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INTERVIEW: Janina Zeitler & Rosina Neuerer auf der Überholspur

Janina Zeitler und Rosina Neuerer sind unsere Sternchen am deutschen Surferhimmel.

Die beiden Surferinnen aus Süddeutschland überzeugen in Flußwellen, Wavepools und auch im Meer. Obwohl sie die größten Konkurrentinnen sind, vereint sie die Liebe zum Surfen und so pushen sie sich gegenseitig. Wir haben die zwei Freundinnen und Ausnahmetalente getroffen und sie zusammen befragt.

Hallo Ihr beiden, Ihr wart kürzlich in Langenfeld beim Rip Curl Pro. Gratulation an dieser Stelle an Euch für die super Performance. Wie hat Euch das Event gefallen?

Rosina: Danke! Es war ein tolles Erlebnis und ein super Event. Ich bin wirklich froh, in Langenfeld dabei gewesen zu sein. Das Eventformat macht richtig viel Spaß, das Callsurfen bringt einfach Abwechslung und Spannung. Ich freue mich schon auf das nächste Jahr mit der Rapid Surf League.

Janina: Absolut. Dem kann ich mich nur anschließen. Es hat super viel Spaß gemacht und war wirklich cool alle wieder zu treffen. Die Organisation des Events war perfekt, die Location sehr schön und das Wetter hat ja auch mitgespielt.

War es für Euch das erste Mal auf der UNIT Welle und wie ist sie im Vergleich zu den anderen Wellen wie Citywave, Riot River usw?

Janina: Ja, für mich war es das erste Mal und ich musste mich erst umstellen, da ich ja hauptsächlich am Eisbach und auf der Citywave surfe. Für mein Empfinden ist die Langenfeld Welle fahrtechnisch gesehen, eine Mischung aus Citywave und Eisbach. Ich finde es aber wichtig, auf unterschiedlichen Wellen zu Surfen und mit verschiedenen Bedingungen klar zu kommen. Nur so kann man sich weiterentwickeln und verbessern.

Rosina: Für mich war es auch das erste Mal auf der Unit Welle. Sie surft sich schon anders als die Citywave oder der Eisbach. Sie ist nicht so clean, wie die Citywave und druckvoller als der Bach. Aber auf einem See zu surfen, ist der größte Unterschied. Man muss sogar paddeln, um wieder auf die Plattform zurückzukommen;) Das ist auf jeden Fall ein tolles Feeling.

Ist mit dem Finale der Rapid Surf League nun auch für Euch die Contestsaison vorbei für dieses Jahr, oder was steht noch an?

Rosina / Janina: Nein, ganz vorbei ist es noch nicht. Am 24.10.2018 fliegen wir mit dem Deutschen National Team nach Huntington Beach in Kalifornien zu den ISA World Juniors.

Wie ist die Stimmung auf der Rapid Surf League Tour? Ihr seid ja quasi die größten Konkurrentinnen?

Rosina: Die Stimmung ist wirklich toll. Konkurrenten sind wir nur während der Heats im Contest;)

Janina: Das stimmt, die Stimmung auf der Tour ist wirklich super und freundschaftlich. Natürlich sind wir Konkurrentinnen im Riversurfen und im Meer, aber ich finde es ist wichtig, respektvoll und fair miteinander umzugehen und nicht alles zu verbissen zu sehen. Der Spaß am Surfen sollte immer im Vordergrund stehen. Wir sind ja auch oft gemeinsam auf internationalen Events mit dem Deutschen Nationalteam unterwegs und da kommt es in erster Linie auf den Team Zusammenhalt an. Generell ist es natürlich gut, dass es Konkurrenz gibt, nur so kann man sich selbst ständig verbessern und ohne Konkurrenz wäre ein Erfolg ja auch nichts wert.

Man muss sagen, dass ihr den Jungs insgesamt ziemlich überlegen seid, da Ihr auch im Ozean und bei der SURF DM immer super Leistungen bringt. Wie schafft Ihr den Spagat zwischen River/Wavepool Surfen und Ozean?

Rosina: Ich muss gestehen, dass ich in der vergangenen Saison fast nur am Meer gesurft bin. Da ist die Umstellung auf den Fluss immer groß, aber man kann das eigentlich schnell wieder abrufen.

Janina: Ich finde schon, dass das surferische Niveau im Riversurfen bei den Jungs sehr hoch ist. Ich versuche aber beide Disziplinen auf relativ hohem Level zu betreiben. Das machen nicht so viele. Es ist für mich natürlich nicht so einfach das Niveau zu halten, da ich normaler Weise nur in den Schulferien am Meer surfen kann, aber das Surfen am Fluss hilft, die Nachteile gegenüber Surfern, die am Meer wohnen und regelmäßig dort trainieren etwas zu kompensieren. Da ich relativ oft zwischen beiden Disziplinen wechsele, kann ich mich mittlerweile problemlos vom Fluss aufs Meer oder vom Meer auf die stehende Welle umstellen.

Wenn Ihr Euch entscheiden müsstet zwischen Meer & Wavepool. Was würdet Ihr wählen?

Rosina: Ich würde immer das Meer wählen.

Janina: Ja ich auch. Ich würde mich auf jeden Fall für das Meer entscheiden, aber natürlich macht es auf der stehenden Welle auch Spaß und da ich ja am Alpenrand wohne, ist die Mischung aus beidem für mich perfekt. Der Fluss/Wavepool ist eine super Möglichkeit, dass Boardgefühl ständig zu trainieren und weiter zu entwickeln.

Was gefällt Euch am besten am Wellenreiten und wie seid Ihr dazu gekommen?

Rosina: Ich wollte immer schon surfen und meine Eltern haben mich schon früh zum Windsurfen gebracht. Erst mit zwölf Jahren konnte ich sie überreden, mir mein erstes Surfbrett, ein BIC, zu kaufen. Ich glaub, ein Einser in Latein gab den Impuls;) Janinas Vater hat ihr dann auch eins gekauft und wir sind zusammen an die Floßlände. Surfen ist einfach alles, Freiheit, Kreativität, Glück,…

Janina: Ich habe schon immer gerne Wassersport betrieben. Grundsätzlich mag ich die Naturverbundenheit und die Stille im Line Up, es ist für mich ein perfekter Ausgleich. Surfen wird nie langweilig, jede Welle ist anders und eine neue Herausforderung. Ich mag den Lifestyle und die Community. Man trifft so viele tolle Leute. Auf die Idee mit dem Surfen anzufangen hat mich Rosina gebracht. Ich war damals 11 Jahre alt. Damals lief  der Film Soul Surfer und ich fand das Surfen und den Lifestyle total cool. Also habe ich beschlossen, das auch mal auszuprobieren und als Münchnerin liegt es ja nahe, die ersten Steps am Fluss zu machen. Ich war von Anfang an total begeistert, obwohl ich zugegebenermaßen zu Beginn nicht direkt der Senkrechtstarter war….

Es sind momentan spannende Zeiten mit dem ersten internationalen Tourstopp in einem Wavepool & den Olympischen Spielen 2020. Seht Ihr das als Chance vielleicht als Profi Surfer durchstarten zu können?

Janina: Natürlich befindet sich der Surfsport momentan stark im Umbruch. Durch den Umstand, dass Surfen olympisch wird, genießt der Sport eine deutlich gesteigerte öffentliche Wahrnehmung. Das eröffnet natürlich auch mehr persönliche Möglichkeiten, beispielsweise bei der Suche nach Sponsoren. Über eine Profi Laufbahn habe ich mir noch nicht wirklich Gedanken gemacht. Mir macht das alles momentan sehr viel Spaß und ich möchte das auch ausbauen, mich natürlich weiter verbessern und nationale und internationale Contests surfen. Ich warte da einfach ab, wie sich das entwickelt und was auf mich zukommt.

Rosina: Zur Zeit ist wirklich viel Bewegung in dem Sport und es sind schon sehr spannende Zeiten. Natürlich wäre es ein Traum, als Profisurfer um die Welt zu reisen. Aber unsere Konkurrenz ist am Meer aufgewachsen mit Homeschooling und Coaches. Aber mal schauen, was die Zukunft bringt.

Ihr seid ja auch beide ziemlich gut gesponsert. Reicht das schon zum Leben & vor allem Reisen oder sind das nur Material Deals?

Rosina: Nein, das sind hauptsächlich Materialdeals. Das erleichtert das Leben und ich bin auch sehr dankbar dafür. Geld wäre aber schon gut, die Reisen kosten viel.

Janina: Das Surfen ist schon eher Liebhaberei, zum Leben reicht das bei weitem noch nicht. Aber ich bin natürlich sehr froh, dass ich mittlerweile von einigen namhaften Firmen unterstützt werde.

Was ist Euer Ziel für die nächsten Jahre? Olympia 2024? Schule? Deutsche Meister?

Janina: Auf jeden Fall ist mir ein ordentlicher Schulabschluss und eine Ausbildung sehr wichtig. Sportlich möchte ich aber auch mein Bestes geben, meine Titel verteidigen und vielleicht noch die eine oder andere gute Platzierung erreichen. Es wäre natürlich total cool bei Olympia dabei zu sein, aber es ist ja extrem schwierig, ein Ticket zu bekommen, da das Teilnehmerfeld sehr klein ist und nur wenige Startplätze vergeben werden.

Rosina: Schule ist für mich kein Thema mehr, ich habe schon 2017 mein Abi gemacht. Ich möchte nächstes Jahr wieder ein paar internationale Contests surfen, die Deutschen Meisterschaften sind auch schon fest eingeplant. Die Qualifikation für Olympia läuft beim Surfen leider nicht auf Länderebene, dafür gibt es zu wenige Startplätze. Für Olympia zählen nur die Ergebnisse der WSL und der ISA.

Dreht sich bei Euch auch abseits von Eisbach & Co alles ums Wellenreiten, oder gibt es noch andere Hobbies und Freunde mit denen ihr Party oder ähnliches macht?

Rosina: Es gibt auch viele Nichtsurfer in meinem Freundeskreis. Ich gehe immer noch gerne zum Skifahren, Rennen fahre ich aber schon seit einer Verletzung vor drei Jahren nicht mehr. Sonst habe ich meinen Hund, mein Zeichenmaterial und mein Skateboard.

Janina: Neben der Schule und dem Wellenreiten bleibt natürlich nicht mehr so viel Zeit übrig, aber nachdem ich die meisten meiner Freunde beim Surfen und in der Schule treffe, ist das kein Problem für mich.

Was treibt Ihr im Winter?

Rosina: Surfen und Powdern

Janina: Am Eisbach ist das ganze Jahr über Saison und ich Surfe auch im Winter am Bach und wenn es wirklich zu kalt ist, gibt es als Alternative noch die Jochen Schweizer Arena. Im Ski-Kader bin ich seit April 2017 nicht mehr. Neben der Schule zwei Sportarten parallel auf Leistungsniveau zu betreiben, ist unheimlich schwer. Anfangs ging das noch ganz gut, aber als die Surfwettkämpfe auch im Winter stattfanden und ich mich darauf vorbereiten musste, wurde es für mich immer schwerer und letztendlich musste ich mich für eine Sportart entscheiden. Aber natürlich fahre ich im Winter immer noch gerne Ski.

Wo seht Ihr Euch in 10 Jahren?

Rosina: Auf alle Fälle nicht hinterm Herd mit fünf Kindern, sondern irgendwo am Meer mit guter Work-Life-Balance.

Janina: Einen genauen Lebensplan habe ich noch nicht. Ich bin da vollkommen offen und lasse einfach alles auf mich zukommen.

Dann wünschen wir Euch viel Erfolg und danke für das nette Gespräch!

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