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adh-Open Wellenreiten 2026

Podcast

Lisa Schubert: Die Longboard-Siegerin der adh Open 2026 im Interview

Lisa über Leidenschaft, Longboarding und ihren ersten Contest-Sieg

Header-Foto: Sean Gossler

Wer Lisa Schubert auf dem Longboard sieht, würde wohl kaum vermuten, dass die 25-Jährige die vergangenen Jahre vor allem zwischen Jura-Lehrbüchern, Staatsexamensvorbereitung und Kanzleialltag verbracht hat. Doch neben ihrer juristischen Laufbahn hat Lisa noch eine zweite große Passion: das Meer.

Wann immer sie kann, verbringt die Kielerin jede freie Minute am Wasser und hat im Longboarden ihre große Leidenschaft gefunden. Im Interview spricht die frisch gekürte adh-Longboard Gewinnerin über ihren ersten Contest-Sieg, die besondere Magie des Longboardens und ihre Liebe zum Meer.

Lisa Schubert
Foto: John Feldmann

Hey Lisa! Congrats zum Longboard-Sieg bei den adh-Open 2026! Für alle, die dich noch nicht kennen: Stell dich doch mal kurz vor.

Hey, ich bin Lisa, 25 Jahre alt und „born and raised“ in Kiel. Hier habe ich auch Jura studiert. In meiner Freizeit versuche ich eigentlich jede freie Minute auf oder am Wasser zu verbringen, egal ob beim Surfen, Schwimmen, Tauchen oder Segeln. Wenn ich nicht im Wasser bin, findet man mich meistens auf dem Skateboard oder einfach irgendwo dort, wo es Wellen gibt.

Ich bin übrigens Skorpion und damit tatsächlich ein Wasserzeichen. Ob man an Sternzeichen glaubt oder nicht: angesichts meiner Leidenschaft fürs Meer und alles, was mit Wasser zu tun hat, passt das eigentlich ziemlich gut (lacht).

Lisa Schubert

Seit wann surfst du und wie bist du überhaupt zum Surfen gekommen?

Meinen ersten Surfkurs habe ich mit 15 gemacht. Ich wollte damals unbedingt surfen lernen. Das klingt vielleicht kitschig, aber ich hatte schon immer das Gefühl, dass Surfen mein Sport sein könnte. Ich komme aus einer Seglerfamilie und hatte schon immer eine enge Verbindung zum Meer und zu Wellen.

Lisa Schubert

Nach dem ersten Kurs konnte ich allerdings lange kaum surfen, weil wir als Familie viel segeln waren. Als ich mit 18 mein eigenes Auto hatte, ging es dann richtig los. Ich bin bei jeder Gelegenheit an die Ost- oder Nordsee gefahren, egal ob Sturm, eisige Temperaturen oder 40 km/h Onshore. Hauptsache aufs Wasser. 2020 habe ich mir dann mein erstes eigenes Longboard gekauft. Seitdem begleitet mich das Board eigentlich überall hin.

Longboarden war also von Anfang an dein Ding?

Ja, irgendwie schon. Ich habe nie wirklich hinterfragt, ob ich vielleicht mal ein kürzeres Board surfen sollte. Longboarden hat sich für mich einfach richtig angefühlt. Selbst wenn Freunde mit Shortboards bei anspruchsvollen Bedingungen draußen waren, bin ich einfach mit meinem Longboard mit raus. Ich habe nie gedacht: „Jetzt brauche ich unbedingt ein kürzeres Brett.“ Stattdessen habe ich versucht, die Welle etwas anders zu lesen, auf der Schulter anzustarten und meinen eigenen Weg zu finden. Das hat für mich immer funktioniert.

Lisa Schubert

Was fasziniert dich am Longboarden besonders?

Eigentlich alles.

Die Art, wie man sich mit der Welle bewegt, die Boards selbst, die Ästhetik des Sports, und vor allem die Community.

Ich habe das Gefühl, dass beim Longboarden immer der Spaß und das gemeinsame Erlebnis im Vordergrund stehen. Es fühlt sich weniger nach einem Kampf gegen die Welle an und mehr nach einem Zusammenspiel mit ihr.

Für mich ist jede Welle eine Art Teamwork zwischen Mensch und Meer.

Lisa Schubert

Foto: @lauratiedtke

Welches Board surfst du aktuell am liebsten?

Das Board, mit dem ich jetzt den Contest gewonnen habe, ist ein 9’7’’ Noserider von Garmendia aus Spanien.

Ich liebe dieses Brett. Es hat einen Triple Stringer, ist gelb und inzwischen bei mir schon in dritter Hand. Das zeigt eigentlich ganz gut, dass man nicht immer das neueste oder teuerste Material braucht.

Außerdem surfe ich ein Daily Log von Panther aus Biarritz und einen 9’2’’ Noserider von Surfing State. Je nach Bedingungen wechsle ich zwischen den Boards, aber auf allen habe ich unglaublich viel Spaß.

Lisa Schubert
Foto: Charlotte Meisl

Hast du einen Lieblings-Move auf dem Longboard?

Viele würden wahrscheinlich erwarten, dass ich jetzt Hang Ten sage. Natürlich fühlt sich das großartig an.

Aber mein Lieblingsmoment ist tatsächlich der Take-off.

Dieser Augenblick, wenn du die Welle anpaddelst, ins Gleiten kommst und plötzlich merkst: „Okay, ich habe sie.“ Jede Welle ist anders, jeder Take-off ist anders und genau das liebe ich daran. Für mich beginnt dort die Magie einer Surfsession.

Lisa Schubert
Foto: John Feldmann

Verrätst du uns deinen Lieblingsspot?

Einer meiner schönsten Surf-Momente war definitiv auf Lobos vor Fuerteventura. Man fährt mit dem Boot raus, wird an der Welle abgesetzt und später wieder eingesammelt. Die lange rechte Welle dort ist einfach unglaublich. Und Parlamentia im Baskenland. Als Regular haben es mir die langen rechten Wellen dort sehr angetan. Es ist oft voll, aber wenn man die richtige Welle erwischt, macht es unfassbar Spaß. Achso und Mundaka auf dem Log war schon auch crazy!

Lisa Schubert
Foto: Charlotte Meisl

Du warst bereits mehrfach bei den adh-Open im Wellenreiten. Was macht dieses Event so besonders für dich?

Ich war jetzt insgesamt drei Mal dabei. Was die adh-Open für mich ausmacht, sind vor allem die Menschen. Die Stimmung war unglaublich. Alle waren motiviert, haben sich gegenseitig unterstützt und einfach Lust gehabt, gemeinsam eine gute Zeit zu haben.

Die Bedingungen waren dieses Jahr recht tricky. Wie hast du die Conditions erlebt?

Definitiv anspruchsvoll. Die Wellen waren recht groß, es gab Strömung und man musste sich wirklich exakt positionieren. Man konnte nicht einfach entspannt auf der Schulter starten, sondern musste häufig direkt am Peak sitzen und sich auf einen ziemlich steilen Take-off einstellen. Aber genau solche Bedingungen machen mir auch Spaß. Wenn man die Angst vor größeren Wellen ablegt und sich gut positioniert, kann man unglaublich viel Spaß haben, und den hatte ich definitiv.

Waren die adh-Open jetzt dein erster Contest-Sieg?

Ja, tatsächlich. Ich habe vorher schon bei Events wie dem Petro-Surf auf Sylt oder den Belza Classics in Biarritz mitgemacht, aber gewonnen habe ich vorher noch nie! Gleichzeitig lernt man bei Wettbewerben unglaublich viel. Man surft mit starken Athlet:innen und Athleten zusammen und nimmt aus jedem Event etwas mit.

Lisa Schubert
adh-Open Wellenreiten 2026

Foto: @lauratiedtke / Foto: Sean Gossler

Wie fühlt sich dieser Sieg jetzt an?

Richtig gut! Besonders schön finde ich, wie sehr sich die Community mitfreut. Obwohl Surfen im Contest ein Einzelsport ist, fühlt es sich durch den Support der anderen überhaupt nicht einsam an. Man teilt den Moment mit allen um sich herum. Für mich ist das auch deshalb etwas Besonderes, weil ich mein ganzes Leben Mannschaftssport gemacht habe.

Zum ersten Mal etwas alleine gewonnen zu haben, nur mit meinem Board, der Welle und mir selbst, gibt einem ein starkes Gefühl von Selbstwirksamkeit.

Wie stehst du generell zum Contest-Surfen?

Das ist tatsächlich ein Zwiespalt für mich. Surfen war immer mein Ausgleich, mein Rückzugsort und etwas, das ich ausschließlich mit Freude verbunden habe. Durch Wettkämpfe kommt automatisch Druck dazu. Manchmal frage ich mich, ob das meinem ursprünglichen Gedanken vom Surfen widerspricht.

Andererseits lerne ich bei Contests unglaublich viel. Es macht mega Spaß, mal eine richtig gute Welle mit nur wenigen Leuten im Wasser zu surfen. Und, ich gebe es zu, gewinnen fühlt sich natürlich auch ziemlich gut an.

adh Open im Wellenreiten 2023
Foto: Sean Gossler

Was machst du, wenn du gerade nicht surfst?

Aktuell arbeite ich als wissenschaftliche Mitarbeiterin in einer Hamburger Wirtschaftskanzlei. Im August wartet allerdings ein großes Abenteuer auf mich: Ich ziehe nach Los Angeles und beginne an der UCLA (University of California, Los Angeles) meinen Master of Laws. Nach meinem ersten Staatsexamen möchte ich dort meinen nächsten juristischen Abschluss machen. Und natürlich freue ich mich riesig darauf, künftig deutlich näher an Wellen zu leben als bisher.

Lisa Schubert
Lisa Schubert
Lisa Schubert

Foto: John Feldmann

Also wann geht’s dann das nächste Mal ins Wasser?

Wenn alles nach Plan läuft, wahrscheinlich ab August in Malibu. Vielleicht schaffe ich vorher noch einen spontanen Dänemark-Trip, aber das hängt wie immer vom Forecast ab. Ansonsten wartet der Pazifik auf mich, und darauf freue ich mich schon riesig.

Zum Schluss: Was bedeutet Surfen dir?

Surfen bedeutet mir unglaublich viel. Vor allem, weil ich darin meine Leidenschaft gefunden habe.

Lisa Schubert

Ich glaube, viele Menschen suchen ihr ganzes Leben nach etwas, für das sie wirklich brennen. Ich habe das Gefühl, es gefunden zu haben.

Surfen lässt mich lebendig fühlen. Es gibt mir Freude, verbindet mich mit der Natur und mit Menschen, die dieselbe Begeisterung teilen. Das Schönste daran ist: Man muss dafür weder Profi sein noch Contests gewinnen. Diese Leidenschaft kann jeder erleben, egal auf welchem Level. Und genau dafür bin ich unglaublich dankbar.

Lisa Schubert

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