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Travel Stories

Surfari in Namibia – Der Traum von der perfekten Barrel

Vor einiger Zeit machte sich unserer guter Freund, Patrick Catford, mit seiner Crew auf den Weg nach Namibia, um die längste Barrel der Welt zu surfen.

von Patrick Catford

Um Namibia und um Skeleton Bay ranken sich Mythen und Geschichten, wie um keine andere Welle. Die magische Sandbank, die perfekte, endlos erscheinende und powervolle Welle, liegt südlich des Skeleton Coast National Park, und ist eine Rarität, die nur wenige entschlossene und geduldige Surfer zu Gesicht bekommen. Die Namibischen Ureinwohner benannten die Region als „The Land God made with Anger“, während die Portugiesen einen Schritt weiter gingen und diesem einzigartigen Küstenabschnitt, an dem sich ein ständiger Kampf von Wüste und Meer abspielt den Namen „ Das Tor zur Hölle“.

Diese Namen sind auf die Wetterbedingungen zurückzuführen, die an diesem Küstenabschnitt sehr launisch sind. Der morgendlich grüßende Tiefnebel rundet die mythische Umgebung ab.

Das Spiel der Kräfte formte schließlich, im Laufe der letzten Jahrzehnte, eine Sandbank, die einer Landzunge gleicht, welche die wohlmöglich längste linke Barrel, die die Surfszene je gesehen hat, produziert. Bei den richtigen Bedingungen produziert die Sandbank, wie eine Maschine, eine perfekte Welle nach der Anderen.

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Der Diamant der Wüste verbreitet sich in den Sozialen Medien wie ein Flächenbrand in der Trockenzeit und entfacht Emotionen bei Surfern rund um die Welt. Die Surfer betrachten diese Barrel mit einer Mischung aus Ehrfurcht, Freude und tiefsten Respekt für diejenigen wenigen, die die Möglichkeit bekommen und die Fähigkeit besitzen, mit den Kräften der Natur in Balance zu sein und mit ihnen zu verschmelzen.

Dieser fabelhafte Beachbreak funktioniert wie eine Slabwelle: Trifft Swell, der auf dem offenen Ozean entsteht, schlagartig auf seichtes Gewässer, so entlädt sich auf einmal die ganze Energie. Die Folgen sind ein krasser Sog und eine extrem hohle Barrel.

 

Diese Energie lässt der Küstenabschnitt einen jeden spüren, der sich in das Wasser begibt und die Herausforderung, diese Welle zu reiten, annimmt. Der Surfer wird höchstwahrscheinlich getestet, aus welchem Holz er geschnitzt ist. Die Kraft des Ozeans erzeugt dort eine Strömung, die ca. 12 km/h schnell ist und befördert einen zum Ende der Sandbank, dort, wo sich die Wellen in einem Close-Out endgültig entladen. Es bleiben einem, je nach dem wie stark die Strömung ist, 10-15 min Zeit auf ein Set zu warten. Wenn einem dies vergönnt ist, bleibt nur noch ein kräftiges Anpaddeln und dann die Konzentration auf den Take-Off. Anschließend muss man schnell genug zu sein, um den Drop zu bewältigen und genug Geschwindigkeit aufzubauen, bevor die Lip der Welle einen überholt und explosionsartig zusammenkracht. Wenn allerdings alles optimal zusammenspielt, bekommt man die bis dahin beste Barrel seines Lebens, was auch den „Medienhype“ um diese sagenumwogende Schönheit der Natur, nachvollziehen lässt.

Angespornt vom grenzenlosen Optimismus entschlossen wir uns, nachdem wir den Swellforcast sahen und sich zwei potenziell vielversprechenden Stürme in einem kurzen Zeitraum vor der Küste Chiles, über den Südatlantik, Richtung Südafrika ausbreiteten, unser Glück zu versuchen. Wir buchten die Flüge, das Glücksspiel begann. Es gibt keinen Weg mehr zurück.

Mit voller Motivation und hohem Einsatz in Form der Anreise und Vorbereitung, trafen wir in Windhoek, der Hauptstadt von Namibia, ein, wo wir den Rest der Crew trafen und die Autos, zwei Toyota Hillux 4×4 mit Dachzelten, mit unseren Surfboards und dem restlichen Gepäck bepackten. Die Crew, bestehend aus René, Tajo, Fabi, Pedro und mir, fuhren, mit einem gemischtem Gefühl aus Ehrfurcht, Respekt, Nervosität und Vorfreude, ausgelöst durch die Unwissenheit dessen, ob der Swell, wie angekündigt am morgigen Tag auf die Küste Namibias anrollt, Richtung Meer.

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Am Abend erreichten wir dann unsere Unterkunft für die erste Nacht, wo wir die Boards präparierten und das Kamera Equipment für den morgigen Tag aufluden.

Am nächsten Morgen, als ich meine Augen öffnete, war ich über das Wetter verblüfft: tiefhängender, feuchter Nebel. Wir fuhren los, auf der Suche nach der Sandbank, die unsere Herzen bei den Gedanken an perfekte Barrels zum aufleuchten bringt.

Vorbei an Salzminen, Flamingo Schwärmen und streunenden Coyoten, die sich links und rechts des Weges Richtung Skeleton Bay befinden.

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Endlich am Spot angekommen herrschte pure Ernüchterung, denn der Swell ist nicht wie vorhergesagt eingetroffen. So verpflichteten wir uns bis zum Abend am Spot abzuhängen, abzuwarten und uns mit anderen Beschäftigungen, wie dem Driften auf Sand mit unseren 4×4 Trucks anderweitig abzulenken. Am nächsten Tag entwickelte sich das Meer, das eher dem Bodensee an einem windigen Tag glich, zu einer „surfbaren“ Angelegenheit, die fernab der Erwartungen gegenüber der Welle, die wir bis dahin pflegten, war. Circa hüft- bis schulterhohe, viel zu schnelle, sich überschlagende Wellen, mit Winden, die in einem suboptimalen Winkel auf die Wellen trafen. Der Swell war da, leider aber aus zu südlicher Richtung, sodass er die Sandbank verfehlte.

Daraufhin riefen wir den Notfall – „No Swell“ – Plan aus, der uns entlang der Skeleton Coast Richtung Etosha Nationalpark führte.

Während dieser Mission, trafen wir auf etliche Schiffwracks, die den Mythos unterstrichen, der sich um den Küstenabschnitt rankt. Wir sahen eine riesige Robbenkolonie, die einen magischen Surf Spot, am Cape Cross für sich in Anspruch nahm und dort die unangefochtenen Locals darstellten. Das Wasser war ebenfalls voll mit Robben, sodass wir uns letztendlich, trotz perfekter Bedingungen, geschlagen geben mussten. Wir wollten schließlich nicht als Haifisch- und Robbenfutter enden, was ein weiterer Wermutstropfen in Sachen Surfen, auf unserer Surfari zu verbuchen ist.

Cape Cross
Cape Cross mit unendlich vielen Robben im Hintergrund.

Die Schönheit Namibias lernten wir allerdings mit den 4×4 Trucks umso mehr kennen. Während den 3000 km, die wir zurücklegten, schien sich die Szenerie, das Panorama, die Landschaft und die Vegetation ständig zu verändern und versetzte uns stets ins Staunen.

Die Tierwelt, in einer einzigartigen Umgebung, sowie das Land und die Menschen, machen Namibia, zu weitaus mehr als nur einen Regulären Surftrip, bei dem es einzig und allein um das Surfen geht.Bei diesem Trip ging es um die Erfahrung, die ein jeder während der Reise für sich Persönlich mitnehmen konnte.

The Crew
The Crew

Bevor wir unseren Heimflug antraten, fuhren wir vom Etosha National Park, wieder zurück zur Skeleton Bay, da der zweite vorhergesagte Swell kurz vor der Ankunft stand. Unsere Erwartungen und Hoffnungen gingen durch die Decke, um anschließend wieder auf dem Sand zu stehen und nicht das zu sehen, was sich ein jeder Surfer wünscht: Perfekte Wellen.

Dies war verwunderlich, da ein Freund aus Kapstadt, mit dem ich an diesem Morgen schrieb, meinte, dass Cape Town viel zu groß gewesen sei und er uns viel Spaß wünscht. Doch wie es schien, hatte der Swell kurzerhand entschieden, dass er noch eine Weile auf sich warten lies.

Nachdem wir den ganzen Tag wieder am Spot verbrachten und uns manchmal auch nur einredeten, dass es besser wird, sahen wir letzenendes tatsächlich die ein oder andere surfbare Welle. Als ein geduldiger Surfer im Wasser plötzlich aus einer Barrel herausgeflogen kam, die einzige die wir bis dahin gesehen hatten, brach ein Jubel und Vorfreude am Strand aus, der einen jeden Surfer, der sich einer Siesta widmete, aus dem Schlaf riss und sein Neopren in Rekordzeit anziehen lässt. Dank der 13 Grad Celsius Wassertemperatur, ist der Neoprenanzug 4/3 mm dick, dazu gibt es eine Haube und Booties.

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An diesem Abend, der unserer letzter vor Ort war, sahen und spürten wir das Potenzial, was diese einzigartige Welle, die sich Kilometer entlang einer Sandbank rasant entlädt, ausmacht und dass diese zurecht als die längste entdeckte Barrel der Welt angepriesen wird. Auch wenn wir sie so nicht zu Gesicht bekommen haben.

Alles in allem ist Namibia eine Reise, nein eine Expedition, wert, die weg von dem Standard-Surfurlaub eine Erfahrung für jeden mitbringt.

Ich persönlich werde eines Tages wieder nach Namibia reisen, um die eine einzigartige, unglaubliche Barrel, von der wir alle träumen, einmal in Perfektion zu erleben und dann mein Glück und meine Fitness erneut auf die Probe zustellen.

Bis dahin, keep the good times rolling!

Yeeeeeeeeeew.

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