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THE HYPE

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THE HYPE: Back to the 90s – Warum die Surfwelt plötzlich wieder aussieht wie früher

Es beginnt meist schleichend.

Zuerst taucht irgendwo eine alte Sonnenbrille auf. Dann trägt plötzlich jemand wieder Baggy Pants zum Surfcheck. Kurz darauf erscheinen Boardshorts, die eher an die Ära von Andy Irons erinnern als an moderne High-Performance-Surfwear. Und ehe man sich versieht, laufen am Strand wieder Surfer mit blondierten Spitzen, boxigen Sweatern und Logos herum, die eigentlich längst Geschichte sein sollten.

Willkommen bei der neuesten Ausgabe von THE HYPE.

Diesmal reisen wir zurück in eine Zeit, als VHS-Tapes die Surfkultur bestimmten, Jack Johnson noch hauptsächlich als Filmer bekannt war und jedes Surfvideo von Punkrock, Grunge oder Hip-Hop begleitet wurde.

Die 90er sind zurĂĽck.

Andy Irons

Alles kommt zurĂĽck.

Mode bewegt sich bekanntlich in Zyklen. Was gestern noch peinlich war, wird irgendwann wieder cool. Im Surfing, Skateboarding und Snowboarding scheint dieser Zyklus aktuell besonders schnell zu rotieren.

Lange dominierte ein eher minimalistischer Look die Surfbranche. Schlichte Farben, funktionale Performance-Wear und ein fast schon steriles Design prägten viele Marken.

Doch in den vergangenen Jahren hat sich etwas verändert.

Plötzlich wird wieder experimentiert. Farben werden lauter. Logos größer. Schnitte weiter. Und genau hier beginnt die Rückkehr der 90er.

Denn egal ob Surfen, Skaten, Snowboarden oder BMX: Die 90er und frĂĽhen 2000er sind zurĂĽck. Und diesmal geht es nicht nur um Mode. Es geht um eine ganze Kultur.

Back to the 90s

Die Generation TikTok entdeckt VHS

Das Faszinierende an der aktuellen Entwicklung ist, dass viele der jungen Surfer, die heute alte Rusty-Shirts feiern oder mit Oakley Eye Jackets am Strand sitzen, die 90er nie selbst erlebt haben.

FĂĽr sie sind Momentum, Taylor Steele oder die frĂĽhen Search-Filme keine Erinnerung. Sie sind Neuentdeckungen.

Während frühere Generationen von VHS-Kassetten, DVDs und Surfmagazinen geprägt wurden, scrollt die heutige Generation durch Instagram, TikTok und YouTube. Trotzdem scheint die Sehnsucht nach einer Zeit zu wachsen, die rauer, weniger perfekt und vor allem weniger durchinszeniert wirkte.

Vielleicht liegt genau darin der Reiz.

Die 90er erscheinen heute wie das Gegenteil unserer durchoptimierten Social-Media-Welt.

Back to the 90s

Als Boardsport noch im Fernsehen lief

Wer heute mit Instagram, YouTube und TikTok aufgewachsen ist, kann sich kaum vorstellen, welchen Stellenwert Boardsport Ende der 90er hatte.

Damals liefen Surf-, Skate- und Snowboardclips nicht nur auf VHS-Kassetten oder DVDs. Sie liefen tatsächlich im Fernsehen.

MTV Werbung
MTV Werbung 1995

MTV und VIVA befanden sich auf ihrem Höhepunkt. Musikvideos dominierten die Popkultur und Boardsport war mittendrin. Surfmarken, Skatefirmen und Action-Sports-Brands schalteten Anzeigen, sponserten Sendungen und profitierten von einer Aufmerksamkeit, die heute fast unvorstellbar erscheint.

Während heute ein Instagram-Reel nach wenigen Stunden wieder verschwindet, wurden damals neue Surfvideos wochenlang diskutiert.

Die Szene war kleiner, aber gleichzeitig sichtbarer.

Das SURFERS Cover 4/1996
Das SURFERS Cover 4/1996

Die goldene Zeit der Surfmagazine

Auch die Surfmedien erlebten ihren absoluten Höhepunkt.

Die groĂźen internationalen Magazine wie SURFER, Surfing, Tracks oder Surf Europe verkauften Hunderttausende Exemplare. Gleichzeitig entstanden ĂĽberall nationale Magazine.

Selbst wir bei SURFERS waren damals noch ein völlig anderes Heft.

Wer heute durch alte Ausgaben blättert, entdeckt eine Zeitreise in die Boardsportgeschichte. Rund 80 Prozent der Inhalte drehten sich um Windsurfen. Surfen spielte zwar bereits eine Rolle, war aber noch weit davon entfernt, den Stellenwert von heute zu besitzen.

WEST Werbung
Das Backcover des SURFERS 1999

Und während heute Nachhaltigkeit, Reiseschutz oder Elektroautos die Anzeigenplätze dominieren, zierten damals nicht selten Zigarettenmarken die Backcover.

Eine andere Zeit.

Eine andere Welt.

 

Chiemsee Pipe Masters
Chiemsee Pipe Masters Werbung

Chiemsee, die Pipe Masters und deutsche Surfgeschichte

Auch die Sponsorenlandschaft sah völlig anders aus.

Viele deutsche Boardsportler erinnern sich noch an die legendären Chiemsee Pipe Masters auf Hawaii.

Kaum vorstellbar aus heutiger Sicht: Eine deutsche Bekleidungsmarke trat als Titelsponsor eines der prestigeträchtigsten Surf-Events der Welt auf.

Die Verbindung zwischen Europa und Hawaii war damals deutlich stärker sichtbar als heute.

Und während Kalifornien und Australien die Szene dominierten, entstanden gleichzeitig die ersten deutschen Surfhelden.

Back to the 90s

Thomas, Marlon & Quirin

Thomas Lange reiste als erster deutscher Surfer im Quiksilver-Team um die Welt und zeigte, dass eine internationale Surfkarriere nicht nur Australiern oder Kaliforniern vorbehalten war.

Thomas Lange

Kurz darauf wurde Marlon Lipke als blonder Grom aus Portugal gefeiert und entwickelte sich später zum erfolgreichsten deutschen Profisurfer seiner Generation.

Marlon Lipke

Gleichzeitig machte Quirin Rohleder, der „König des Eisbachs“, das Riversurfen weit über München hinaus bekannt.

Quirin Rohleder

Mit seinem lässigen Style und seiner Präsenz in Magazinen und TV-Beiträgen wurde er zum Gesicht einer jungen deutschen Surfkultur, lange bevor Flusswellen und Citysurfing weltweit zum Trend wurden.


Back to the 90s

Die RĂĽckkehr der Kult-Sonnenbrillen

Kaum ein Accessoire steht so sehr für die Ära von Taylor Knox, Shane Dorian oder frühen Momentum-Tagen wie die Sonnenbrillen dieser Zeit. Arnette und auch OAKLEY erleben aktuell ein kleines Revival. Modelle, die vor einigen Jahren noch als Relikte vergangener Tage galten, wirken plötzlich wieder modern.

Black Flys Werbung

Selbst Black Flys taucht wieder häufiger auf. Die kalifornische Marke gehörte in den 90ern und frühen 2000ern praktisch zur Grundausstattung vieler Surfer, Skater und BMX-Fahrer.

Heute wirken die Brillen fast rebellisch. Gerade weil sie sich so deutlich von den minimalistischen Lifestyle-Brands der letzten Jahre unterscheiden.

Und das ergibt durchaus Sinn.

Denn während viele moderne Lifestyle-Brillen bewusst zurückhaltend gestaltet sind, verkörpert beispielsweise die legendäre OAKLEY Eye Jacket genau das Gegenteil. Sie ist laut, auffällig und kompromisslos. Genau wie die Zeit, aus der sie stammt.

Back to the 90s

Blondierte Haare und Anti-Fashion

Auch optisch scheint sich die Szene wieder stärker an ihren Wurzeln zu orientieren.

Blondierte Haare erleben nicht nur bei Surfern ein Comeback. Was früher durch unzählige Stunden in Sonne und Salzwasser entstand, wird heute (teilweise) wieder bewusst inszeniert.

Der Look erinnert an eine Zeit, in der Surfer weniger Influencer und mehr Strandkinder waren.

Unperfekt. Chaotisch. Authentisch.

Und genau das scheint viele junge Boardsportler aktuell anzusprechen.

Billabong Anzeige aus 1997
Billabong Anzeige aus 1997

Baggy is back

Wer vor zehn Jahren mit übergroßen Hosen auf einem Contest erschienen wäre, hätte vermutlich einige irritierte Blicke geerntet. Heute sind Baggy Pants wieder überall.

Im Skateboarding begann die Entwicklung bereits vor einigen Jahren. Mittlerweile hat sie längst auch den Surfkosmos erreicht. Lockere Schnitte, weite Jeans und übergroße Hoodies ersetzen zunehmend die engen Silhouetten der 2010er-Jahre.

Besonders interessant:
Die neue Generation entdeckt diese Looks oft zum ersten Mal, während ältere Surfer und Skater sie bereits aus ihrer Jugend kennen.

Back to the 90s

Boardshorts werden wieder länger

Vielleicht zeigt sich die RĂĽckkehr der Vergangenheit nirgendwo deutlicher als bei den Boardshorts.

In den vergangenen Jahren wurden die Hosen immer kĂĽrzer. Jetzt bewegt sich das Pendel wieder in die andere Richtung.

Ăśberlange Boardshorts, die bis weit ĂĽber das Knie reichen, tauchen zunehmend in Kollektionen und Surfvideos auf. Sie erinnern an die Zeit von Andy Irons, Bruce Irons, Taj Burrow oder den frĂĽhen Dane Reynolds.

Praktisch? Darüber lässt sich streiten.

Ikonisch? Definitiv.

Back to the 90s

Die RĂĽckkehr der Kultmarken

Besonders spannend ist die Rückkehr einiger Marken, die den Boardsport in den 90ern entscheidend geprägt haben. Rusty gehört zweifellos dazu.

Die Kultmarke steht wie kaum eine andere für die Ästhetik dieser Zeit. Große Logos, auffällige Grafiken und eine starke Verbindung zur Surfkultur machten Rusty in den 90ern und frühen 2000ern zu einer festen Größe.

Rusty Anzeige

Nach Jahren im Hintergrund erlebt die Marke aktuell wieder deutlich mehr Aufmerksamkeit.

Vielleicht auch deshalb, weil viele Surfer genug von austauschbaren Lifestyle-Labels haben und sich wieder nach Marken sehnen, die tatsächlich aus der Surfkultur stammen.

Billabong Anzeige

Billabong entdeckt seine Geschichte neu

Selbst die großen Marken beginnen wieder, ihre Archive zu öffnen.

Billabong hat kürzlich die legendäre Andy Irons Collection neu aufgelegt und dabei nicht nur auf alte Designs zurückgegriffen, sondern auch die berühmte Rising Sun Boardshort zurückgebracht.

FĂĽr viele Surfer ist das mehr als nur eine neue Kollektion.

Billabong Andy Irons Kollektion

Die Rising Sun Boardshort gehört zu den ikonischsten Boardshorts der Surfgeschichte. Sie steht für eine Zeit, in der Andy Irons die Tour dominierte und Surffilme noch auf DVDs gesammelt wurden.

Auch das klassische Billabong-Logo taucht wieder häufiger auf.

Ein deutliches Zeichen dafĂĽr, dass Heritage aktuell wieder gefragt ist.

Billabong Andy Irons Kollektion

Back to the 90s

Vielleicht erklärt genau das die aktuelle Rückkehr der 90er.

Es geht nicht nur um Baggy Pants, Oakley Eye Jackets oder alte Rusty-Logos. Es geht um eine Zeit, in der Surfing, Skating und Snowboarding noch etwas wilder, unperfekter und unabhängiger wirkten.

Eine Zeit von Thomas Lange, dem jungen Marlon Lipke, Quirin Rohleder am Eisbach, den Chiemsee Pipe Masters, Black-Flys-Anzeigen und Surfmagazinen, die nach Salzwasser, Druckerschwärze und Zigarettenwerbung rochen.

Die aktuelle Generation entdeckt diese Welt gerade neu. Und vielleicht ist das der eigentliche Grund, warum die 90er zurĂĽck sind.

Nicht wegen der Mode. Sondern wegen des LebensgefĂĽhls.

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