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THE HYPE: Warum die lokale Surfindustrie uns jetzt mehr braucht denn je

Surfen boomt. Zumindest, wenn man den Zahlen glaubt.

Kaum eine andere Sportart verkauft ein so starkes Lebensgefühl wie Surfen. Genau deshalb bedienen sich heute Unternehmen aus den unterschiedlichsten Branchen an dieser Welt. Automobilhersteller werben mit Surfboards auf den Dächern ihrer Vans, Waschmittelhersteller zeigen Familien beim gemeinsamen Family-Surf und selbst Uhren, Smartphones oder Kaffee verkaufen sich plötzlich besser, wenn irgendwo im Hintergrund ein Surfboard an einem Bulli lehnt.

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Der Lifestyle des Surfens war vermutlich noch nie so wertvoll wie heute.

Paradoxerweise gilt das jedoch immer seltener für die Unternehmen, die diesen Lifestyle überhaupt erst geschaffen haben.

Während Surfen in DACH (Deutschland, Österreich, Schweiz) wächst wie nie zuvor, kämpfen viele kleine Surfmarken ums Überleben. Das mag zunächst widersprüchlich klingen, ist aber ein Phänomen, das sich längst nicht mehr nur im Boardsport beobachten lässt. Ob Skateshops, Outdoor-Brands oder kleine Ski& Snowboardhersteller, überall geraten kleinere Unternehmen zunehmend unter Druck. Der Preis entscheidet immer häufiger über den Kauf. Die Geschichte dahinter immer seltener.

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Surfen boomt. Nur wer profitiert eigentlich davon?

Noch nie gab es so viele „landlocked“ Menschen, die das Surfen für sich entdeckt haben oder es gerne ausprobieren möchten . Künstliche Wellen entstehen im ganzen Land und jedes Jahr reisen Tausende an die Atlantikküste, oder wo auch immer eine sanfte Welle bricht. Schätzungen gehen heute von 2,5 bis 3 Millionen Menschen in Deutschland aus, die surfen oder sich dem Surfen zurechnen. Rund 500.000 davon gelten als regelmäßig aktive Surfer:innen.

Eigentlich müsste das für die Surf-Industrie ein Grund zum Feiern sein.

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Mehr Surfer bedeuten schließlich auch mehr Surfboards, mehr Neoprenanzüge, mehr Boardshorts und mehr Zubehör.

Doch genau diese Rechnung geht vielerorts nicht mehr auf.

Viele kleinere Marken berichten von sinkenden Verkaufszahlen, steigenden Produktionskosten und einem Markt, der immer stärker von großen Handelsketten geprägt wird. Gerade für Einsteiger scheint die Entscheidung logisch. Warum mehrere hundert Euro mehr für ein Surfboard ausgeben, wenn es auch deutlich günstiger geht?

Die ehrliche Antwort lautet (leider): Für viele Urlaubssurfer reicht das vollkommen aus.

Und genau deshalb geht es in dieser Geschichte ausdrücklich nicht darum, günstige Produkte schlechtzureden.

Surfers Testival

Der Einstieg war noch nie so einfach

Unternehmen wie Decathlon haben den Surfsport zweifellos demokratisiert. Noch vor zwanzig Jahren war gutes Equipment teuer und für viele Einsteiger kaum erreichbar. Heute bekommt man für vergleichsweise wenig Geld ein Softtop, einen Neoprenanzug und das passende Zubehör. Das senkt die Hemmschwelle enorm und bringt neue Menschen aufs Wasser.

Jeder von uns kennt jemanden, der genau so mit dem Surfen begonnen hat. Die eigentliche Frage stellt sich jedoch erst danach.

Was passiert, wenn immer mehr Kaufentscheidungen ausschließlich über den Preis getroffen werden?

In den vergangenen Jahren haben wir bei unseren Testtouren unzählige Surfboards von kleinen zum Teil deutschen Herstellern vorgestellt. Marken wie Delight Alliance, Rivver, Sincly, Riot, WAU, NOA, Norden, Buster, Collision, Mighty Otter und viele andere zeigen eindrucksvoll, wie viel Leidenschaft, Innovationsgeist und handwerkliches Können inzwischen in der lokalen Surfszene steckt.

Viele dieser Boards müssen sich qualitativ längst nicht mehr hinter internationalen Shapern verstecken. Im Gegenteil. Oft entstehen sie in kleinen Werkstätten, werden direkt mit den Fahrern weiterentwickelt und erzählen Geschichten, die man in keinem Produktkatalog findet.

Doch genau diese Unternehmen kämpfen heute um ihre Existenz.

Nicht weil ihre Produkte schlechter wären, sondern weil sie gegen Preise konkurrieren müssen, die sich in kleinen Stückzahlen kaum realisieren lassen.

Dabei waren es genau diese kleinen Marken, die den deutschsprachigen Surfsport über Jahrzehnte geprägt haben.

Sie organisierten Tests, unterstützten Nachwuchstalente, lokale Contest, entwickelten neue Shapes und waren dort präsent, wo die großen Player oft gar nicht auftauchten.

SURFERBOARD TEST TOUR Wellenwerk

Ein gutes Surfboard entsteht (meist) nicht am Fließband

Vielleicht wird das Dilemma nirgendwo deutlicher als beim Surfboard selbst.

Von außen betrachtet sieht ein Board oft aus wie das andere. Ein bisschen Schaum, etwas Fiberglas, Harz und ein schönes Design. Dass hinter einem guten Shape oft Jahre oder sogar Jahrzehnte an Erfahrung stecken, sieht man ihm nicht an.

Ein funktionierendes Surfboard zu entwickeln ist ein langwieriger Prozess. Rocker, Rails, Outline, Volumenverteilung oder Bottom Shape müssen immer wieder angepasst, getestet und verfeinert werden. Viele kleine Shaper verbringen unzählige Stunden im Wasser und in der Werkstatt, bis ein Board wirklich so funktioniert, wie sie es sich vorstellen. Genau diese Entwicklungsarbeit ist der eigentliche Wert eines Surfboards.

Das Problem: Diese Arbeit lässt sich kaum skalieren.

NOA Surfboards Shapen

Während große Hersteller tausende Boards produzieren und dadurch ganz andere Einkaufspreise und Margen erzielen, entstehen viele Shapes kleiner Marken in vergleichsweise kleinen Stückzahlen. Die Kosten für Entwicklung, Produktion und Material verteilen sich also auf deutlich weniger Boards. Wirtschaftlich ist das ein enormer Nachteil.

Gleichzeitig fehlt vielen Kunden das Verständnis dafür, warum ein Surfboard eines lokalen Shapers oder einer kleinen Marke mehrere hundert Euro mehr kosten kann als ein industriell gefertigtes Serienboard. Auf den ersten Blick sehen schließlich beide ähnlich aus.

Dabei kauft man mit einem Board aus einer kleinen Werkstatt oft weit mehr als nur Schaum und Glasfaser. Man bezahlt für Erfahrung, unzählige Teststunden, persönliche Beratung und jemanden, der genau weiß, welche Boards an der Nordsee, im Eisbach oder in den Beachbreaks Südwestfrankreichs wirklich funktionieren.

Gerade in der DACH-Region haben lokale Brands über Jahre Shapes entwickelt, die auf unsere heimischen Bedingungen abgestimmt sind. Dieses Wissen entsteht nicht über Nacht und schon gar nicht in einer Marketingabteilung.

Wenn solche Shaper irgendwann verschwinden, verlieren wir nicht einfach nur eine Marke.

Wir verlieren jahrzehntelange Erfahrung.

Johnny

Individualismus endet nicht beim Surfboard

Surfen versteht sich seit jeher als Gegenentwurf zum Mainstream. Wir suchen leere Line-ups statt Menschenmassen, fahren lieber die kleine Küstenstraße als die Autobahn…

Umso spannender ist die Frage, warum wir ausgerechnet beim Material oft ganz anders entscheiden.

Denn eines muss man fairerweise sagen: Die meisten Surfboards funktionieren heute erstaunlich gut. Das gilt ebenso für Boardshorts, Neoprenanzüge oder sonstigem Equipment. Die Unterschiede liegen häufig nicht mehr in der grundsätzlichen Funktion.

Der eigentliche Unterschied entsteht oft erst nach dem Kauf.

Unterstützen wir eine Marke, die den Surfsport seit Jahren voranbringt? Oder kaufen wir bei einem Unternehmen, für das Surfen lediglich eine von vielen Produktkategorien ist?

Beides ist legitim.

Aber es ist eben nicht dasselbe.

Vielleicht lohnt es sich aber, beim nächsten Kauf einen Moment länger nachzudenken.

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