vorher überhaupt nichts funktioniert hat.

Deshalb: Surfen hat keine Deadline.

Ihr müsst nach einem Jahr keinen Cutback können. Ihr müsst keine bestimmte Boardgröße fahren. Und ihr müsst auch nicht irgendwann auf ein Shortboard wechseln, nur weil andere das für den logischen nächsten Schritt halten.

Surft das Board und die Wellen, mit denen ihr Spaß habt.

Spaß

Was wir am allerliebsten früher gewusst hätten

Vielleicht ist die wichtigste Erkenntnis ohnehin eine andere:

Man wird mit Surfen nie wirklich fertig.

Am Anfang möchte man nur die erste grüne Welle bekommen.

Dann soll der Take off besser werden. Danach der Bottom Turn. Dann der erste richtige Cutback. Vielleicht irgendwann eine Barrel. Größere Wellen. Ein Twin Fin. Longboarden. Ein neuer Spot. Ein Surftrip in ein Land, von dem man vorher kaum etwas wusste.

Je mehr man lernt, desto mehr merkt man, wie viel es noch zu entdecken gibt.

Und vielleicht ist genau das der Grund, warum aus der ersten etwas unbeholfenen Session irgendwann etwas werden kann, das einen jahrzehntelang begleitet.

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