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THE HYPE Bali

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THE HYPE: Bali im Wandel

Vom Surfmekka zum Creator Hotspot

Für Generationen von Surfern war und ist die indonesische Insel weit mehr als nur ein Reiseziel. Sie war der Ort, an dem viele ihre erste perfekte Reef-Welle gesurft sind. Der Ort, an dem aus einem zweiwöchigen Urlaub plötzlich mehrere Monate wurden. Und für nicht wenige sogar der Beginn eines völlig neuen Lebens.

Kaum ein anderes Reiseziel hat die Surfkultur so geprägt wie die „Insel der Götter“. Seit mehr als fünf Jahrzehnten pilgern Surfer aus aller Welt nach Uluwatu, Bingin oder Padang Padang, auf der Suche nach perfekten Wellen, tropischer Gelassenheit und diesem ganz besonderen Lebensgefühl, das Bali über Jahrzehnte ausmachte.

Dass die Faszination bis heute ungebrochen ist, merken wir. Ausgerechnet einer unserer ungewöhnlichsten Beiträge ist bis heute einer der meistgelesenen Artikel überhaupt: Top 10: Gefahren auf Bali, an die man nicht sofort denkt. Offenbar zieht kaum ein anderes Surfziel so viel Aufmerksamkeit auf sich wie Bali. Die Insel fasziniert, polarisiert und weckt Fernweh wie kaum ein anderer Ort auf der Welt.

Bali

Auch für uns war Bali über viele Jahre so etwas wie ein zweites Zuhause. Damals führte uns fast jede Indonesienreise zunächst auf die Insel, bevor es weiter nach Lombok, Sumbawa oder Java ging. Bali war Ausgangspunkt, Treffpunkt und Rückzugsort zugleich.

Damals freute man sich morgens über einen Bali Coffee mit Kondensmilch, diskutierte nach der Session im Warung, ob heute Nasi Goreng oder doch einmal Bami Goreng mit Egg on top auf den Teller kommt, und traf abends dieselben Gesichter wieder, die man morgens draußen im Line-up gesehen hatte.

Seminyak galt als die elegante Ecke der Insel. Kuta war das Zuhause von Backpackern, Surfern und allen, die mit wenig Geld möglichst lange bleiben wollten. Dreamland machte seinem Namen alle Ehre. Kleine Strandhütten säumten den Strand, auf den Klippen grasten Kühe und außer ein paar Einheimischen und Surfern schien sich kaum jemand für diesen Ort zu interessieren.

Bali

Natürlich verklärt die Erinnerung vieles.

Auch damals war Bali längst kein Geheimtipp mehr. Seit den 1970er Jahren galt die Insel als eines der bedeutendsten Surfziele der Welt und zog Surfer aus Australien, den USA und Europa magisch an. Doch trotz aller Bekanntheit fühlte sich Bali lange erstaunlich ursprünglich an. Die Insel lebte nicht vom perfekten Instagram-Foto, sondern von ihrer Kultur, ihrer Gelassenheit und einer Surfszene, die sich fast ausschließlich um den nächsten Swell drehte.

Heute, gut zwei Jahrzehnte später, sind die Wellen noch immer dieselben, aber alles andere hat sich verändert.

Uluwatu in den 70ern / Screenshot

Wie Bali zum Surfmekka wurde

Dass Bali heute als eines der berühmtesten Surfziele der Welt gilt, war keineswegs selbstverständlich. Noch bis in die späten 1960er Jahre reisten nur wenige westliche Besucher auf die Insel. Zwar waren die Wellen schon immer da, doch außerhalb Indonesiens wusste kaum jemand von den perfekten Riffen entlang der Bukit-Halbinsel.

Erst Anfang der 1970er Jahre änderte sich das. Australische und amerikanische Surfer begannen auf der Suche nach neuen Wellen den Indischen Ozean zu erkunden. Namen wie Bob Laverty, Gerry Lopez, Peter McCabe oder später Rory Russell tauchten immer häufiger in Reiseberichten und den ersten Surffilmen auf. Besonders Gerry Lopez, der „Mr. Pipeline“ genannt wurde, machte Bali international bekannt. Seine legendären Sessions in Uluwatu prägten das Bild einer Insel, auf der perfekte Lefthander über messerscharfe Korallenriffe liefen und das Line-up oft nur mit einer Handvoll Surfern geteilt werden musste.

 

Uluwatu in den 70ern / Screenshot
Uluwatu in den 70ern / Screenshot

Uluwatu selbst war damals nur über einen kleinen Felsspalt und unzählige Stufen erreichbar. Es gab weder Parkplätze noch Restaurants oder Surfshops. Wer dort surfen wollte, musste sein Board durch den Tempel tragen und den schmalen Höhleneingang zum Strand hinunterklettern. Genau diese Abgeschiedenheit machte den Spot zu einer Legende.

Mit Bruce Browns Kultfilm The Endless Summer begann zwar bereits 1966 die große Sehnsucht nach exotischen Surfreisen, doch erst Filme wie Morning of the Earth von Alby Falzon oder später The Performers und zahlreiche Quiksilver- und Billabong-Produktionen machten Bali endgültig zum Sehnsuchtsort einer ganzen Surfergeneration. Bilder von Uluwatu, Padang Padang oder Bingin gingen um die Welt und wurden für viele zum Synonym des perfekten Surftrips.

Uluwatu in den 70ern
Gerry Lopez in Uluwatu / Screenshot

In den Achtziger- und Neunzigerjahren entwickelte sich Bali schließlich zum Zentrum des Surfens in Indonesien. Von hier aus starteten Expeditionen nach Lombok, Sumbawa, Java oder später in die Mentawais. Wer nach Indonesien wollte, landete fast immer zuerst auf Bali. Die Insel war Basislager, Treffpunkt und Tor zu den wohl besten Wellen der Welt.

Vom Surfmekka zum Creator Hotspot

Natürlich verändert sich jeder Ort mit der Zeit. Auch Bali konnte nicht ewig das kleine Surfparadies bleiben, das einst nur wenige kannten.

Doch die Geschwindigkeit, mit der sich die Insel in den vergangenen zehn bis fünfzehn Jahren verändert hat, ist beeindruckend und gleichzeitig beunruhigend.

Vor allem Canggu ist zum Sinnbild dieser Entwicklung geworden. Aus einem verschlafenen Küstendorf wurde einer der bekanntesten Hotspots für digitale Nomaden weltweit. Zwischen Coworking Spaces, Specialty Coffee, Fitnessstudios und Designerboutiquen scheint das Meer manchmal fast zur Nebensache geworden zu sein.

Wer heute durch Canggu fährt, verbringt oft mehr Zeit im Verkehr als im Wasser.

 

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Instagram und TikTok haben ihren Teil dazu beigetragen. Millionen Menschen kennen Bali, obwohl sie nie dort waren. Reisfelder, Infinity Pools und Designer-Cafés sind längst zu festen Bestandteilen des digitalen Sehnsuchtsortes geworden.

Eine wissenschaftliche Untersuchung der STIPRAM Tourism University kommt zu dem Schluss, dass soziale Medien den Overtourism auf Bali erheblich beschleunigt haben. Insbesondere Regionen wie Canggu leiden unter wachsender Flächenversiegelung, zunehmendem Verkehrsaufkommen und steigenden Grundstückspreisen.

Social Media hat Bali nicht verändert.

Aber es hat die Entwicklung massiv beschleunigt.

Bingin: Der Abriss einer Surflegende

Wie kompliziert dieser Wandel geworden ist, zeigte sich am legendären Bingin Beach.

Über Jahrzehnte entstand hier eine einzigartige Mischung aus kleinen Homestays, Warungs und familiengeführten Unterkünften direkt oberhalb des Strandes. Genau dieser improvisierte Charme machte Bingin für viele Surfer zu einem der authentischsten Orte Balis und das nicht nur wegen der weltklasse Barrel.

 

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Dann begannen die Abrissarbeiten.

Dutzende Warungs und Unterkünfte wurden von den Behörden entfernt. Offiziell geschah dies aufgrund fehlender Genehmigungen und Verstößen gegen Bauvorschriften.

Rechtlich mag dieser Schritt nachvollziehbar sein. Dennoch bleibt ein bitterer Beigeschmack.

Denn ausgerechnet jene kleinen Betriebe, die Bingin überhaupt erst zu einem weltberühmten Surfspot gemacht haben, verschwinden zunehmend. Gleichzeitig entstehen an anderen Teilen der Insel immer größere Hotelanlagen und luxuriöse Villenprojekte.

Viele Einheimische fragen sich deshalb, für wen Bali eigentlich entwickelt wird.

Für viele balinesische Familien ist der Verkauf ihres Landes wirtschaftlich nachvollziehbar. Gegen internationale Investoren kann Landwirtschaft kaum konkurrieren. Dennoch verschwindet mit jedem neuen Bauprojekt ein Stück jener Landschaft, die Bali über Generationen geprägt hat.

Dabei sind die Reisfelder weit mehr als nur eine schöne Kulisse für Urlaubsfotos. Das traditionelle Subak-Bewässerungssystem gehört seit 2012 zum UNESCO-Weltkulturerbe und gilt als eines der ältesten nachhaltigen Bewässerungssysteme der Welt.

Wenn Reisfelder verschwinden, verschwindet nicht nur Natur. Es verschwindet Kultur.

Bali Reisfelder

Kann man eine Küste schützen und gleichzeitig verändern?

Auch am Pura Luhur Uluwatu wird weiterhin intensiv diskutiert. Zum Schutz des berühmten Tempels vor weiterer Erosion entsteht eine massive Küstenbefestigung. Das Projekt soll die jahrhundertealten Klippen sichern und den Tempel langfristig erhalten.

 

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Doch genau hier beginnt die Debatte.

Kritiker befürchten, dass großflächige Eingriffe in die Küstenlinie langfristig Auswirkungen auf Strömungen, Sedimenttransport und möglicherweise sogar auf die umliegenden Surfspots haben könnten. Beim letzten großen Swell wurden wohl auch bereits erste Teile der Konstruktionen beschädigt.

Niemand stellt den Schutz eines der bedeutendsten Tempel Balis infrage. Die Frage lautet vielmehr, wie viel Technik eine Landschaft verträgt, deren größte Stärke bislang ihre Natürlichkeit war.

Zwischen Traumstränden und Müllbergen

Wer in den vergangenen Jahren zwischen Dezember und März auf Bali surfen war, kennt die Bilder.

Plastikflaschen treiben im Line-up. Tüten verfangen sich in den Riffen. Nach starken Regenfällen werden ganze Teppiche aus Müll an die Strände gespült. Besonders an der Westküste rund um Kuta, Seminyak oder Canggu sammeln sich während der Monsunzeit jedes Jahr Tonnen von Plastik, Holz und Hausmüll.

Doch die eigentliche Krise spielt sich längst nicht mehr nur am Meer ab.

Bali steckt inzwischen in einer handfesten Abfallkrise. Jeden Tag entstehen auf der Insel mehrere tausend Tonnen Müll. Gleichzeitig kommt das bestehende Entsorgungssystem immer häufiger an seine Grenzen. Nachdem die Behörden die Nutzung der riesigen Deponie Suwung bei Denpasar schrittweise eingeschränkt haben, weil sie als umweltschädliches Open-Dumping-System gilt, fehlten vielerorts funktionierende Alternativen.

Das Ergebnis: Müllberge wachsen am Straßenrand, illegale Deponien entstehen auf freien Flächen und in Reisfeldern, Abfälle werden verbrannt oder landen in Flüssen.

Umweltorganisationen sprechen inzwischen offen von einer „Müllkrise“. Gary Bencheghib, Mitgründer der auf Bali gegründeten Organisation Sungai Watch, beschreibt die Situation als beispiellos. Viele Menschen wüssten schlicht nicht mehr, wohin mit ihrem Abfall.

 

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Während die Insel versucht, ihr Abfallsystem grundlegend umzubauen, häufen sich Berichte über wilde Müllkippen, brennende Müllberge und illegale Entsorgung entlang von Straßen und Flussufern.

Besonders bitter ist dabei die Ironie: Ausgerechnet die Reisfelder und Flächen, die vielerorts noch nicht bebaut wurden, dienen inzwischen immer häufiger als provisorische Müllabladeplätze. Wo früher Wasserbüffel grasten, türmen sich heute Plastiksäcke und Bauschutt.

Natürlich wäre es zu einfach, den Tourismus allein für diese Entwicklung verantwortlich zu machen. Indonesien kämpft grundsätzlich mit großen Herausforderungen im Bereich der Abfallwirtschaft. Gleichzeitig lässt sich nicht leugnen, dass Bali jedes Jahr Millionen Besucher empfängt und mit Hotels, Restaurants, Beach Clubs und immer neuen Villenprojekten deutlich mehr Müll produziert, als die bestehende Infrastruktur vielerorts bewältigen kann. Nach Angaben der Umweltbehörden wurden 2025 auf Bali rund 3.400 Tonnen Abfall pro Tag erzeugt, von denen weniger als ein Drittel ordnungsgemäß verarbeitet werden konnte.

Vielleicht hat Bali seine Seele nie verloren

Vielleicht hat sie sich einfach ein Stück weiter zurückgezogen.

Denn wer heute nur der typischen Social-Media-Rundreise folgt, landet fast zwangsläufig an denselben Orten. Frühstück im Instagram-Café in Canggu, Sonnenuntergang in Uluwatu, ein Foto am T-Rex von Kelingking Beach, vielleicht noch auf der Suche nach der berühmten, versteckten Villa von Musikern wie Cro. Dazwischen dieselben Beach Clubs, dieselben Fotospots und dieselben Menschen, die alle auf der Suche nach dem einen perfekten Reel sind.

Dabei beginnt das eigentliche Indonesien oft genau dort, wo der Algorithmus endet.

Tanah Lot
Touri Hot Spot Tanah Lot

Schon wenige Stunden von Bali entfernt warten Inseln wie Lombok, Sumbawa, Sumba oder Java mit weniger vollen Line-ups, kleinen Warungs und einer Gelassenheit, die viele von uns mit Bali „von damals“ verbinden. Aber auch auf Bali selbst gibt es sie noch, diese Orte. Abseits der bekannten Küsten erinnern daran, warum wir uns einst in diese Insel verliebt haben. Man muss nur bereit sein, die Hauptstraße auch einmal zu verlassen.

Bali

Und vielleicht gibt es sogar Grund zur Hoffnung.

Nicht jedes Bauprojekt wird inzwischen einfach durchgewunken. Nach massiver Kritik wurde der umstrittene Glaslift am berühmten Kelingking Beach auf Nusa Penida gestoppt und soll wieder zurückgebaut werden. Die Behörden begründeten die Entscheidung mit Verstößen gegen Umwelt- und Bauvorschriften sowie dem Schutz der Natur und Kultur.

Das zeigt, dass auch auf Bali ein Umdenken begonnen hat.

Die Insel steht an einem Scheideweg. Zwischen Wachstum und Bewahrung. Zwischen wirtschaftlichem Erfolg und kultureller Identität. Zwischen Tourismus und dem Wunsch, das zu erhalten, weshalb Millionen Menschen überhaupt dorthin reisen.

Am Ende liegt die Verantwortung aber nicht nur bei Investoren, Politik oder Influencern.

Sie liegt auch bei uns.

Wir entscheiden, welche Orte wir besuchen, welche Cafés wir unterstützen und welche Geschichten wir erzählen. Ob wir nur dieselben Hotspots abhaken wie alle anderen oder ob wir neugierig genug sind, hinter die nächste Kurve zu schauen.

Denn vielleicht ist genau das die schönste Erkenntnis:

Die perfekte Welle lässt sich heute zwar in wenigen Sekunden auf Instagram finden. Die wirklich besonderen Orte muss man sich immer noch selbst entdecken.

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