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Twin Fin Invitational 2025

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William Aliotti im Interview: „Twin Fins haben alles verändert“

Über seine Anfänge in der Karibik, den Abschied vom klassischen Contest-Surfen und die Entstehung seines eigenen Events: Twin Fin Invitational

Fotos: Twin Fin Invitational 

William Aliotti gehört zu den stilprägendsten Surfern seiner Generation. Der Franzose aus St. Martin hat sich schon längst vom klassischen Contest-Zirkus verabschiedet, um seinen eigenen Weg als Free Surfer zu gehen: mit Twin Fins, radikal viel Speed und einem unverwechselbaren Flow.

Wir haben den Monster-Teamrider beim zweiten Twin Fin Invitational im vergangenen Herbst im Ocean Shelter bei Hossegor auf einen Kaffee getroffen und mit ihm über Surfen, kreative Freiheit und die Entstehung seines eigenen Events gesprochen.

Hey William, lass uns ganz vorne anfangen: Wie bist du eigentlich zum Surfen gekommen?

Ich komme aus der Karibik, aus St. Martin. Meine Eltern sind Segler und Reisende. Sie lieben das Meer und waren immer am Wasser unterwegs. Wenn du auf so einer Insel aufwächst, bist du automatisch ständig im Ozean. Meine Mutter hat mich jeden Sonntag an einen Strand namens Orient Bay gebracht. Ich hatte ein kleines Bodyboard und irgendwann bin ich darauf einfach aufgestanden, statt es normal auf dem Bauch zu fahren.

Meine Eltern meinten dann: „Okay, vielleicht sollten wir ihn mal in einen Surfclub schicken.“ So bin ich im Club in Le Galion gelandet und habe richtig angefangen zu surfen. Lustigerweise hatten Maud Le Car und ich denselben Start. Wir waren zusammen in der Schule und haben dann beide mit dem Surfen angefangen.

Twin Fin Invitational 2025

Wann wurde aus dem Hobby Surfen eine echte Leidenschaft?

Mit elf Jahren. Ich habe mich sofort komplett in das Surfen verliebt. Mein Club hieß Windyreef Center und dort habe ich eigentlich jede freie Minute verbracht. Schule dagegen war überhaupt nicht mein Ding.

Mit 15 habe ich meiner Mutter gesagt, dass ich die Schule abbrechen will.

Natürlich war das für meine Eltern schwierig. Niemand wusste, ob ich jemals Profi werde oder überhaupt Geld damit verdienen kann. Aber ich hatte unglaubliches Glück: Meine Eltern haben mir vertraut und mich machen lassen. Allerdings unter einer Bedingung: Wenn ich meinen Traum leben wollte, musste ich ihn selbst finanzieren.

Also hast du angefangen zu arbeiten?

Ja. Ich habe als Beach Boy in St. Martin gearbeitet. Ich habe Getränke serviert, Weinflaschen gebracht, Liegen organisiert, solche Sachen. Ich war noch ein Kind und der Besitzer meinte irgendwann: „Du darfst alle Trinkgelder behalten.“ In der Karibik geben die Leute oft richtig gutes Trinkgeld. So habe ich in wenigen Monaten genug Geld verdient, um meine ersten Junior-Contests zu fahren.

Dann bin ich nach Frankreich gegangen und habe dort eine Saison gemacht. Ich hatte noch keinen Führerschein, deshalb mussten meine Eltern mitkommen. Aber ich erinnere mich noch genau daran, wie ich die Trucks von Volcom und Quiksilver gesehen habe. Ich dachte nur: Verdammt, ich will Teil davon sein.

Damals war ich komplett auf Volcom fokussiert. Meine Mutter hat mir einmal im Jahr eine Volcom-Boardshort gekauft, das war für mich die Marke schlechthin. Das Volcom House in Hossegor, die Teamfahrer, der ganze Lifestyle … ich wollte unbedingt dazugehören. Ich habe dann versucht, bei den Junior-Contests genau diese Jungs zu schlagen. Mit 17 bekam ich dann endlich meinen Vertrag und bin dort ca. 14 Jahre geblieben. Jetzt habe ich zu Billabong gewechselt. Bei Monster Energy bin ich sogar schon seit 15 Jahren.

Twin Fin Invitational 2025

Du hast irgendwann aufgehört, Contests zu surfen. Warum?

Weil ich irgendwann gemerkt habe, dass ich keinen Spaß mehr daran habe. Im WSL-QS reist du ständig an Orte mit schlechten Wellen, nur um Punkte zu sammeln. Alles daran ist teuer: Flüge, Hotels, die komplette Reise. Dabei bekommst du vom eigentlichen Ort kaum etwas mit. Du reist um die halbe Welt, ohne das Land wirklich zu erleben oder den Moment genießen zu können. Das war nicht das, was ich am Surfen liebe.

Ich wollte mich ausdrücken, kreativ sein, meinen eigenen Stil zeigen.

Stattdessen hatte ich das Gefühl, dass alle auf denselben kleinen Wellen dasselbe machen. Also bin ich zu Volcom gegangen und habe gesagt: „Leute, ich will das nicht mehr. Lasst mich einfach mein Ding machen.“ Danach habe ich angefangen, Filme und Foto-Projekte umzusetzen. Ich habe mit einem guten Filmer gearbeitet und mich komplett aufs Free Surfing konzentriert. Seitdem lebe ich genau das.

Twin Fin Invitational 2025

Heute verbindet man dich sofort mit Twin Fins. Wie kam es dazu?

Das begann auf einem Roadtrip durch Kalifornien. Ich war mit meinem Filmer unterwegs und wir haben Ryan Lovelace besucht, meinen heutigen Shaper. Ich hatte vorher schon mal ein Twin Fin von ihm ausprobiert und mochte sofort dieses Gefühl von Speed und Freiheit. Ryan hatte damals einfach nur einen rechteckigen Schaumblock in seiner Werkstatt liegen und meinte: „Wenn du willst, bauen wir jetzt ein Board.“ Also saßen wir stundenlang zusammen und haben dieses Fish-Board komplett gemeinsam entwickelt. Und danach hat einfach alles Klick gemacht.

Für mich ist Speed der Schlüssel beim Surfen.

Wenn du Geschwindigkeit hast, kannst du alles machen. Du kannst Turns ziehen, Lines verändern, kreativ werden. Twin Fins geben dir genau dieses Gefühl. Außerdem verändert sich dadurch dein Stil. Du kämpfst nicht mehr gegen die Welle. Du wirst eins mit ihr. Genau das wollten wir zeigen.

Surfst du überhaupt noch Thruster?

Kaum noch. Ich war zuletzt in Marokko mit einem unterwegs, weil Twin Fins backside nicht immer ideal funktionieren. Aber ehrlich gesagt habe ich es gehasst. Es fühlte sich einfach langsam an. Nicht mehr wie mein Surfen.

Twin Fin Invitational 2025

Was war dein bester Surftrip bisher?

Kandui war definitiv einer der intensivsten Trips meines Lebens. Du surfst dort vier oder fünf Tage komplett am Limit. Du paddelst nonstop, der Swell läuft vielleicht nur zwei oder drei Tage, und danach bist du komplett zerstört. Aber genau das macht es aus. Du weißt nie, was du bekommst, und wenn du diese eine magische Session erwischst, sprengt es dir den Kopf.

Wie sieht eine perfekte Welle für dich aus?

Eine perfekte blaue Teahupo’o-Tube. Du kommst aus der Barrel und hinter dir ragt dieser riesige Berg auf. Das ist pure Magie. Dein Herz rast schon beim Reinpaddeln. Ich liebe solche intensiven Orte. Auch die Mentawais haben dieses Gefühl.

Du lebst inzwischen in Hossegor. Wie sieht dein Alltag dort aus?

Hossegor ist für mich eher eine Base zum Ausruhen und Organisieren. Wenn ich von einem Trip zurückkomme, checke ich mein Quiver, plane neue Reisen und bereite alles für die nächsten Projekte vor. Die Wellen hier sind schwierig, weil sich die Sandbänke ständig verändern. Wenn es funktioniert, ist es unglaublich. Aber ich will meine Energie nicht damit verschwenden, jeden Tag nach Wellen zu suchen, wenn ich weiß, dass ich an anderen Orten nonstop surfen und filmen kann.

William Aliotti’s Twin Fin Invitational 2025

Vorletztes Jahr hast du dein eigenes Event gestartet, den Twin Fin Invitational. Wie kam es dazu?

Die Idee entstand eigentlich, weil Freunde immer wieder behauptet haben, ich würde nie wirklich arbeiten und einfach nur surfen gehen. Ich habe ihnen zwar erklärt, dass Surftrips für mich Arbeit sind, aber die Reaktion war meistens nur: ‚Ja klar, du gehst halt surfen, Bro.‘

Gleichzeitig gibt es viele spannende Projekte und Events wie Stab, zu denen ich nicht immer eingeladen wurde. Also kam irgendwann der Gedanke auf: Warum nicht einfach etwas Eigenes aufbauen? Ich mochte schon immer die Art, wie manche Events ihre Rider behandeln: bezahlte Flüge, gute Hotels, Essen während des Contests: einfach dieses Gefühl, willkommen zu sein. Genau das wollte ich mit dem Twin Fin Invitational auch schaffen.

Im Grunde versuche ich, das Event zu organisieren, das ich mir selbst als Surfer immer wünschen würde.

Die Teilnehmer bekommen kleine Geschenkpakete mit Dingen, die ich selbst mag: Sonnenbrillen, Socken, Uhren und solche Sachen. Im ersten Jahr war das ehrlich gesagt ziemlich beängstigend. Ich wusste nicht, ob die Rider dem Projekt vertrauen oder überhaupt kommen würden. Letztes Jahr war die Nachfrage dann riesig. Viele Rider kamen direkt auf mich zu und wollten unbedingt dabei sein. Das hat sich unglaublich gut angefühlt.

Besonders wichtig war mir, mehr Frauen einzuladen. Im ersten Jahr war das noch zu wenig vertreten. Jetzt hatten wir eine richtig gute Crew mit einer tollen Energie. Genau darum geht es am Ende: gute Vibes, gutes Surfen und Menschen zusammenzubringen.

Twin Fin Invitational 2025

Hast du jemals darüber nachgedacht, mit dem Surfen aufzuhören?

Jetzt werden die Fragen tiefgründig. (lacht). Aber nein, eigentlich nie wirklich. Selbst wenn ich irgendwann nicht mehr surfen würde, wäre der Ozean trotzdem immer ein Teil meines Lebens. Das steckt einfach in meiner DNA. Ich habe gefischt, bin gesegelt, Wakeboard und Windsurfboard gefahren.

Das Meer ist mein Garten.

Deshalb könnte ich mir kaum vorstellen, nichts mehr damit zu tun zu haben. Und selbst ohne Surfen würde ich garantiert einen anderen Weg finden, weiter übers Wasser zu gleiten.


Mehr zum Twin Fin Invitational 2026 findet ihr HIER:

 

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