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Interviews

“Für Surfer ist Mentaltraining sehr sinnvoll”

Angst vorm Take-off oder Schwierigkeiten, sich im Line-up zu behaupten, seien typische Probleme, die SurferInnen an Land lösen könnten, sagt Mentaltrainierin Ramona Beyer.

Dass man als Anfänger den Take-off zuerst im Trockenen üben sollte, bevor man ihn im Meer ausprobiert, ist nichts Neues. Schließlich wird heutzutage wohl kaum noch jemand einfach “ins kalte Wasser geschmissen”. Allerdings handelt es sich dabei stets um physisches Training. Mental bereiten sich nur die wenigsten SurferInnen auf die anstehende Session vor. Dabei gäbe es genügend Probleme, an denen gearbeitet werden müsste, meint Ramona Beyer, Surf-Fitness-Coach, Mentaltrainerin und Inhaberin der Online-Trainings-Plattform surf-fitness-online.de.

Warum Mentaltraining auch für AmateursurferInnen sinnvoll ist, welche Probleme man damit in den Griff bekommen kann und wie ein solches Training aussieht, beschreibt sie im SURFERS-Interview.


Interview mit Mentaltrainerin Ramona Beyer


Surf-Mentaltraining klingt danach, die letzten Prozente aus Profis herauszukitzeln und sie fit für Wettbewerbsmomente zu machen. Für wen ist das Training aber wirklich gedacht?

Dafür kann und wird Mentaltraining tatsächlich eingesetzt. Im Profisportbereich geht eigentlich gar nichts mehr ohne Mentaltrainer. Aber das Training hilft nicht nur Profis. Ganz im Gegenteil. Mentaltraining für Sportler allgemein zielt darauf ab, durch Elemente der Motivation, des Stressmanagements, der Entspannung und der Stärkung der mentalen Fähigkeit gesteckte Ziele zu erreichen – ob im Wettkampf, im individuellen Fitnesstraining oder in der Rehabilitation.

Im Amateurbereich findet es langsam in Sportarten wie Tennis oder Golf Einzug. Aber auch für Surfer ist es sehr sinnvoll, Mentaltraining in ihren Trainingsplan zu integrieren.

Warum sollten normale Surfer ein solches Mentaltraining machen?

Besonders für Landlocked-Surfer bietet das Mentaltraining eine wunderbare Möglichkeit, auch in der surffreien Zeit die Surfskills zumindest im Geiste zu trainieren.

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Wie soll das gehen?

Fehler, die sich eingeschlichen haben, können mithilfe von mentalem Training einfach behoben werden. Darüber hinaus wird der Bewegungsablauf tief im Unterbewusstsein verankert, sodass man ihn auf dem Wasser auch in Stresssituationen automatisch und zum richtigen Zeitpunkt abrufen kann. Menschen, die regelmäßig surfen, können Mentaltraining sehr gut dafür nutzen, neue Manöver zu erlernen. Es hilft ihnen, bessere Leistungen abzurufen, indem sie verstehen, ihren Fokus und ihre Aufmerksamkeit während der Surfsession bewusst zu steuern und richtig einzusetzen.

Macht Mentaltraining auch für Leute Sinn, die noch nie auf dem Brett standen, aber einen Surfkurs in naher Zukunft planen?

Ich vertrete die Meinung, dass der Einsatz von Mentaltraining bei Surfern erst sinnvoll ist, wenn der Klient zumindest schon einmal auf dem Surfboard gestanden hat und das Gefühl, eine Welle zu reiten, erlebt hat und die Bewegungsabläufe kennt.

Als Sport-Mental-Coach arbeite ich mit Bildern, Gefühlen und Erlebnissen. Die sind für jemanden, der noch nie gesurft ist, nicht in der erforderlichen Intensität nachvollziehbar. Es kommt aber auch immer auf das individuelle Ziel an. Kommt zum Beispiel jemand zu mir, der gerne surfen würde, sich aber aus verschiedensten Gründen nicht traut, kann ich dabei helfen, die unbewussten Blockaden aufzudecken. Dennoch: Surf-Mentaltraining, wie ich es anbiete, richtet sich an Personen, die schon einmal gesurft sind.

Was wird bei einem solchen Mentaltraining genau gemacht?

Das Mentaltraining bietet eine ganze Reihe an Tools und Möglichkeiten. Diese lassen
sich grob in zwei Kategorien unterteilen: zum einen in das klassische Training im
Geiste, zum anderen in die Steigerung von Leistung.

“Dieser klassische Ansatz, in dem man Mentaltraining nutzt, um Bewegungsabläufe in Gedanken zu trainieren, ist wissenschaftlich bewiesen.”

Der klassische Ansatz beschreibt das Training im Geiste von bestimmten Bewegungsabläufen. Die Leistungssteigerung beschreibt zum Beispiel das Lösen von mentalen Blockaden, um wieder in der Lage zu sein, die volle Leistung abzurufen. Dieser klassische Ansatz, in dem man Mentaltraining nutzt, um Bewegungsabläufe in Gedanken zu trainieren, ist wissenschaftlich bewiesen. In zahlreichen Studien ist belegt worden, dass allein bei der intensiven Vorstellung einer Bewegung die beteiligten Muskelgruppen angesprochen und messbar aktiviert werden. Damit können wir also erst einmal Bewegungen trainieren, ohne uns zu bewegen, aber auch falsch erlernte Bewegungsmuster korrigieren.

Mentaltraining kann aber auch dazu eingesetzt werden, um das Gehirn auf Erfolg zu programmieren. Dieser Ansatz der Leistungssteigerung geht eher in Richtung Coaching. Hier schaut man nach Blockaden oder Glaubenssätzen, die einen davon abhalten, die eigene Leistung zum richtigen Zeitpunkt optimal abzurufen. Dazu nutzt man Techniken wie das Neuro-Linguistische Programmieren (NLP) oder Hypno-Rhetorik, um diese Blockaden oder Glaubenssätze aufzulösen. Auch Entspannungs- und Anregungstechniken sowie Motivationstraining können dem Mentaltraining zugeordnet werden. Wenn jemand beim Anpaddeln einer Welle total nervös wird, kann man durch bewusste Steuerung der Aufmerksamkeit und den Einsatz von Entspannungsankern wahre Wunder bewirken.

Was sind die typischen Probleme von Surfern, die der Kopf verursacht, und die durch ein solches Mentaltraining gelöst werden können?

Da gibt es einige. Wie oft machen wir uns selbst Druck oder haben den Take-off gedanklich schon vermasselt, bevor wir die Welle überhaupt angepaddelt haben? Auch Gedanken wie „Ich bekomme die Welle doch sowieso nicht!“ werden schnell zur selbsterfüllenden Prophezeiung.

Gerade Frauen haben oft Schwierigkeiten, sich in einem vollen Line-Up zu behaupten und selbstbewusst ihre Welle zu beanspruchen. Mentaltraining kann helfen, das Selbstbewusstsein im Wasser zu steigern und Fehler zu korrigieren.

Wie genau arbeitet man dann am Take-off?

Sicherlich kennen viele von uns das Problem, dass man eine Welle anpaddelt, perfekt positioniert ist und dann kurz vorm Drop das Board zurück zieht. Hier kann Mentaltraining erreichen, dass man beim nächsten Mal mit Selbstbewusstsein den Drop macht und sicher auf das Board springt. Typische Fehler, wie beispielsweise beim Take-Off den Blick auf die Füße zu richten oder das Knie zu benutzen, kann man mit Mentaltraining an Land auflösen, indem man die korrekte Technik immer wieder im Geiste trainiert. Auf dem Wasser wird der Körper dem Geist folgen und automatisch das neu erlernte Muster abrufen.

Geht es dabei mehr um das Bewältigen von Ängsten oder um das Lernen von Bewegungsabläufen?

Wie die Beispiele oben schon zeigen, geht es tatsächlich eher weniger um Ängste. Hier wären wir eher im therapeutischen Bereich und da kann Mentaltraining nur unterstützend eingesetzt werden. Vielmehr geht es darum zu schauen, was einem beim Abrufen der eigenen Leistung blockiert und darum, Techniken zu vermitteln, damit umzugehen.

Blockiert einen beispielsweise die Angst vor einem bestimmten Surf-Spot, weil man an diesem schon einmal ein heftiges Wipe-out erlebt hat, kann Mentaltraining ansetzen und helfen, die Angst vor diesem Spot zum Beispiel durch den Einsatz der Kinotechnik zu überwinden. Bei Wipe-outs gelassener zu reagieren, ist durch das mentale Training auch möglich. Wenn uns unser Gehirn weismachen möchte, wir müssten in der nächsten Sekunde ertrinken, können wir meist noch ein bis zwei Minuten ohne Luft auskommen. Hier kann Mentaltraining ganz klar helfen, beim längeren Unter-Wasser-Sein ruhiger zu agieren und nicht in Panik zu geraten.

“Alles, was man beim Sport-Mentaltraining in Bezug auf den Sport lernt, kann man auch in allen anderen Bereichen des Lebens anwenden.”

Das Surf-Mentaltraining wirkt sich bestimmt nicht nur auf die Surf-Fähigkeiten aus. Was sind die positiven Nebeneffekte im normalen Leben?

Tatsächlich werden Methoden aus dem Mentaltraining auch im unternehmerischen Bereich angewendet. Ich gehe einen Schritt weiter und behaupte: Alles, was man beim Sport-Mentaltraining in Bezug auf den Sport lernt, kann man auch in allen anderen Bereichen des Lebens anwenden. Mit Goalsettingtechniken beispielsweise lassen sich nicht nur sportliche Ziele erreichen, sondern auch berufliche und persönliche. Wenn man dazu neigt, vor Vorträgen oder Präsentationen nervös zu sein, kann man sich mithilfe der erlernten Techniken aus dem Mentaltraining in einen entspannten Zustand versetzen.

Wie häufig muss man trainieren, um Erfolg zu verspüren?

Obwohl sich die ersten Ergebnisse schon relativ früh zeigen, gilt: Man kann mit Mentaltraining nur langfristig gute Erfolge erzielen, wenn man es regelmäßig macht. Keiner erwartet, dass ein einziges Paddelpower-Workout ausreicht, um beim nächsten Surftrip mit Leichtigkeit kilometerweit durch den Ozean zu paddeln. Dasselbe gilt auch für mentales Training. Allerdings lässt es sich – unter Anleitung – für jeden einfach in das Training integrieren. Es nimmt nicht viel Zeit in Anspruch und beinhaltet selbst gute Tools und Strategien, um dranzubleiben.

Zum Beispiel hilft hier ein klar definiertes Warum, das passende Goalsetting und die darauf aufbauende Entwicklung von Routinen. Je stärker und lebendiger dein Warum ist, desto eher wirst du an deinem Training dranbleiben. Hilfreich ist es auch, die Mentaltrainingseinheiten mit Aktivitäten zu verknüpfen, die du ohnehin regelmäßig machst, zum Beispiel vor oder nach deinem Bodyworkout. Und: Es müssen auch nicht immer lange Sessions sein, mit ein wenig Übung kannst du auch in fünf Minuten tolle Effekte erzielen. Noch effektiver ist es aber, wenn du mit einem Mentaltrainer zusammenarbeitest.

Wo kann man ein solches Mentaltraining machen?

Es gibt verschiedene Berufsverbände von Sportmentaltrainern. Zum Beispiel der Bundesverband Sportmentaltraining oder die Deutsche Gesellschaft für Mentales Training e.V.. Hier kannst du einen geeigneten Mentaltrainer anfragen. Die meisten Mentaltrainer haben sich auf eine bestimmte Sportart spezialisiert. Auch ich als Surf-Fitness-Coach habe Mentaltraining als festen Bestandteil in meine Angebote integriert. Für mich war Fitness-Training schon immer ein ganzheitliches Konzept. Körper und Geist gehören schließlich zusammen und beeinflussen sich gegenseitig.


Wer Surf-Mentaltraining einmal kostenlos ausprobieren möchte, kann sich hier für Ramonas Online-Take-Off-Challenge im September anmelden.

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