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German Open 2024

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Susanne Lücke über ihren ersten Contest-Sieg | German Open 2024

Warum wir mehr Mädels bei der German Open brauchen

Susanne Lücke ist 33 Jahre alt, kommt aus Hildesheim bei Hannover und lebt und arbeitet in Frankfurt. Surfen tut sie seit 15 Jahren. Jetzt hat sie mit den German Open 2024 den ersten Contest ihrer Surfkarriere gewonnen.

Wir haben Susi auf einen Kaffee im Midgard in Seignosse während der Surfersweek getroffen. Was ihr dieser erste Sieg bedeutet, was sie in ihrem zweiten Sabbatical surftechnisch vorhat und was ihre bisherigen Erfahrungen als Frau im Line-up, erzählt sie uns in diesem Interview.

Hey Susi. Herzlichen Glückwunsch zu deinem Sieg auf der German Open. Das war dein erster Sieg überhaupt. Wie fühlt sich das an?

Vielen lieben Dank, ich freue mich riesig über den ersten Platz, habe es aber ehrlich gesagt glaube ich noch nicht wirklich realisiert.

German Open
Foto: Flo Schötterl

Wie bist du zum Surfen gekommen?

Ich kann mich nicht mehr genau daran erinnern, warum ich unbedingt surfen wollte, aber mein Bruder meint, es kommt von einer Fernsehserie die wir manchmal gemeinsam geschaut haben, “MTV Made”. Eine amerikanische Sendung, in der die Teilnehmenden versuchen, ihre Träume zu verwirklichen. In einer Sendung ging es um eine Teilnehmerin deren Traum mit Surfen zu tun hatte, das war vermutlich der Auslöser.

Du hast erzählt, dass du vor deinem 18. Geburtstag nicht Surfen durftest. Warum?

Ich durfte so lange nicht surfen, weil meine Eltern es mir nicht erlaubt haben. Meine Mama dachte wohl, dass ich dann irgendwelche Riesenwellen surfe und dafür wollte sie nicht die Verantwortung tragen. Während eines Schüleraustauschs in Amerika habe ich dann durch einen glücklichen Zufall doch schon mit 17 meine erste Welle gesurft, aber das ist eine längere Geschichte. ;)

Susanne Lücke

Wie ging es bei dir mit dem Surfen weiter?

Ich habe BWL im Bachelor in Hamburg studiert und danach technische BWL mit einem Energieschwerpunkt im Master im Harz. Erst während meiner Auslandssemester bin ich wieder mehr zum Surfen gekommen. Das erste habe ich im Bachelor in Bordeaux gemacht, das zweite im Master in Indonesien. Auf Bali konnte ich die 4 Monate quasi am Stück surfen. Nach meinem Studium habe ich nochmal ein Jahr Off genommen und bin gereist, bevor ich mit meinem Job angefangen habe. Damals war ich auf Teneriffa, in Frankreich, Spanien, Indonesien, Thailand und Kuala Lumpur.

Hast du am Anfang immer einen Surfkurs gemacht oder dir das Surfen selbst beigebracht?

Am Anfang habe ich immer einen Surfkurs gemacht. Das empfehle ich auch jedem, der mit dem Surfen anfangen möchte und die Möglichkeit dazu hat. Meine ersten Surfkurse waren in Frankreich. Als es nach Indonesien ging, habe ich auch noch mal extra 3 Wochen vor Unibeginn ein Surfcamp in Medewi gebucht, weil ich bis dahin nur Beachbreaks gesurft bin und Stein- und Riffuntergründe für mich vollkommen neu waren.

Susanne Lücke German Open
Foto: Florian Schötterl

Wo warst du bisher sonst noch so surfen?

Ich hoffe, ich bekomme jetzt alles zusammen: Frankreich, Spanien, Portugal, Kanaren, Marokko, Israel, Indonesien, Sri Lanka, Niederlande, Deutschland und auf Hawaii war ich auch mal, aber da war ich noch Anfängerin und habe nur einmal in Waikiki gesurft.

Hast du einen Lieblings-Surfspot?

Das fragen mich immer ganz viele Leute. Aber mir ist es egal, wo ich bin, Hauptsache es gibt irgendeine Welle. Zu Hause habe ich keine Möglichkeit zu surfen, deshalb freue ich mich über alles, was surfbar ist. Generell finde ich Beachbreaks super entspannt, weil dort alle mehr Chancen auf Wellen haben.

Hast du ein Lieblingsbrett zum Surfen?

Wenn die Wellen es zulassen, surfe ich super gerne meine Shortboards.

Susanne Lücke German Open
Foto: Antonia Bittmann

Wie bist du zum Contest-Surfen gekommen?

Mein erster Contest waren die adh-Open im Wellenreiten 2014, nach meinem Auslandssemester. Von den adh erfahren habe ich zum ersten Mal im Surfexpress auf dem Weg nach Frankreich; da haben ein paar Leute davon erzählt. Das Konzept klang mega spaßig, also habe ich mir gedacht, warum nicht mal anmelden?

Wie war denn deine erste Contest-Erfahrung?

Meine erste Contest-Erfahrung war ziemlich unterhaltsam, so weit ich mich erinnern kann. Der Moderator hat mich die ganze Zeit “Queen of Wipeout” genannt, weil ich in meinem Heat ausschließlich ziemlich üble Wipeouts hatte. Entsprechend bin ich natürlich nicht weitergekommen, hatte aber trotzdem super viel Spaß.

Warst du am Anfang sehr nervös?

Nervös bin ich immer noch. Bei Contests sind da die ganzen Leute, die zuschauen, und Judges, die dich bewerten. Ein komisches Gefühl. Aber sobald ich im Wasser bin, kriege ich das alles nicht mehr mit. Wenn ich dann auf die Uhr schaue und sehe, dass ich nur noch 5 Minuten Zeit habe, kommt der Stress wieder. Aber ich denke dann immer: „Entspann dich, es sind nur drei Mädels mit dir im Wasser. Genieß es!“ Das ist mein Hauptgrund, mitzumachen. Ich denke, es ist eine gute Gelegenheit, eine coole Zeit mit vielen Mädels im Wasser zu verbringen. Denn leider sind Frauen oft unterrepräsentiert im Wasser. Das ist schade.

Hast du auch bei anderen Contests mitgemacht?

Neben den adh bin ich ein paar mal die DM mitgesurft, aber das hab ich wieder sein lassen.

Wie findest du den Surfcontest German Open auf der Surfersweek?

Ich habe mich richtig über das neue Contest-Format gefreut, weil die adh-Open im Wellenreiten ja nur für Studierende sind und es neben diesen früher nur die Deutschen Meisterschaften als nationales Contest-Format gab. Die Organisation des Contests ist mit jedem Jahr besser geworden und ich finde es klasse, dass, soweit ich weiß auch immer mindestens ein Local aus der Umgebung mit in den Ablauf des Contest einbezogen wird.

Weißt du schon, was die Champs der diesjährigen German Open als Preise bekommen?

Noch nicht, das wurde nicht so wirklich kommuniziert, glaube ich. Aber was ich wirklich cool finde, ist, dass es noch eine Verlosung unter allen Teilnehmenden gibt, auch um mehr Leute zum Mitmachen zu motivieren.

Surfersweek Susanne Lücke
Foto: Florian Schötterl

Trotzdem haben dieses Jahr nur 12 Mädels an den German Open teilgenommen, was sagst du dazu?

Es ist super schade, dass sich nicht mehr Mädels angemeldet haben. Mein Wunsch für die Zukunft des Events ist auf jeden Fall, dass sich noch viel mehr Mädels für eine Contest-Teilnahme begeistern und die Teilnehmerinnen zur Teilnehmeranzahl in etwa ausgeglichen ist.

Wie sind deine Erfahrungen als Frau im Line-up? Manche Frauen erzählen ja, dass ihnen öfter reingedroppt wird etc.

Bewusst reingedroppt wird mir eher selten, würde ich sagen. Dafür werde ich oft, bevor ich überhaupt im Line-Up bin und surfe, gefragt, ob ich wirklich mit dem kleinen Board ins Wasser möchte oder nicht mit einem anderen Board besser beraten wäre. Da muss man dann einfach drüberstehen. Generell sind leider oft sehr wenige Frauen im Line-Up, was sehr schade ist. Gerade wenn es etwas voller wird, finde ich, dass die Atmosphäre meist entspannter ist, wenn zumindest ein paar Frauen da sind. 

Hast du manchmal das Gefühl, dass dir jemand eine Welle überlässt, weil du eine Frau bist?

Im Großen und Ganzen habe ich nicht das Gefühl, dass mir Wellen geschenkt werden, weil ich eine Frau bin. Vielleicht ab und zu, aber das ist nicht die Regel, würde ich sagen und das ist auch gut so. Was mir aber schon ab und zu auffällt, ist, dass Frauen manchmal nachsichtiger in Bezug auf Regelverletzung behandelt werden.

Spürst du manchmal Konkurrenz unter den Mädels beim Surfen, sei es beim Freesurfen oder bei Contests?

Zum Glück habe ich bisher nur Support erlebt und hoffe, dass es so bleibt. Deshalb mag ich die German Open so gerne, weil wir auch dieses Jahr entspannt miteinander surfen konnten und sich jede für die andere gefreut hat.

Susanne Lücke German Open
Foto: Florian Schötterl

Du lebst und arbeitest in Frankfurt. Wie oft kommst du dann ans Meer?

Ich komme leider nur ans Meer, wenn ich Urlaub nehme oder aus dem Ausland arbeite (im letzten Jahr durfte ich das bis zu 12 Arbeitstage). Dadurch, dass ich fast meinen gesamten Urlaub zum surfen nutze, komme ich zurzeit insgesamt auf etwa ein bis zwei Monate im Jahr am Meer.

Gerade bist du in der zweiten Woche deines einjährigen Sabbaticals. Warum hast du dich entschieden, eine Auszeit zu nehmen?

Hauptsächlich um mehr surfen zu können. :) Vor drei Jahren  war ich in meinem ersten Sabbatical schon einmal acht Monate zum Surfen unterwegs. Das fiel leider in die Corona-Zeit. Trotzdem hatte ich Glück: Ich konnte nach Costa Rica reisen, meinen Van ausbauen und durch Europa reisen.

Was hast du für dein Sabbatical alles geplant?

Da es gerade erst begonnen hat, habe ich noch nicht viele Pläne. Nächste oder übernächste Woche möchte ich in die Bretagne, weil ich dort noch nie zum Surfen war. Im August fliege ich dann mit Freunden auf die Malediven. Darauf freue ich mich schon mega. Ansonsten habe ich noch nichts geplant. Ich lasse es offen und schaue, was sich ergibt.

Susanne Lücke German Open
Foto: Antonia Bittmann

Du warst schon auf stehenden Wellen surfen. Was sagst du dazu?

Ja, ich war ein paarmal in Langenfeld, aber habe das dann irgendwann gelassen, weil es 2,5 Stunden Fahrt sind – eine Richtung. Anfangs habe ich gar nicht verstanden, warum Leute stehende Wellen surfen, das hat sich mittlerweile geändert. Meine ersten Versuche waren echt chaotisch, weil ich Schwierigkeiten hatte, die Geschwindigkeit mit den Banden an der Seite einzuschätzen. Aber als ich es dann öfter ausprobiert hab, fand ich es doch ganz lustig. Und die Leute sind immer sehr cool drauf dort.

Was hältst du vom neuen Wave Pool in München?

Ich würde ihn auf jeden Fall gerne testen. Die erste Welle, die ich gesehen habe, sah klasse aus. Für alle Münchner und die Umgebung ist das natürlich großartig. Ich denke, das kommt dem Meer-Surfen von allen künstlichen Wellenarten wohl am nächsten. Ich hoffe, dass irgendwann in der Nähe von Frankfurt etwas Ähnliches entsteht.

Ist Surfen manchmal frustrierend für dich?

Früher ab und zu, aber jetzt nicht mehr. Egal, was passiert, selbst wenn ich keine einzige Welle erwische, lerne ich immer etwas, wenn ich auf dem Wasser bin.

 

Header Foto: Florian Schötterl

Susanne Lücke
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