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Camilla Kemp

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Camilla Kemp im Interview: „Nach Olympia musste ich die Leidenschaft fürs Surfen erst wiederfinden”

Die erste deutsche Olympiasurferin spricht über das mentale Tief nach Paris 2024, ihre Ziele für Los Angeles 2028 und warum sie mit einem neuen Award junge Surferinnen fördern möchte.

Header-Foto: Björn Lentföhr / Hertz&Kopf

Mit ihrer Qualifikation für die Olympischen Spiele 2024 schrieb Camilla Kemp als erste deutsche Surferin Geschichte. Doch auf den größten Erfolg ihrer Karriere folgte eine Seite des Olympia-Traums, über die noch immer selten gesprochen wird.

Im Interview erzählt die 30-Jährige offen vom mentalen Tief nach Paris 2024, ihrem Weg zurück zur Leidenschaft fürs Surfen, ihren Zielen für Los Angeles 2028 und warum sie künftig gezielt junge Surferinnen fördern möchte.

Camilla Kemp
Camilla Kemp bei der Nations Trophy | Foto: Matze Ried O2 SURFTOWN MUC

Hey Camilla! Wir erwischen dich gerade zu Hause in Portugal, wo du dich auf die neue Saison vorbereitest. Wie sieht dein Alltag momentan aus?

Camilla Kemp: Ziemlich intensiv. Ich bin seit ein paar Monaten wieder hauptsächlich in Portugal, war zwischendurch aber ständig unterwegs: bei der Nations Trophy in München, im Trainingslager mit dem deutschen Team im Wavepool in Waco und zum Training in El Salvador. Jetzt freue ich mich darauf, wieder in meine Routinen zu kommen. Diese Woche startet für mich mit der European Qualifying Series in Lacanau endlich die neue Saison.

Du hast 2024 als erste deutsche Surferin an den Olympischen Spielen teilgenommen. Wenn du heute auf diese Zeit zurückblickst, was geht dir als Erstes durch den Kopf?

Es war eine unglaubliche Reise: von der Olympia-Qualifikation über die intensive Vorbereitung bis hin zu dem Moment, tatsächlich bei den Spielen zu starten. Ich verbinde mit den Olympischen Spielen unglaublich viele schöne Erinnerungen. Gleichzeitig wird oft vergessen, was nach so einem großen Ereignis passiert.

Viele sprechen über den Weg zu Olympia, aber kaum jemand über die Zeit danach. Für mich war sie ehrlich gesagt ziemlich schwierig.

Nach so einem großen Ziel fällt man erst einmal in ein Loch. Ich musste die Erlebnisse verarbeiten, wieder Boden unter den Füßen gewinnen, mir neue Ziele setzen.

Camilla Kemp Olympia
Camilla Kemp qualifiziert sich für Olympia (Foto: Pablo Franco (ISA))

Was war nach Olympia 2024 die größte Herausforderung für dich?

Ich musste meine Leidenschaft fürs Surfen wiederfinden. Das klingt vielleicht komisch, weil Surfen mein Leben ist. Aber plötzlich war dieses große Ziel weg. Es ging nicht mehr um Olympia oder die Qualifikation, sondern darum, den Alltag als Surferin wieder zu genießen, einfach aus Freude aufs Wasser zu gehen.

Ich glaube, viele Menschen lieben das Surfen wegen dieses Gefühls von Freiheit, draußen im Meer und mit der Natur verbunden zu sein. Genau dieses Gefühl war für mich plötzlich verschwunden.

Wie hast du den Weg zurück gefunden?

Vor allem habe ich mir Zeit gegeben. Ich bin grundsätzlich sehr streng mit mir selbst, aber irgendwann musste ich akzeptieren, dass ich diese Zeit brauche. Ich habe versucht, wieder das kleine Mädchen in mir zu finden, das einfach stundenlang am Strand sitzen und surfen wollte.

Meine Familie, meine Sportpsychologin und mein Team haben mich dabei unglaublich unterstützt. Heute freue ich mich wieder auf Training, auf Wettkämpfe und einfach darauf, möglichst gute Wellen zu surfen.

Dieses Gefühl zurückzubekommen, ist fast schöner als jede Medaille.

Camilla Kemp
Foto: Björn Lentföhr / Hertz&Kopf

Hat Olympia 2024 deinen Blick auf Ziele verändert?

Ja, definitiv. Ich habe gelernt, dass Ziele nicht immer an Ergebnissen festgemacht werden müssen. Es geht nicht nur um Medaillen, den höchsten Score oder die größte Welle. Mindestens genauso wichtig ist für mich heute der Weg dorthin. Meine Routinen, die tägliche Arbeit und die Freude am Surfen. Natürlich möchte ich weiterhin Wettkämpfe gewinnen und mich noch einmal für Olympia qualifizieren. Gleichzeitig merke ich aber auch, dass ich anderen etwas mitgeben möchte.

Ich möchte irgendwann die Surferin sein, zu der ich als Kind selbst gern aufgeschaut hätte.


Camilla Kemp

Foto: Björn Lentföhr / Hertz&Kopf⁠⁠

Die Quali für Los Angeles 2028 ist also fest im Blick?

Definitiv. Die Vorbereitung hat schon begonnen. Bis dahin liegen viele wichtige Etappen, die European QS der WSL, hoffentlich die Challenger Series und internationale Meisterschaften. Jeder Wettkampf bringt mich dem großen Ziel ein Stück näher.

Wenn du heute auf deine Olympia-Qualifikation zurückblickst, würdest du im Nachhinein etwas anders machen?

Mental würde ich mich wahrscheinlich anders vorbereiten. Gleichzeitig würde ich vieles genauso machen. Tim Elter und ich haben diesen ganzen Weg wirklich genossen. Diese Erfahrung kann uns niemand mehr nehmen. Ich würde wieder versuchen, alles aufzusaugen: die Atmosphäre, die Begegnungen mit anderen Athletinnen und Athleten und das gesamte olympische Erlebnis.

Die olympischen Wettkämpfe finden diesmal in Trestles, Kalifornien, statt. Kommt dir das entgegen?

Absolut. Trestles gehört für mich zu den besten Performance-Wellen der Welt und liegt mir deutlich mehr als Teahupo’o. Ich denke, dass Athletinnen und Athleten aus ganz unterschiedlichen Ländern gute Chancen haben werden, weil dort sehr progressives Surfen gefragt sein wird. Genau daran arbeite ich im Moment intensiv: Airs, Laybacks, moderne Manöver und modernes Performance-Surfen. Außerdem finde ich es großartig, dass die Surf-Wettbewerbe diesmal direkt im olympischen Umfeld stattfinden. Das wird noch einmal eine ganz besondere Erfahrung.

Camilla Kemp
Foto: Matze Ried O2 SURFTOWN MUC

Wie schätzt du die Chancen des deutschen Teams ein?

Auf dem Papier stehen die Chancen oft gegen uns, weil Deutschland keine klassische Surfnation ist. Umso beeindruckender ist es, dass wir bei beiden bisherigen Olympischen Spielen Surferinnen und Surfer qualifizieren konnten.

Wir arbeiten im Team gerade stark am modernen Performance-Surfen und hatten bereits mehrere Air Camps, unter anderem in Waco im Wavepool und in der O2 Surftown MUC. Gleichzeitig trainieren wir viele Heat-Situationen, damit wir unter Wettkampfdruck Leistung abrufen können.

Camilla Kemp

Gibt es jemanden, dem du die Qualifikation besonders gönnst?

Ich würde mich riesig freuen, wenn Dylan Groen es schafft. Ich sehe jeden Tag, wie viel Arbeit und Leidenschaft er investiert. Und am schönsten wäre es natürlich, wenn sich noch viele weitere Surferinnen und Surfer aus dem deutschen Team qualifizieren würden.

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Foto: ⁠Simon Fitz / Pure Surfcamps

Seit Kurzem arbeitet das Nationalteam mit dem deutschen Surfer Marlon Lipke zusammen. Wie erlebst du ihn als Coach?

Marlon bringt unglaublich viel Erfahrung mit. Wenn er über Technik oder Wettkampfstrategie spricht, merkt man sofort, dass er den Weg als Profisurfer selbst gegangen ist. Gleichzeitig vergessen wir natürlich nicht, was Martin Walz für unser Team geleistet hat. Beide bringen unterschiedliche Stärken mit und haben beziehungsweise werden den deutschen Surfsport auf ihre Weise prägen.

Camilla Kemp
Foto: Björn Lentföhr / Hertz&Kopf

Seit deiner Olympia-Qualifikation 2024 bist du Teil des Dryrobe®-Teams. Was bedeutet dir diese Partnerschaft?

Sehr viel. Als Profisportlerin ist es unglaublich wichtig, Partner an seiner Seite zu haben, die dieselben Werte teilen und einen auf dem gesamten Weg begleiten. Genau das erlebe ich bei Dryrobe®. Das Team unterstützt nicht nur meine sportliche Entwicklung, sondern auch Projekte, die mir persönlich am Herzen liegen.

Camilla Kemp
Foto: Matze Ried O2 SURFTOWN MUC

Eins dieser Herzensprojekte ist jetzt der Camilla Kemp Dryrobe®Rising Star Award. Was hat es damit auf sich?

Ich freue mich riesig, dass wir dieses Projekt jetzt endlich vorstellen können. Es war schon lange mein Wunsch, die nächste Generation von Surferinnen zu unterstützen. Mit dem Award möchten wir jedes Jahr eine Nachwuchssurferin auszeichnen, die nicht nur gute Ergebnisse erzielt, sondern vor allem Leidenschaft, Talent und den Willen mitbringt, den Weg der Profisurferin wirklich zu gehen.

Vergeben wird der Award jedes Jahr im Rahmen der Siegerehrung der Deutschen Meisterschaft. Berücksichtigt werden dabei unter anderem die Leistungen bei den Junioren-Europameisterschaften, WSL-Events und internationalen Nachwuchswettbewerben.

Mir geht es vor allem darum, jungen Mädchen zu zeigen, dass es einen Weg ins Profisurfen gibt. Die Gewinnerin erhält deshalb konkrete Unterstützung: ein Dryrobe®-Sponsoring mit finanzieller Förderung, einen Social-Media-Workshop mit Surfersmag und Surf-Sessions in der Surftown MUC. Ich hoffe, dass wir damit jungen Mädels helfen können, ihren Traum ein Stück leichter zu verwirklichen.

Camilla Kemp
Foto: Matze Ried O2 SURFTOWN MUC

Letzte Frage: Die Deutsche Meisterschaft findet dieses Jahr erstmals in Portugal statt. Freust du dich darauf?

Total! Ich finde das großartig. Ich habe die Atmosphäre bei der DM in der O2 Surftown MUC geliebt. Jetzt freue ich mich riesig darauf, dass wir in Portugal surfen werden. Hoffentlich kommen viele deutsche Fans nach Viana do Castelo. Und natürlich hoffe ich, dort meinen dritten deutschen Meistertitel zu holen. :)

Camilla Kemp
Foto: ⁠Simon Fitz Pure Surfcamps
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